Ejakulation bei Frauen?

«Man liest immer wieder, dass auch Frauen beim Orgasmus ejakulieren können. Was ist da dran?», fragt Simona (Name geändert).

In der Beratung schildern Frauen hie und da, dass kurz vor dem Orgasmus, Flüssigkeit Schwallweise oder auch fliessend aus ihrer Vagina tritt. Über die Menge der Flüssigkeit gibt es ganz unterschiedliche subjektive Wahrnehmungen, von «tropfend», bis «Liter weise». Das Fliessen oder Spritzen wird als Gefühl der tiefen Hingabe beschrieben, und kann auch ohne dass ein Orgasmus folgt, zumindest so wie er wissenschaftlich definiert wurde, vorkommen. Der Freudenfluss ist also nicht unbedingt auch ein Orgasmus.
 

Weibliche Sexualität ist nicht genau erforscht

Von ärztlicher Seite habe ich im Wesentlichen drei verschiedene Aussagen zu diesem Thema gehört. Erstens: «Eine weibliche Ejakulation gibt es nicht. Es handelt sich dabei um unwillkürlichen Urin Abgang.» Zweitens: «Die Flüssigkeit spritzt aus der Harnröhre.» Drittes: «Die Flüssigkeit fliesst aus der Vagina.»
Urin kann zwar in der Entspannung und Hingabe des Liebens, oder bei geschwächter Beckenbodenmuskulatur auch gelegentlich abgehen, oder dem Freudenfluss in geringen Mengen beigemischt sein. Aber Urin ist deutlich von der farb- und fast geruchlosen Flüssigkeit des Freudenflusses zu unterscheiden. Und jede Frau die ihn erlebt, weiss das zu unterscheiden! Der Freudenfluss ist eine Absonderungen aus der weiblichen Prostata, früher Sken - Drüsen genannt. Die Prostata liegt an der Harnröhre. Bei Stimulation der G- Zone, (G-Punkt) sei es durch Geschlechtsverkehr oder Manuell, werden die Drüsen in der Prostata angeregt, so dass sich Ejakulat bildet. Weil die Drüsengänge in die Harnröhre münden, fliesst oder spritzt das Ejakulat aus der Harnröhre. Bei Frauen, die nicht Ejakulieren wollen, oder nicht darum wissen, gelangt es in die Blase, und wird von dort mit dem Urin ausgeschieden.

Jede Frau ist einzigartig
Eines der Geheimnisse für schönen Sex ist es, zu wissen, dass alles immer sehr persönlich erlebt wird, und dass jede Frau für sich einzigartig ist. Aber manchmal schämen sich Frauen für ihre körperlichen Vorgänge, weil sie von Partnern oder Fachleuten in ihrem Erleben nicht ernst genommen, und dieses damit gedankenlos abgewertet wird. Deshalb ist es für sie gut zu wissen, dass es auch andere Frauen gibt, bei denen es gelegentlich flutscht und fliesst, oder gar eine regelrechte Überschwemmung gibt, auch wenn das noch nicht alle Wissenschaftler auch so anerkennen wollen. Ich empfehle, einfach das mit Freude zu geniessen, was bei der Sexualität ins Fliessen kommt. Mit oder ohne Freudenfluss!

Zielloses berühren

«Ich bin 38, und habe seit bald zehn Jahren keine Beziehung. Damit komme ich eigentlich ganz gut klar, aber hie und da fehlt mir Zärtlichkeit. Es geht nicht so sehr um Sex, sondern darum, am ganzen Körper gestreichelt und berührt zu werden, und mich hingeben zu können. Meine Frage, gibt es etwas in dieser Richtung, wo auch Frauen hin gehen können?», schreibt Alexa (Name geändert)

Hingabe lernen

Zärtlichkeit kommt in unserem Alltag ganz allgemein zu kurz. Mit oder ohne Beziehung. Berührung ist meist an eine Erwartung, ein Ziel geknüpft, oder an die Angst, «der oder die will etwas von mir, was ich nicht geben will.» Auch wenn wir uns selber berühren, geht es ja meist darum, einen Orgasmus zu erzielen. Wir haben es offenbar verlernt, ziellos aus dem Moment heraus zu berühren, und uns berühren zu lassen. Aus diesem Grund können wir oft gar nicht wahrnehmen, was eine Berührung in unserem Körper oder unserer Seele auslöst, weil wir eben immer schon einige Schritte weiter sind, nämlich beim Ziel. Wir haben das Geniessen verlernt. Die Hingabe an den Moment. An uns selber.

Tabus brechen

Zur Frage, was Frauen für Möglichkeiten haben, auch ohne Beziehung Zärtlichkeit zu erleben, habe ich drei Anregungen, die übrigens auch für Männer anwendbar sind.

