«Ich habe noch nie Petting gemacht und möchte es demnächst mit meinem Freund ausprobieren. Wie weit darf man bei einem Jungen die Vorhaut zurück ziehen? Wie soll ich mir das vorstellen? Wie sieht es aus und wie fühlt es sich an wenn man sie ganz zurück gezogen hat? Ich habe einmal gelesen, dass man den Penis mit der ganzen Hand umfassen soll? Ist das wirklich so, weil ich stelle mir das recht "grob" vor, denn ein Penis soll ja in etwa so gross sein wie mein Zeige- und Mittelfinger zusammen», schreibt Angela Walser (Name geändert)
Entdecken des Körpers
Beim Petting geht es in erster Linie darum, den ganzen Körper deines Freundes zu entdecken, und die eigenen Reaktionen kennen zu lernen, wenn du von deinem Freund berührt wirst. Dazu gehört, dass ihr miteinander redet.
Wenn du dann irgendwann auch seinen Penis berührst, fragst du ihn, wie es sich anfühlt, ob es ihm weh tut, ob er das so mag usw. Frag, wenn du dich unsicher fühlst. Beobachte aber auch wie du dich fühlst dabei. Ich kann dir nicht sagen, wie weit du die Vorhaut bei deinem Freund zurückziehen kannst. Vielleicht auch gar nicht. Es gibt viele Möglichkeiten der Berührung, da muss nicht einfach gerubbelt werden. Berühr mit einem Finger, berühr mit der ganzen Hand, mal sanft, mal mit mehr Druck. Tu das was dich interessiert, und was du tun magst, und frag nach. Auch zur Grösse seines Penis kann ich dir nichts sagen. Das ist unterschiedlich, und erbbedingt.
Ausprobieren und reden
Umgekehrt wirst auch du deinen Freund anleiten, wie er dich berühren soll. Vielleicht weisst du das schon, oder ihr findet es gemeinsam heraus. Darum ist es wichtig, nicht in erster Linie einen Orgasmus anzustreben und alles «richtig» machen zu wollen, sondern einfach einmal eure Körper zu kosen und zu entdecken.
Egal was du liest, siehst oder hörst, ihr beide mögt es vielleicht ganz anders. Darum ist das hinspüren und darüber reden das Wichtigste. Wenn du ganz bei deinem Freund bist, also ihn anschaust, mit ihm redest, ihn berührst, und er ganz bei dir, also bei deiner Berührung und im Gespräch mit dir, dann können diese Erkundungen sehr freudig, spannend und lustvoll werden. Mach dich auch darauf gefasst, dass dein Freund einen Samenerguss haben könnte. Junge Männer sind meist schnell erregt, weil alles so neu und aufregend ist. Dann schaut einfach, dass über die Hände kein Sperma, und auch kein Lusttröpfchen, zu deiner Vagina gelangt, denn auch so könntest du schwanger werden. Also Hände waschen bevor ihr weiterstreichelt.
«Ich (63) bin seit acht Jahren verwitwet, und hatte nach dem Tod meines Mannes enormes Verlangen nach Zärtlichkeit. Seit bald drei Jahren habe ich nun Bekanntschaft mit einem gleichaltrigen Mann. Nur bin ich manchmal nicht sicher, ob er nur Zärtlichkeit will oder doch mehr », schreibt Ulrike Berger (Name geändert)
Zärtlichkeit wird lächerlich gemacht
Sie sprechen etwas aus, wofür sich viele Frauen und Männer schämen: Das Verlangen nach Zärtlichkeit. Wir leben in einem berührungsfeindlichen Umfeld. Berührung geschieht vorwiegend in einer Beziehung, und ist dann meist mit einer Absicht verknüpft. Es geht selten um uns als ganzen Menschen. Und so wie in der Öffentlichkeit über Sex geredet wird, könnte man meinen, Zärtlichkeit sei etwas für unbeholfene Teenager, oder liebevolle Sexualität wird als naiven Blümchensex abgetan, oder man beargwöhnt und belächelt Kuschelpartys usw. Aber wir wollen ja nicht unbeholfen sein, nicht naiv, nicht bedürftig. Im Bett gilt es also genauso den Lifestyle zu erfüllen, wie auch sonst im Leben. Nur, vor lauter trendigem Getue, verleugnen wir unsere echten Gefühle und Bedürfnisse.
