Wie berühre ich

Berührung und Körperkontakt wie ich ihn anbiete, kann von blosser physischer Anwesenheit (bei Menschen mit Autismus oder Ängsten), über stilles Umarmen und Halten, wecken der Sinne mittels Düften, Klängen, etc, bis zur intuitiven Ganzkörpermassage alles (ausser sexuell motiviertem) beinhalten. Berührung kann auch heissen, dass ich einem Paar zeige, wie sie sich massieren können, oder dass ich Übungen vorzeige.

Berührung kann auch ganz Praktisches einschliessen: Beispielsweise mit einer Frau, oder einem Menschen mit körperlicher Behinderung vor dem Spiegel zu stehen, und sie dabei zu begleiten, ihr Spiegelbild auszuhalten. Es kann heissen, eine Frau mit geistiger Behinderung, auf den Gynäkologen-Besuch vorzubereiten, zu dem ich sie auf Wunsch dann auch begleiten kann.

Berühren kann auch Nachnährung heissen: Das kleine Kind, das die wohlwollende Nähe der Guten-Mutter-Figur spürt. Der Teenager der erste Schritte wagt, im Wissen, die Mutter ist hier und gibt Rückhalt usw. Kinder die Wertschätzung und Unterstützung der Eltern erleben, wenn es um ihren Körper und ihre Sexualität geht, leben als Erwachsene eine selbstregulierte Sexualität, mit der nicht allerhand anderes kompensiert werden muss. Da die wenigsten Kinder diese Wertschätzung ihrer Sexualität vollumfänglich erlebt haben, kann ein Nachnähren auch im Erwachsenenalter einiges an den richtigen Platz rücken. Diese Nachnährung kann einerseits durch meine Haltung und Präsenz spür- und erfahrbar werden, und kann in einer Umarmung genauso stattfinden, wie während einer tantrischen Massage. Oder ich nehme andererseits auch ganz bewusst die Rolle einer Guten-Mutter-Figur ein, und es kann darum gehen, Sätze zu hören, wie z.B.: «Es ist gut dass du ein Knabe bist, und du wirst einmal ein grosser, wunderbarer Mann wie dein Vater.»

Wenn jemand den Zugang zur Körperlichkeit und Nähe nicht hat, was ja Voraussetzung für ein Sexualleben ist, sind kleine Schritte notwendig, und schon eine Handmassage, oder eine Massage mit einem Massagetier kann vorerst genügen. Berührung und Massage kann auch über der Kleidung geschehen.

Wichtig ist auch die Rollenverteilung: Ich bin die Gebende. Ich empfange keine Berührungen. Berührungen, Massagen und Anleitungen sind in keiner Art und Weise eine versteckte Aufforderung zu erotischen oder sexuellen Interaktionen oder gemeinsamen sexuellen Aktivitäten.
Ich selber bin natürlich auch ein sexuelles Wesen. Aber ich bin darin geschult, bei mir allfällig auftauchende sexuelle Gefühle wahrzunehmen, anzuerkennen, und dann weg zu legen, weil sie in meiner begleitenden Rolle nicht gelebt werden. Das ist vergleichbar mit Eltern: Auch zur Elternrolle passt es nicht, dass allfällige sexuelle Regungen mit den Kindern geteilt oder gelebt werden.

Ausnahme sind natürlich Umarmungen und das Berührungstraining. In diesem Rahmen ist es manchmal sinnvoll, dass ich, in ganz klar definierter Form Berührungen empfange, die ich sehr bewusst annehme und zurückspiegle. Aber auch diese Berührungen dienen dazu einen sicheren Boden zu legen und sind in keiner Art und Weise eine sexuelle Interaktion.