Der Gipfel der Lust

«Das Thema weiblicher Orgasmus beschäftigt mich. Ich bin unsicher, weil ich selber ganz unterschiedliche Arten von Orgasmen wahrnehme. Und wenn ich mit Freundinnen darüber rede, verwirrt es mich, weil jede von anderen Empfindungen berichtet. Was bezeichnet man denn als richtigen Orgasmus?», fragt die 36-jährige Nina, (Name geändert)

Orgasmus aus dem Labor

In den 50er Jahren hat das Sexualforscherehepaar William H. Masters und Virginia E. Johnson, Menschen bei verschiedenen sexuellen Aktivitäten im Labor beobachtet, und ihre Reaktionen gemessen und aufgezeichnet. Sie fanden heraus, dass sich bei Frauen auf dem Gipfel der sexuellen Erregung der äussere Teil der Vagina, die so genannte orgastische Manschette, rhythmisch zusammenzieht. Sie haben durchschnittlich zwölf Kontraktionen in Intervallen von 0,8 Sekunden festgestellt. Diese Körperreaktion wird als weiblicher Orgasmus bezeichnet.

Kein Warten auf den Orgasmus -Prinzen

Ich bezweifle jedoch, dass sich in einer Laborsituation die volle sexuelle Fülle entfalten kann, und sich Orgasmen nur in der genannten Form äussern. Natürlich kennen viele Frauen diesen wissenschaftlich beschriebenen und vermessenen Orgasmus, vor allem herbeigeführt durch Stimulation der Klitorisspitze. In der Beratung werden mir jedoch auch ganz andere Empfindungen geschildert. Oft verknüpft mit der bangen Frage, ob das denn richtige Orgasmen sind, weil sie eben nicht am vorgesehenen Ort pulsieren, weil sie viel länger, oder auch weniger lang dauern, viel tiefer gehen, kaum spürbar, verbunden mit grosser Feuchtigkeitsausschüttung, oder je nach Situation sowieso ganz unterschiedlich sind.

Um den Orgasmus-Stress zu reduzieren und das Geniessen zu erhöhen, plädiere ich dafür, sexuelle Reaktionen die als entspannend, sättigend, befriedigend und erfüllend erlebt werden, als Orgasmen zu bezeichnen, auch wenn sie ganz anders daherkommen, als oben beschrieben. Sexualität ist viel mehr als eine blosse Körperreaktion, und kann aus diesem Grund auch nicht bis ins Detail ausgemessen werden.

Frauen die keine Orgasmen erleben, ermutige ich regelmässig, geduldig, zärtlich und genussvoll zu experimentieren, und ihren ganzen Körper und seine erotisch/sexuellen Empfindungen und Reaktionen zu erkunden. Auch im Bewusstsein dafür, dass sie für ihren Orgasmus in erster Linie selber verantwortlich sind, und es selten etwas bringt, auf den Orgasmus-Prinzen zu warten.

«Ich bin 60, schlank, modisch, chic, und alle die mich kennen, können nicht verstehen, dass ich keinen Freund habe. Da fängt mein Dilemma an. Der Mann der altersmässig zu mir passt, ist mir zu einfallslos. Ich hatte fast ein Jahr lang einen jüngeren Freund, und wir hatten wunderschönen Sex. Der fehlt mir jetzt. Ich habe es schon mit Inseraten versucht, aber da melden sich fast nur verheiratete, oder Männer ohne Niveau. Nur verzichte ich lieber, als dass ich es mit einem Mann mache, der mir nicht gefällt. Aber Hilfe, soll ich in einen Swinger Club, oder wie finde ich einen hübschen, schlanken, glatt rasierten Mann mit Schnauz?», schreibt Margareta (Name geändert)

Abwertende Haltung

Was Sie schildern, erzählen viele Frauen. Es ist eine Tatsache, dass es für Frauen mit zunehmendem Alter schwieriger wird, einen Partner oder Liebhaber zu finden. Aber es ist beileibe nicht aussichtslos!

Zwischen den Zeilen schimmert für mich aber auch etwas Fatales durch: Die Haltung vieler reiferer Frauen, «Männer in meinem Alter sind entweder besetzt, ungepflegt oder langweilig.» Mit dieser unterschwellig abwertenden Haltung wird ihr Blick kaum je neugierig auf einem Mann im «passenden» Alter verweilen. Es ist doch so, dass wir genau das zu sehen bekommen, was wir sehen wollen, das woran wir glauben, und das andere wird ausgeblendet. Im geschilderten Fall heisst das, wir sehen lauter 60-jährige, mit denen nichts mehr los ist, und unsere Haltung wird noch bestärkt. Und wenn der Gesuchte auch noch genau die oben beschriebenen äusseren Attribute vorweisen muss, verengt sich der Blickwinkel noch mehr.