Ich behaupte, die Übersexualisierung hat genau mit diesem Manko an Berührung, an Nähe, an Zärtlichkeit zu tun. Ich betrachte das als Hilfeschrei einer Gesellschaft: «Hilfe wir sind sexuelle Wesen, aber wir wissen gar nicht mehr was das heisst.» Die wahren Bedürfnisse werden sehr oft mit Sex überdeckt, bzw. erkauft. Anders kennen wir es kaum noch: Eine herzliche Umarmung, ein Lachen, ein liebevoller Händedruck, ein Kuss auf die Wange usw. Einfach so, ohne Hintergedanken. Auch in der Beziehung wird abgewogen: «Ich kann jetzt keine Zärtlichkeit zulassen, ich habe keine Lust auf Sex», oder: «Ich darf sie jetzt nicht in den Arm nehmen, sonst glaubt sie wieder...» Und so dreht sich die Spirale immer weiter, und Zärtlichkeit wird immer unerreichbarer, und Sex letztlich immer frustrierender, weil er Mittel zum Zweck ist.
Sex der Sex ist
Berührung heisst Leben! Säuglinge, die nicht berührt werden, sterben. Kinder, die nicht berührt werden, stehen in ihrer Hirnentwicklung zurück. Jugendliche die nicht berührt werden, werden aggressiv und gewalttätig. Erwachsene, die keine Zärtlichkeit erleben, werden im innersten freudlos. Wenn Sie mit ihrem Partner Zärtlichkeit leben, ist der grösste Teil der Sexualität bereits abgedeckt. Daraus kann herzhaftes sexuelles Begehren erwachsen, und dann erst ist mit Sex wirklich Sex gemeint. Reden Sie miteinander über Ihre wahren Bedürftigkeiten, und Unsicherheiten.
«Fussball WM, und viele Männer werden die Abende vor dem TV verbringen. Auch meiner. Ich möchte nun diese Zeit einmal für mich ganz anders nutzen: Für meine Sexualität. Vielleicht gibt es ja etwas zu entdecken. Aber ich bin ein bisschen einfallslos. Ausser gelegentlicher Selbstbefriedigung kenne ich nichts, mit mir alleine», fragt Marion (Name geändert).
Wie wäre es, die Selbstbefriedigung für einmal in ein Selbsterfreuungsritual zu erweitern. Dazu richten Sie einen Raum, wo Sie ungestört sein können, schön her. Eigentlich genau so, wie wenn Sie ihren Geliebten empfangen würden. Der Unterschied: Sie werden Sich selber empfangen. Sie tun alles ganz bewusst, ohne Fantasien, sondern mit wachen, offenen Sinnen. Hören wie eine Berührung tönt, sehen sich im Spiegel an, riechen an ihrem Duft, spüren den Berührungen nach, usw. Lassen Sie sich nur von Ihren Empfindungen leiten. Es gibt nichts zu erreichen, sondern nur zu entdecken, wahrzu- nehmen, und zu geniessen.
Sinnlicher Abend
Eine andere Möglichkeit ist, dass Sie mit ein paar Frauen, einen sinnlichen Abend feiern. Mit sinnlich meine ich, die Sinne öffnend. Der Raum kann gemeinsam gestaltet werden. Jede bringt etwas mit. Düfte, Klänge, etwas fürs Auge. Geniessen Sie zusammen ein leckeres, fein gewürztes Abendessen. Tanzen Sie, oder massieren Sie sich gegenseitig. Das kann auch mit Kleidung sein, falls Hemmungen da sind. Wichtig ist einfach die liebevolle Aufmerksamkeit und die Präsenz für einander.
