«Ich hätte eine Frage Betreff Wechseljahre. Ich habe oft kleine Risse im Intimbereich, was sehr unangenehm ist beim Sitzen. Gleitmittel kenne ich. Was kann ich sonst noch tun?», schreibt Magie Mürner, (Name geändert)
Ausprobieren und abwechseln
Generell gilt: Alles was die Durchblutung des Unterleibs fördert, ist auch gut gegen Trockenheit der Vagina. Auch gezielte Ernährung und pflanzliche Präparate können der Trockenheit entgegen wirken. Empfehlenswert ist eine Ayurvedische Ernährungsberatung, denn die sind auch auf Themen der Wechseljahre spezialisiert.
Spätestens mit Beginn der Wechseljahre sollten Frauen sich angewöhnen, auch ihre Vulva zu pflegen, so wie es für die meisten selbstverständlich ist, das Gesicht einzucremen. Aber leider gibt es nicht «Das Mittel». Ausprobieren und abwechseln ist angesagt.
Wichtig ist, dass Sie nach dem Duschen alle Fältchen und Blättchen der Scheidenlippen sehr gut abtrocknen, bzw. abtupfen, dann bilden sich weniger Risse. Wenn Risse da sind, können Sie die mit einer nicht zu «zähen» Wundheilsalbe zwei bis drei mal täglich eincremen. So heilen sie meist schnell. Zum Waschen nur Substanzen verwenden, welche die Scheidenflora nicht angreifen, also eher Produkte mit saurem PH-Wert. Es kann auch vorkommen, dass die inneren Scheidenlippen aneinander scheuern, und sich dort Risse bilden. Als Schutz dagegen kann eine beschichtete, und entsprechend zugeschnittene Gaze dazwischen gelegt werden. Gerade beim Radfahren, Wandern usw. kann das Erleichterung bringen.
Achtsamkeit und Pflege
Zur Pflege eignet sich z.B. Oliven-, Nachtkerzen-, Jojoba- oder Weizenkeimöl. Letzteres ist recht gelb und der Geruch kann gewöhnungsbedürftig sein, aber es ist reich an Vitamin E. Vaseline, Babyöl und andere Produkte auf mineralischer Basis, sind nicht geeignet. Öle massieren Sie ein/zwei mal täglich liebevoll auf der ganzen Vulva, an den Innenseiten der inneren Venuslippen, und am Scheideneingang ein. Wenn Sie mögen, beziehen Sie auch hie und da den vorderen Vaginalbereich in die Massage mit ein. Es lohnt sich auch, in Apotheken und Drogerien, die auf Naturmittel spezialisiert sind, nachzufragen. Die haben oft ihre eigenen Rezepturen für Cremen oder Vaginalzäpfchen zum heilen und pflegen, so dass in vielen Fällen diesbezüglich weder eine Hormon-, noch eine lokale Östrogen Therapie notwendig ist.
Wechseljahre sind offenbar die Zeit, wo wir uns unserem Intimbereich ganz besonders annehmen, und auch sehr achtsam hinspüren müssen was wir brauchen. Das wird sich auf andere Lebensbereiche übertragen!
«Sagen Sie mir, wo gibt es diese verbindlichen, beziehungsfähigen Männer noch? Die passenden treffe ich irgendwie nicht. Haben Sie mir eine neue site, (abgesehen von maihuna.ch, seelen-partner.de und den normalen pw & singles) Oder auch einen Chat?», schreibt Anandi, 44j (Name geändert)
Mann und Frau sind Gleichwertig
Ich denke, diese Männer sind mitten unter uns. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die auf speziellen sites oder in den chatrooms des weltweiten Netzes gefangen gehalten werden. Im ernst, liebe Anandi, ich mag Klagen über die Männer, die alle so unentwickelt sind, und die sich nicht einlassen wollen nicht mehr hören. Und ich dulde sie auch nicht mehr, denn damit schaden sich die Frauen. Mann und Frau sind gleichwertig, und haben die gleichen tiefen Bedürfnisse nach Nähe, Anteilnahme, Zärtlichkeit und echter Intimität. In der Praxis erlebe ich fast jeden Tag Männer und ihre Not. Männer, die sich einlassen möchten, die ganz viel für die Frau tun, die dann aber wortwörtlich zu hören bekommen, «du stehst noch nicht an diesem Punkt, du bist noch nicht so entwickelt, als Mann kannst du das nicht beurteilen...».
Solange wir Frauen uns derart anmassend selbst überhöhen, und solange wir den schwarzen Peter einzig den Männern zu schieben, kann es keinen Frieden zwischen den Geschlechtern geben. Vielleicht ist es an der Zeit, diesen uralten Groll endlich anzuerkennen, diesen Groll, der von Mutter auf die Tochter, von Vater auf den Sohn, von Generation zu Generation weitergegeben wurde und wird. Erst wenn wir uns dessen bewusst sind, können wir auch bewusst den Entscheid treffen, es künftig anders zu machen.