Überrascht und beschenkt

So kann ich mir gut vorstellen, dass Sie schon an manchem interessanten, und auf seine ureigene Weise attraktiven Mann achtlos vorbei gegangen sind. Sie haben seinen bewundernden Blick nicht wahrgenommen, weil er nicht glattrasiert, oder nicht ganz schlank war, oder dachten Sie vielleicht gerade: «Männer in diesem Alter sind langweilig?»

 

Ich spüre aus Ihren Zeilen nicht genau heraus, was sie wirklich möchten. Ihre Beschreibungen beschränken sich auf Äusseres. «Schön ist was mit Liebe betrachtet wird», hilft vielleicht weiter. Wer den Fokus eher auf die innere Herzgegend richtet, wird vielleicht überrascht und beschenkt. Mit festen Erwartungen und genauen Vorstellungen passiert das kaum.

Den Fokus erweitern

Orgasmus mit Vierzig?

«Ich kenne eine vierzig jährige Frau, die nie einen Mann hatte, und die auch nie Selbstbefriedigung gemacht hat. Aus Gesprächen mit ihr habe ich den Eindruck bekommen, dass sie gar nicht weiss, dass auch Frauen einen Orgasmus haben können. Ist es wirklich so, dass in solchen Fällen ein Orgasmus irgendwann gar nicht mehr möglich ist, oder könnte sie das noch lernen? Könnte man ihr das zeigen?», fragt Roger Meier (Name geändert)

Fähigkeit zum Orgasmus verliert sich nicht

Die Fähigkeit zum Orgasmus verliert sich nicht ab einem bestimmten Alter. Ich weiss von einigen Frauen, die im letzten Lebensdrittel erstmals diese Erfahrung gemacht haben!

Die Geschichte der Frau, von der Sie schreiben, kenne ich nicht. Ich weiss nicht, warum sie ihre Sexualität weder mit einem Mann noch durch Selbstbefriedigung lebt. Fehlt es ihr überhaupt? Es gibt Menschen die auch ohne das zufrieden sind. Und vielleicht lebt sie ja auch eine Art der Sexualität, die wir gar nicht als solche erkennen können, weil sie nicht dem gängigen Bild entspricht. Vielleicht hat sie für sich selber etwas entdeckt, das sie nährt. Das wäre dann ihre ureigene Form der Sexualität. So bezweifle ich, ob es eine gute Idee ist, ihr zu zeigen, wie sie sich selber befriedigen kann.

Langsames Annähern an den ganzen Körper

Anders sieht es aus, wenn diese Frau ganz klar äussert, dass sie das Onanieren lernen möchte, aber nicht so genau weiss wie. Ich weiss nicht, in welcher Beziehung Sie zu dieser Frau stehen. Aber möglicherweise macht es eher Sinn, wenn sie dabei von einer Frau begleitet und unterstützt wird. Natürlich kann sie sich auch selber auf Entdeckungsreise begeben, und braucht nur eine wohlwollende Person im Hintergrund, die ihr sozusagen die Erlaubnis dafür gibt, und an die sie sich bei Bedarf wenden kann.

Wie auch immer, ich denke als erster Schritt ist das direkte Zeigen nicht geeignet. Es ginge wahrscheinlich eher darum, dass sie sich langsam ihrem Körper nähert, ihn anschaut und entdeckend berührt, sich mit ihrem Körperbild anfreundet, und dass sie sich mit den Empfindungen, die das auslöst, auseinander setzt. Erst wenn sie sich mit ihrem ganzen Körper langsam vertraut fühlt, kann sie sich auch ihren Genitalien nähern. Auch hier kann sie sich zuerst visuell annähren, bevor sie sich auf taktile Entdeckungsreise macht. Bei all dem sollte nicht unbedingt der Orgasmus an erster Stelle stehen, sondern das absichtslose Berühren. Und aus dieser Sicherheit heraus kann sie dann mit der Zeit auch gezielter in Richtung Orgasmus gehen. Dafür gibt es auch Bücher mit konkreten Übungsanleitungen.