G-Punkt Zone erkunden
Etwas unüblich vielleicht der nächste Vorschlag. Wie gut kennen Sie ihre Vulva und ihre Vagina? Wann haben Sie sie das letzte mal entdeckend berührt? Dieses verborgene Gesicht im Spiegel betrachtet? Kennen Sie ihre G-Punkt Zone? Dieses Organ besteht aus einem Kopf, rund um die Harnröhrenöffnung, einem Körper, die knubbelige Zone darunter, und einem Schwanz, den Sie mit gebogenem Finger erreichen. Benutzen Sie ein Gleitmittel, und tasten Sie sich diesem ganzen Organ entlang. Die Vagina ist kein leerer, empfindungsloser Schlauch, wie den Frauen oft weisgemacht wird. Viele Frauen sind jedoch unempfindlich und gepanzert, denn in der Vagina sind Verletzungen und Schmerzen gespeichert, was Einfluss auf das sexuelle Erleben hat. Machen Sie ganz ganz langsame kreisende Bewegungen, oder verharren Sie, und geben Druck. Bleiben Sie mit Ihrer ganzen Aufmerksamkeit bei den Empfindungen, und atmen tief. Was empfinden Sie wo? Wenn Sie sich ihrer Vagina, und den dazugehörenden Gefühlen wie Wut, Trauer, Ekel, Freude, immer wieder liebevoll zuwenden, kann mit der Zeit die ursprüngliche Lebendigkeit und Empfindsamkeit der Vagina wieder geweckt werden.
Kürzlich erwähnte der Stadtarzt, dass Sex ein gutes Mittel gegen Schlafstörungen sei. Wie wichtig ist der Orgasmus für die seelische und körperliche Gesundheit? Hilft er z.B. Stress abbauen? Nach dem Essen gelüstet es mich häufiger nach Schokolade statt Sex. Könnte der Körper durch häufiges Onanieren trainiert werden, öfters Lust auf Sex zu empfinden, und dadurch z.B. weniger Lust auf Süsses. Was kann frau in einer Sex-Therapie lernen? Gehören da auch Hausaufgaben dazu?» schreibt Margret Schaffner (Name geändert)
Sex ist viel mehr als Antistressmittel
Dass der Stadtarzt Sexualität im Zusammenhang mit alten Menschen erwähnt hat, hat mich gefreut. Nur schade, dass Sexualität, bzw. Selbstbefriedigung auf Orgasmus und Schlafhilfe reduziert wurde. Letztlich ist es natürlich die Entscheidung jedes einzelnen Menschen, wie und wozu er oder sie Sexualität lebt. Nur; Zweck gebundene Sexualität wird mit der Zeit mechanisch und schal. Da findet bestenfalls ein genitaler Orgasmus statt. Auf einer Ebene kann der durchaus entspannend sein, aber das sexuelle Potential, ob mit sich selber oder einem Gegenüber, ist damit bei weitem nicht ausgeschöpft. Ich bin der Ansicht, dass es nicht zur Hauptsache der genitale Orgasmus ist, der dem körperlichen und seelischen Wohlbefinden zuträglich ist, sondern alles, was im Idealfall mit Sexualität auch noch verbunden ist: Liebe, Nähe, Zärtlichkeit, Anteilnahme usw. Gerade Frauen, brauchen das, um langfristig eine nährende Sexualität zu erleben, bei der sie sich wirklich öffnen und hingeben können. Wenn sie sich als Antistressmittel missbraucht fühlen, oder selber nur Sex leben, um sich ab zu reagieren, vergeht irgendwann die Lust.
