Warum berühre ich
Ich achte den Körper als Gefäss für alles Denken und Fühlen, sowie für die spirituelle Dimension. Ohne den Körper als tragende Ebene zu erfahren, sind die anderen Ebenen nicht wirklich existent. Auch Beziehung und Sexualität kann erst ganzheitlich Erfüllend (alle menschlichen Ebenen betreffend) gelebt werden, wenn die Ebenen erfahren und miteinander verbunden sind. Sich solcherart als ganzen Menschen zu erfahren, ist letztlich auch Lebens-Sinn-Gebend.
Im Laufe meiner Beratungstätigkeit machte ich immer wieder die Beobachtung, dass durch Gespräche oft nicht die von den Klientinnen ersehnten Veränderungen in ihrer Beziehungsfähigkeit und Sexualität möglich wurden. Ich hatte immer wieder das Gefühl, dass ich die Menschen auch müsste berühren können, um etwas ganz konkret erfahrbar zu machen. Natürlich war ich unsicher wie solche Berührung aussehen sollte etc., aber in mir reifte die ganz klare Vision der «Lieberin», wie ich meine zukünftige Tätigkeit damals nannte.
Heute ist das Berühren von Menschen zu meiner Hauptaufgabe geworden, und dieses «lieben» ist ein ganz wesentlicher Teil meiner Therapie. Offenbar gelingt es mir, meine Wertschätzung und mein Mitgefühl spürbar in meine Arbeit einzubringen, so dass sich Menschen gesehen fühlen und entspannen können. In Ruhe und sicherer Umgebung darf ausprobiert werden, wie es sich anfühlt, gesehen zu sein, es darf ausprobiert werden, wie das ist, ganz langsam mit sich selber in Kontakt, und mit mir in eine therapeutische Beziehung zu treten. Aus diesem Übungsfeld heraus, und mit diesem sichern Boden, sind dann oft die nächsten Schritte möglich; in die «Welt» hinaus mit offenem Herzen.
Meine Körper– und Berührungsarbeit ist meine Berufung, und ich darf immer wieder erleben wie ich darin geführt und geleitet werde, das heisst, dass ich nebst meinem Wissen auch ganz stark meine Intuition einsetze.
Ich verknüpfe Sexualberatung mit erlebter Körperlichkeit – und nenne das Körpersexualtherapie. Einerseits gestützt auf die eigene Erfahrung, dass das was körperlich erlebt wurde, viel nachhaltiger verinnerlicht und in den Alltag integriert, oder überhaupt erst wirklich verstanden werden kann. Andererseits gestützt auf die Beobachtung, dass oft alles erklären, erzählen, ermutigen, unterstützen nichts nützt, ohne konkretes körperliches Erleben in achtsamer geschützter Atmosphäre.