Lonnie Barbach, For Yourself, Econ Ullstein List, Fr. 14.80, ISBN 3-548-20182-2

Die abgewerteten Männer

«Es gibt einfach keine guten Männer. Entweder sind sie unentwickelt und unbewusst, festgefahren, oder schlicht nicht beziehungsfähig. Nicht einmal an Orten, wo man etwas bewusstere Männer erwarten könnte, gibt es sie wirklich. Es ist zum verzweifeln! Wo findet eine bewusste Frau im mittleren Alter einen Partner?», fragt die 45-jährige Susanna (Name geändert)

Achtung statt Missachtung

Solche und ähnlich abwertende Aussagen höre ich immer wieder von Frauen. Da rattert also bei jeder Begegnung mit einem Mann der innere Scanner los: Aha, beziehungsunfähig, unbewusst, festgefahren usw., bevor sie auch nur richtig hinschauen. Wenn John Lennon einst sagte: Leben ist das was passiert, während wir gerade damit beschäftigt sind, andere Pläne zu schmieden, könnte das übersetzt auf diese Situation heissen: Da ist ein Mann, aber ich sehe ihn nicht, weil ich gerade dran bin, ihn mir anders zu basteln. Wie können Sie einen «guten Mann» erwarten, wenn sie selber nicht bereit sind Achtung zu zeigen, das heisst hinzuschauen und sich auf das einzulassen was ist? Ein Mann ist nie einfach nur unbewusst, genauso wenig, wie eine Frau nie einfach nur bewusst ist. Jeder Mensch vereinigt ganz Verschiedenes und zum Teil sehr Gegensätzliches in sich.

Glaubenssätze verunmöglichen das Hinschauen

Begegnungen sind letztlich auch Spiegel. Die Frage ist, was wir bei uns selber und im anderen sehen und erkennen können. Da gäbe es Fragen, die Sie sich selber stellen könnten: Wie begegne ich dem anderen Geschlecht? Was habe ich für Erwartungen? Wer ist dafür zuständig, dass die erfüllt werden? Was sind meine Lebensmuster? Warum sehe ich eigentlich nur die «unbewussten» Männer, und alle anderen nehme ich offenbar gar nicht wahr? Glaubenssätze wie: «Männer sind so und so», verunmöglichen es hinzuschauen, wie sie denn auch noch sind. Grundsätzlich sind Männer Menschen wie Frauen auch, mit den Grundbedürfnissen nach Liebe, nach Achtung, nach Zärtlichkeit. Und sie brauchen kaum die Nacherziehung und das Genörgel der Frau, sondern genauso wie Frauen auch, ein Gegenüber mit einem offenen Herz.

Aber Achtung: Das Herz zu öffnen kann schmerzhaft sein. Denn plötzlich ist man vielleicht mit der eigenen Angst vor Beziehung konfrontiert, mit dem eigenen Festgefahren sein, mit der eigenen Unbewusstheit. Aber dadurch kommen Sie der Sache näher. Das kann nach dem ersten Erschrecken über sich selber befreiend sein, weil Sie so ihre eigene Verantwortung wahrnehmen, und sie nicht länger auf die Männer abschieben.

Sexualität auch ohne Brust

«Ich bin eine muntere, unternehmungslustige, allein stehende 70-jährige Brust amputierte Frau, mit plötzlicher «Lust auf Mann». Möchte auf Inserate antworten, aber ich kann doch nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen, dass mir eine Brust fehlt. Ich kann das doch höchstens bei einem ersten Treffen «beichten». Sage ich es zum voraus, oder lasse ich es auf die «Stunde der Wahrheit» ankommen? Zieht sich ein Mann sofort zurück, wenn es das erfährt? Ich habe natürlich Hemmungen mit diesem Handicap, aber sehne mich doch nach wenigstens manchmal ein paar Kuscheleinheiten. Soll ich selber ein Inserat machen, und gleich darin sagen, dass mein Körper nicht mehr ganz vollständig ist?», schreibt Barbara Richard (Name geändert)

Falls man dem Glauben schenkt, was allgemein als Lifestyle propagiert wird, gibt es nur den jungen, unversehrten Körper, der erst noch modisch geformt werden muss, damit er als schön und begehrenswert durchgeht. Aber die Realität sieht glücklicherweise noch etwas anders aus. Auch das Leben formt einen Körper. Lebensstil, Erfahrungen, das Älter werden, Krankheiten usw. hinterlassen nebst den inneren, auch äussere Spuren. Und das darf so sein.

Liebevolle Blicke sehen Schönheit

Ich kann Ihre Hemmungen verstehen, und auch, dass Sie ihre fehlende Brust als Handicap bezeichnen. Ich habe aber auch gelesen, dass Sie sich als munter und unternehmungslustig beschreiben. So ist die fehlende Brust nur ein kleiner Teil von Ihnen, macht nur ein kleiner Teil der Barbara Richard aus. Ein Blick in den Spiegel sagt: Oh ja, das bin ich auch, ich mit einer Brust. Ein anderer Blick sagt: Oh ja, das bin ich auch, ich die Muntere, Unternehmungslustige. Das zusammen macht die Barbara Richard von heute erst aus. Ihre überwundene Krebserkrankung hat ja nicht nur eine äussere Narbe hinterlassen, sondern auch innerlich einiges in Bewegung gebracht. Und das gehört zusammen.