Missbrauchte Sexualität tötet sexuelles Empfinden
Schokoladekonsum und Sex setzt ähnliche Hormone frei. Ein mechanisches Training, nur um mehr Lust zu empfinden scheint mir nicht sinnvoll, und es stellt sich die Frage, ob ein Mensch ein bestimmtes Quantum an sexueller Lust haben muss? Wenn eine Frau beispielsweise immer zugelassen hat, dass ihr Partner Sex mit ihr meist als Antistress- mittel ausgeübt hat, dann wird sie mit der Zeit lieber auf Schokolade zurückgreifen, weil in ihr alles Empfinden abgestorben ist. Wenn diese Frau sich nun aber ihrem Körper liebevoll und geduldig zuwendet, ihn langsam entdeckt und erweckt, kann das sexuelle Empfinden mit der Zeit zurückerobert werden.
Eine Sexualtherapie bietet Anstösse und Werkzeuge, die befähigen, Sexualität selbstbestimmt und lustvoll gestalten und leben zu lernen. Hausaufgaben gehören in der Regel dazu, damit eingefahrene Verhaltensmuster durchbrochen und Neues eingeübt werden kann.
«In einer der letzten Ausgaben haben Sie Tipps zu Selbstentdeckungen gegeben. Ich habe mich wieder mal um meinem G-Punkt gekümmert, ähnlich wie Sie es angeregt haben. Dabei ist mir folgendes passiert: Ich hatte ganz plötzlich ein warmes, starkes Gefühl in der Brust, und ein tiefes Ja ist irgendwie wie heraus gebrochen. Das war sehr berührend, und zuerst auch fast ein bisschen beängstigend. Gleichzeitig merkte ich, wie es tief in meiner Scheide pulsiert, und ein Schwall Flüssigkeit heraus spritzt. Das war garantiert kein Urin, es war klar und hat auch nicht gerochen. Kann es sein, dass ich eine weibliche Ejakulation gehabt habe? Und, wo genau kommt diese Flüssigkeit heraus?», schreibt Elvira Stadler, 32 (Name geändert)
Pinkelgefühl beim Geschlechtsverkehr
Oh ja, Sie haben Ihren Freudenfluss erlebt! Ich hole ein bisschen aus. Beim so genannten G-Punkt, ich sage lieber G-Zone, handelt es sich um die weibliche Prostata. Sie umgibt die Harnröhre. Die äussere Begrenzung der Prostata ist als G-Zone in der Vagina spürbar. Übrigens auch sichtbar, falls ein Spekulum um 45 Grad gedreht wird, ausgehend von der üblichen Anwendung bei der Gynäkologin. Im Inneren der Prostata sind Drüsen, deren Gänge in die Harnröhre münden. Bei Stimulation der G-Zone, sei das manuell oder beim Geschlechtsverkehr, werden die Drüsen angeregt, und produzieren Flüssigkeit. Das ist auch gut spürbar, denn das ganze Gewebe schwillt etwas an. Bei einer Ejakulation tritt die Flüssigkeit aus der Harnröhre, wie beim Mann auch.
Eine Ejakulation kann ausgelöst werden, ohne dass ein Orgasmus oder orgasmisches Erleben dazukommt. Es kann einfach eine Körperreaktion auf die Stimulierung sein. Viele Frauen kennen das beim Geschlechtsverkehr, oder manueller Stimulierung der G-Zone auftretende Gefühl, pinkeln zu müssen. Das ist jedoch meist nicht die Blase, die sich meldet, sondern die Prostata. Bei Frauen, die das nicht wissen, oder wollen, geht das Ejakulat rückwärts in die Blase, und wird von dort beim nächsten Wasser lösen ausgeschieden.
Sie schildern aber noch etwas, nämlich ein mit der Ejakulation verbundenes orgas- misches Erleben. Bei der Stimulation der Klitorisperle ist es der Pudendusnerv, bei vaginaler, oder eben G-Zonen Stimulation ist es der Beckennerv, der einen Orgasmus auslösen kann. Daher fühlen sich klitoraler und vaginaler Orgasmus auch sehr verschieden an. Beim vaginalen Orgasmus ist der Gefühlsbereich viel stärker miteinbezogen. Das kann mitunter recht heftige Gefühle auslösen, kann aber genau aus diesem Grund auch tief berührend sein, weil es Ihr ganzes Wesen trifft.