Berührung und Behinderung

Menschen mit geistiger Behinderung werden körperlich erwachsen, bleiben geistig aber auf einer mehr oder weniger kindlichen Entwicklungsstufe stehen, und werden dadurch von BetreuerInnen und Eltern oft nicht als erwachsene, sexuelle Wesen wahrgenommen, sondern lebenslang wie Kinder behandelt. Dieses Ignorieren und / oder Abwerten von allem Körperlich/Sexuellen kann von Verwirrung/gespalten sein (über das was sie ja auch fühlen), über (Auto) Aggressionen bis hin zu Depression führen.

So sehe ich achtsame Berührung und sexuell absichtslosen Körperkontakt bei Menschen mit geistiger Behinderung als eine Möglichkeit, ihren Körper überhaupt zu begreifen, oder das was sie an Aufklärung gehört haben, auf sich selber zu übertragen.

Menschen mit körperlicher Behinderung hingegen wird die Sexualität abgesprochen, weil ihr Körper als zu wenig attraktiv eingestuft, oder überhaupt nur in Zusammenhang mit Operationen und Therapien wahrgenommen wird. Für sie kann sexuell absichtslose Berührung eine Möglichkeit sein, die individuelle Schönheit ihres Körpers spürbar zu machen, und so auch ihre sexuelle Identität zu stärken.

Menschen, die durch Unfall oder Krankheit eine Behinderung haben, ermöglicht Berührung ein neu Entdecken ihres Körpers und ihrer Sexualität.

Auch Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen gehören zu meinen KlientInnen. Für sie ist es oft ein Schlüsselerlebnis, für Momente in die Entspannung und Stille zu tauchen und dort gehalten zu sein.