Ich möchte Sie dazu ermuntern, sich selber mit Liebe anzuschauen. Denn was mit Liebe betrachtet wird, ist schön. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie Männer reagieren, und ob Sie schon bei einem ersten Treffen, oder erst in der «Stunde der Wahrheit» über ihren Körper reden sollten. Ich denke, Sie werden das spüren. Und wenn Sie gelernt haben, sich selber mit liebevollen Augen zu sehen, werden Sie die fehlende Brust auch nicht als Handicap darstellen, sondern als etwas, was heute zu Ihnen und Ihrem Leben gehört. Als etwas was Sie vielleicht gelassener gemacht hat, als etwas das Ihre Lebensfreude noch sprühender hat werden lassen. Aber auch der Satz: «Ich habe Hemmungen», hat auf jeden Fall Platz. 

  • Selbstliebe-Rituale erfinden, die nicht Orgasmus(s) meinen, sondern Genuss, Hingabe und Freude.
  • Im Freundinnenkreis gleich Gesinnte suchen, und sich in sinnlich gestalteter Atmosphäre gegenseitig massieren. Dieser Schritt braucht ein bisschen Mut.
  • Oder sich eine professionelle sinnlich-erotische Massage leisten. (Braucht auch ein bisschen Mut) Im tantrischen Umfeld werden solche Massagen explizit auch für Frauen angeboten. Es geht darum, dass eine achtsame, liebevolle Massage des ganzen Körpers, einschliesslich des Intimbereichs, ein tiefes Gefühl von Angenommen sein auslösen kann. Angenommen mit dem Bedürfnis nach Berührung, Entspannung, sowie dem Wunsch das eigene sexuelle Empfinden in Würde zu geniessen. Eine solche Massage ist in erster Linie eine Reise zu sich selbst, und es geht nur um das passive Geniessen, und wahrnehmen.

Achtung: Unter dem Namen Tantra wird allerhand angeboten, das sich letztlich nicht gross von Bordellen und Swingerklubs unterscheidet. Es lohnt sich genau zu fragen, was und mit welcher Haltung es angeboten wird. Die unten aufgeführten Adressen sind wirklich auch für Frauen geeignet.

«Ich habe ein Problem, für das ich mich sehr schäme, und entsprechend, habe ich auch noch nie darüber geredet. Ich bin 67, eigentlich aktiv und gesund, aber ich habe eine schwache Blase oder so etwas. Das heisst, in den dümmsten Momenten kann mir einfach Urin abgehen. Und zwar nicht einfach ein paar Töpfchen wie früher, sondern meist ein ganzer Gutsch. Ich geh immer weniger aus dem Haus, aus Angst, dass man etwas sehen oder riechen könnte. Auch mit meinem Mann hab ich noch nie richtig darüber geredet. Ich schäme mich auch, noch körperlichen Kontakt mit ihm zu haben, obwohl es mir sehr fehlt», schreibt Gerda Huber (Name geändert)

Blasenschwäche ist ein Volksleiden

Blasenschwäche oder Harninkontinenz ist weit verbreitet, und kann als Volksleiden bezeichnet werden. In der Altersgruppe der 30 bis 40-jährigen sind 15 %, bei den 40 bis 50-jährigen 25%, und in den geriatrischen Abteilungen mehr als 60% davon betroffen. Frauen häufiger als Männer. Erstaunlich darum, dass diese gesundheitliche Störung als ganz grosses Tabu gilt, und entsprechend mit viel Scham verbunden ist. So sehr, dass Frauen und Männer oft glauben - vor allem mit zunehmendem Alter - das einfach still ertragen und erleiden zu müssen.

Aber dem ist nicht so! Jede Art von Blasenschwäche gehört grundsätzlich einmal in ärztliche Abklärung. Die obgenannten Zahlen zeigen: Sie sind mit dieser Störung nicht allein, Frau Huber. Fassen Sie also Mut, und sprechen mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, und bestehen auf einer sorgfältigen Abklärung. Dadurch kann je nach Ursache und Form der Harninkontinenz, die richtige Therapie gefunden werden. Therapie kann Beckenboden- oder Blasenentleertraining heissen, Änderungen des Trinkverhaltens oder eine Behandlung von chronischen Entzündungen bedeuten, oder Medikamenten- bzw. Hormoneinnahme, oder auch eine Operation umfassen. In ganz vielen Fällen kann mit der geeigneten Therapie die Kontrolle über die Blasenfunktion wieder erlangt, und in ganz vielen anderen Fällen zumindest Linderung für diese Störung erzielt werden.

Scham und Schweigen verhindern Lust

Das gleiche gilt auch für Ihre Beziehung: Reden Sie mit Ihrem Mann. Formulieren Sie Ihre Scham, Ihr Unbehagen, Ihre Befürchtungen. Handeln Sie miteinander aus, welche Formen der Sexualität für Sie beide, auch mit gelegentlichem Urinabgang unbeschwert lebbar sind. Vom medizinischen Standpunkt aus ist gegen Körperlichkeit und genitale Sexualität, auch mit einer bestehenden Blasenschwäche nichts einzuwenden. Urin an sich ist nichts Schmutziges.

Auskünfte, Broschüren, Infomaterial: Schw. Gesellschaft für Blasenschwäche, Gewerbestrasse 12, 8132 Egg. Tel. 01 994 74 30, www.inkontinex.ch

Wenn die Blase rinnt

Orgasmus-Mythos

«Ich bin 45 Jahre alt und habe selten bis gar nie einen Orgasmus während dem Geschlechtsverkehr erlebt. Manchmal habe ich beim Oralsex oder mit dem Finger einen kurzen aber nicht sehr intensiven Orgasmus. Nur wenn ich mich selber befriedige, erlebe ich einen langen und intensiven Orgasmus. Ich würde lieber dieses schöne Gefühl zusammen mit meinem Freund, statt alleine erleben. Liegt das an mir, oder sind die Männer unfähig, eine Frau zu befriedigen?», schreibt Martina Halter (Name geändert)

Durchlässiger Körper

Es kann verschiedene Gründe haben, warum eine Frau selten oder nur mit sich selber einen befriedigenden Orgasmus erleben kann. Einer der sexuellen Mythen ist, dass der Orgasmus durch Penetrationssex ausgelöst werden muss. Tatsache ist jedoch, dass beim herkömmlichen Geschlechtsverkehr rund 70 Prozent der Frauen zusätzliche Stimulation, vor allem rund um die Klitorisperle brauchen, um zu einem Orgasmus zu gelangen. (Direkte Stimulation der Perle empfinden viele Frauen als unangenehm.) Aber genau dieses Stimulieren, dieses zielorientierte Reiben und Züngeln kann Erfolgsdruck auslösen. Dadurch entsteht eine Spannung in Seele und Körper, und die Frau verkrampft sich. Ein verkrampfter Körper geht zu. Damit sich eine Spannung aufbauen kann, die sich dann auch wieder entladen, oder eben ganz entladen kann, muss der Körper jedoch durchlässig sein.

Eine Möglichkeit kann sein, den Orgasmus eine zeitlang zu vergessen, und sich ohne Ziel zu berühren, sich immer wieder mit tiefen Atemzügen zu entspannen, miteinander zu verweilen, tiefe Blicke zu tauschen, und all das zu geniessen, was es zu geniessen gibt, ohne ein Ziel erreichen zu wollen.

Hingabe statt Machen wollen

Und zum Schluss noch ein paar Fragen, die eine Überlegung Wert sein können: Denken Sie, dass der Mann dafür zuständig ist, die Frau zu befriedigen? Und: Haben Sie Ihrem Partner gezeigt - und tun das auch immer wieder - was Sie mögen, und was Sie gar nicht mögen? Und wie steht es mit dem Thema Hingabe? Ich weiss, ein Wort, das unter Frauen beinahe Schimpfwort ist, weil es als Selbstaufgabe missverstanden wird. Aber ohne tiefe Hingabe bleibt Sexualität an der Oberfläche. Sie kann wohl Spass machen und befriedigen, aber nicht die ganz tiefe Verbindung zwischen zwei Menschen schaffen, nach der sich die meisten sehnen. Die Frau muss aus tiefstem Herzen bereit sein, den Mann in sich aufzunehmen. Und der Mann muss dieses Geschenk würdigen, und ihren Raum mit der notwendigen Achtung betreten. So kann vieles ins Fliessen kommen, was vorher gestaut war. Und vielleicht gibt es auch ganz andere Orgasmen zu entdecken, solche die aus der Stille und Entspannung kommen.

«Im Fernsehen wurde über einen Grossuntersuch amerikanischer und englischer Frauenärztinnen berichtet. Es ging um die erogenen Zonen der Frau. Die Frauen mussten einzeln in einen Raum. Danach wurden einige interviewt. Zwei über 80-Jährige meinten, sie hätten sich nicht vorstellen können, dass es ein so schönes Erlebnis geben könne. Haben Sie Kenntnis von dieser Studie? Es sollte doch möglich sein, ohne zu grosse Anstrengung Orgasmen erleben zu können, ohne einen intimen Kontakt mit einem Mann. Bei der jetzigen Moral ist ein Verhältnis mit einem Mann ein grosses Risiko krank zu werden. Und doch wäre es für über 60-jährige Witwen für die Gesundheit wichtig, gefahrlos Orgasmen erleben zu können» , schreibt Martha Wäschle (Name geändert)

Erogene Zonen erkunden

Über den Fernsehbeitrag und die Studie weiss ich nichts. Vielleicht weiss eine Leserin oder ein Leser mehr? Danke.

Selbstbefriedigung ist der Weg zu den Orgasmen ohne Partner oder Partnerin. Machen Sie sich selber auf die Suche nach Ihren erogenen Zonen. Nehmen Sie sich immer wieder Zeit, und entdecken Sie Ihren ganzen Körper so, wie wenn Sie ihn noch nie berührt hätten. Für das Erkunden des Intimbereichs nehmen Sie ein Gleitmittel. Denken Sie noch gar nicht an den Orgasmus, sondern spüren Sie nur, wie sich die Berührungen anfühlen, was Sie besonders mögen, und geben Sie sich das auch. Wenn Sie wissen, welche Stimulation Sie brauchen, um einen Orgasmus auszulösen, können Sie auch mal Hilfsmittel einsetzen. Viele Frauen, die Klitoris-Stimulation mögen, schwören auf Fibrator, oder Duschbrause. Frauen, die lieber, oder zusätzlich, G-Punkt-Stimulation haben, greifen zu einem Dildo. Sich als ältere Frau so was anzuschaffen, braucht vielleicht etwas Mut. In der Condomeria z.B. gibt es nette Beratung.

Safer Sex statt Verzicht

Aber ist es nicht schade, sich im Alter einer neuen Beziehung zu verschliessen, nur aus Angst vor einer möglichen Ansteckung? Ich nehme an, Sie denken vor allem an HIV und Aids. Für ältere Menschen gelten die gleichen Safer Sex Regeln wie für die Jungen auch. Und auch ältere Menschen sollten, wenn es Risikosituationen gegeben hat in ihrem Leben, einen HIV-Antikörpertest machen, wenn sie eine neue Beziehung eingehen. Die Aids Hilfe hat ein Beratungstelefon.

Im Alter kann der Umgang mit Präservativen etwas schwieriger werden. Wenn eine Erektion nicht mehr so fest ist, oder kommt und geht, kann es oft lustvoller sein, nicht eindringende Formen der Sexualität zu geniessen, statt sich mit einem Präservativ abzumühen.

  • Zürcher Aids Hilfe, Tel. 044 455 59 00
  • Condomeria, Münstergasse 27, Tel. 044 261 45 49

Gefahrlose Orgasmen

Wo genau befindet sich der G-Punkt, und wie wird er stimuliert? Wird diese Stimulierung auch durch den Geschlechtsverkehr ausgelöst, oder nur durch einen Dildo? Ich kenne mich auch mit Hilfsmitteln nicht so aus. Können Sie mir den Unterschied zwischen einem Vibrator und einem Dildo erklären?», schreibt Martina Hurter (Name geändert)

Entscheidend sind die Bedürfnisse

Ein Vibrator vibriert, ist in der Regel Batterie betrieben, und wird äusserlich, also für die Klitorisstimulation benutzt. Dildos hingegen vibrieren nicht, und sind für die Stimulation in der Vagina gedacht. Mit einem Dildo können Geschlechtsverkehrs- ähnliche Bewegungen ausgeübt, oder es kann ganz gezielt der G-Punkt massiert werden. Für zweiteres wählt frau am besten einen Dildo, der gebogen ist. Dann gibt es auch Teile, die G-Punkt und Klitoris gleichzeitig stimulieren. Vibratoren und Dildos gibt es in den unterschiedlichsten Formen, Farben und Materialien.

Um das richtige Spielzeug zu finden, ist es von Vorteil, den Körper und die sexuellen Bedürfnisse etwas zu kennen. Ganz viele Frauen mögen keine direkte Stimulation der Klitoris. Das kann die Wahl eines Vibrators beeinflussen. Muss er weich oder hart sein, soll er stark oder nur ganz leicht vibrieren, wo genau möchte ich Vibration? Reicht es, äusserlich gekitzelt zu sein, oder möchte ich einfach etwas in der Vagina haben, oder möchte ich auch Bewegung, oder geht es um den G-Punkt, können weitere Fragen sein, die dann die Wahl eines Dildos beeinflussen.

Probieren statt studieren

Der G-Punkt ist eine Art Geflecht in der Vagina, auf der vorderen Seite, und wie tief er liegt, variiert von Frau zu Frau. Wenn Sie mit dem Finger die Innenseite der Wange berühren, fühlt sich das etwa so an, wie die Vagina. Wenn Sie denn zum Gaumen weiter streichen, wissen Sie in etwa, wie sich der G-Punkt anfühlt, nämlich etwas rauer. Um den G-Punkt zu erkunden, nehmen Sie Gleitöl. Am besten spüren Sie ihn, wenn Sie ein bisschen erregt sind. Mit dem leicht gebogenen Finger probieren Sie mal verschiedenes aus. Reiben, stossen, kreisen, einfach nur berühren. Am Anfang kann es etwas unangenehm sein, oder eine Art Harndrang auslösen. Wenn Sie mögen, bleiben sie aber einfach dran, und atmen Sie dabei tief ein und aus. Auch zusammen mit dem Partner kann es spannend und verbindend sein, den Körper und seine Reaktionen zu entdecken, und sich auch darüber auszutauschen. Der G-Punkt wird auch beim Geschlechtsverkehr stimuliert. Je nach Stellung mehr oder weniger. Wenn Sie das mögen, sind Stellungen, wo Ihr Partner hinter Ihnen ist, besonders dafür geeignet.

Dildo oder Vibrator?

«Was mich eigentlich schon lange beschäftigt ist die Frage nach dem Orgasmus bei der Frau. Wie manifestiert sich dieser? Besteht der Höhepunkt bei der Frau aus einem sehr starken sekundenlangen Gefühl oder muss wie beim Mann aus seinem Penis, etwas aus der Scheide fliessen? Ich gehöre nicht mehr zur jungen Generation und habe einige sexuelle Erfahrungen gemacht. Ich empfinde einfach immer nur einen wunderbaren Moment der Befriedigung, ohne dass etwas fliesst. Ist das nun der so genannte Höhepunkt?», fragt Hedi Meier (Name geändert)

Auf’s Empfinden kommt es an

Wenn Sie einen wunderbaren Moment der Befriedigung empfinden, ist das Ihr Höhepunkt. Ganz egal, wie der Orgasmus bei anderen Frauen auch noch daherkommen kann, oder wie vielleicht ein Gegenüber erwartet, dass er daherkommen sollte. Sexuelles Erleben und Empfinden ist etwas sehr Individuelles, und so geht es darum, das eigene Erleben und Empfinden als richtig anzuerkennen.

Verschiedene Arten von Orgasmen

Vor gut 50 Jahren begannen die beiden Sexualforscher William Masters und Virginia Johnson mit der direkten Beobachtung der sexuellen Reaktionen des Menschen. Freiwillige wurden während verschiedenen sexuellen Handlungen im Labor beobachtet, und ihre Reaktionen gemessen und aufgezeichnet. Auf der körperlichen Ebene heisst Orgasmus, lösen der Muskel- und Nervenanspannung, die sich während der Erregungs- und Plateauphase aufgebaut hat. Bei der Frau beginnt die im Labor gemessene Art von Orgasmus mit rhythmischen Kontraktionen im äussern Drittel der Vagina, und dauert etwa 12 Sekunden. Bei einigen Frauen kommt dabei auch ein Freudenfluss ins Fliessen. Über das Erleben und Empfinden sagt das jedoch nichts aus. Je nach Erregung, Partnerschaft, Situation usw. kann ein Orgasmus Gefühle von schal und leer, bis wunderbar beglückend hinterlassen. Sexualität ist immer auch geprägt von Lebensumständen usw., und die kommen in einer Laborsituation nicht wirklich zum tragen.

Es gibt noch eine ganz andere Art von Orgasmus. Ein Orgasmus der aus der Entspannung entsteht. Man geht davon aus, dass durch dieses Entspannt sein, die gemeinsam aufgebaute Energie im Körper viel subtiler ins Fliessen kommt, so dass der ganze Körper orgasmisch wird. Diese Art von Orgasmus kann im Brustbereich, genauso wie ganz tief in der Vagina als fliessen und pulsieren wahrgenommen werden, und sehr lange andauern. Wie auch immer, ich persönlich finde, dass alles was befriedigt, sättigt und nährt als Orgasmus bezeichnet werden kann, ganz egal wie der nun daherkommt. Und für alles was schal oder unbefriedigend ist, besteht jederzeit die Möglichkeit einer Veränderung.

Was genau ist ein Orgasmus?