Offenes Herz statt Erwartungen
Und anders machen beginnt nur, und ausschliesslich bei sich selber. Es ginge darum, sich selber zu zeigen, so dass ein Gegenüber auch sehen kann. Es ginge darum, mit offenem Herzen zuzuhören, damit frau das Gegenüber auch wirklich hört. Es ginge darum einem Gegenüber mit Achtung, auch für sein anders sein, zu begegnen. Es ginge darum, das ohne wenn und aber zu tun, ohne dieses «die Männer tun ja auch nicht, können ja auch nicht, verletzen mich nur, schätzen es gar nicht, sind nicht so weit...». Es liegt in der Verantwortung jeder einzelnen, ob sie mit offenem Herzen, oder mit vorgefassten Meinungen, tonnenschweren Erwartungen oder rosa Bildern auf ein Gegenüber zu gehen will. Wie wäre es, wenn Frauen – und Männer – das versuchen würden? Ich bin sicher, dass frau solcherart die beziehungsfähigen Männer mitten unter uns erkennen würde.
«Wenn es zu Geschlechtsverkehr kommt, empfinde ich nichts. Wenn es nach mir ginge, ich könnte bestens darauf verzichten», schreibt Ulrike Werner, 42*. «Ich lebe eine wirklich tabulose Sexualität. Aber wenn ich ehrlich bin, auf den Geschlechtsakt könnte ich verzichten», erzählt Sandra Bucher, 26*. «Ich bin erregt wenn er mich streichelt, aber sobald er eindringt, ist alles weg, und ich empfinde nichts. Ich tu's nur für meinen Partner», schreibt Amanda Bösiger, 41. (*alle Namen geändert)
Angst vor Verletzung
Das sind drei Beispiele von ganz ganz vielen. Und das auszusprechen ist ein grosses Tabu. Meine Beobachtung ist, und zwar nicht nur in der Praxis, dass ein Grossteil der Frauen ihre Vaginas regelrecht gepanzert haben. So sehr, dass an diesem intimen Frauenort kaum lustvolle, freudige, tiefe Empfindungen vorhanden sind. Nun, warum panzert man sich? Um sich zu schützen. Und warum schützt man sich? Aus Angst vor möglichen, bzw. vor weiteren Verletzungen.
Heutzutage versucht man uns weis zu machen, dass mit unserer Anatomie etwas nicht stimmt: Die Vagina ein empfindungsloser Schlauch, die Klitoris als Lustquelle leider am falschen Ort platziert. Ich behaupte, unsere Anatomie stimmt sehr wohl, aber unser Umgang mit Körper und Sexualität stimmt möglicherweise nicht. Feminismus hin oder her: Die Frau ist der aufnehmende, empfangende Teil, der Mann der Gebende.
Aber dieses wirklich ganz tiefe, von Herzen kommende den Mann aufnehmen und empfangen wollen, haben wir Frauen verlernt, bzw. noch kaum verinnerlicht. Als Frauen tragen wir sozusagen in den Zellen, was Frauen früherer Generationen erlebt haben: Verstümmelung, Vergewaltigung, Folter, Erniedrigung usw.
Verantwortung für die Vagina
Es ginge nun einerseits darum, genau hinzuschauen, wer ist mein Gegenüber? Ist es dieses Ungeheuer, das irgendwo im Frauen-Unbewussten hockt, oder ist es ein Mann, der eigentlich genauso nach tiefer Verbindung sucht? Andererseits ginge es auch darum, endlich selber Verantwortung zu übernehmen. Auch für die Vagina. Solange auch heute noch ein Grossteil der Frauen dem Mann zuliebe Geschlechtsverkehr zulässt, duldet, hinhält, wird sich nichts Grundlegend verändern. Mit jedem dieser Akte wird die Verhärtung stärker, und der unbewusste Groll auf «die Schwanz orientierten Männer» tiefer. Wir beschneiden uns damit selber um erfüllte, nährende Sexualität, und um die tiefe Vereinigung, nach der wir uns im Grunde des Herzens sehnen.
Fortsetzung im nächsten «Lust statt Frust».
In der letzten Ausgabe habe ich darüber geschrieben, dass ein Grossteil der Frauen keine lustvollen, freudigen vaginalen Empfindungen hat, und somit eigentlich bestens auf Geschlechtsverkehr verzichten könnte. Frauen können jedoch lernen, für ihre Vagina Verantwortung zu übernehmen. Denn erst wenn Frauen mit ihrer Vagina achtsam umgehen, und anderes Verhalten nicht mehr zulassen, wird ihnen der Mann sexuell mit ebensolcher Achtsamkeit begegnen können. Und erst wenn eine Frau den Mann von Herzen ganz in ihre lebendige, wache Vagina aufnehmen kann, wird der Mann auch von Herzen in seiner gebenden Rolle aufgehen können.
Verhärtung durch Schmerz
In den letzten Jahrzehnten haben wir gelernt, dass die Vagina nichts zur sexuellen Erfüllung beiträgt, sondern dass es um die Klitorisperle geht. Das ist an sich eine wichtige Erkenntnis, denn es hat dazu beigetragen, dass sich mittlerweile viele Frauen als lustvoll und orgasmusfähig erleben. Aber vielleicht ist es jetzt an der Zeit, dass Frauen in der Entdeckung und Erweckung von Körper und Sexualität einen Schritt tiefer gehen. Zur Vagina, denn es kann doch nicht sein, dass ein zu äusserst tiefen Empfindungen fähiges Sexualorgan sozusagen im Dauerschlaf liegt.
Gefühle wahrnehmen und Raum geben
Die Vagina ist im Gegensatz zur Klitoris viel stärker mit dem Gefühlsbereich verknüpft. Damit erklärt es sich auch, dass frühkindliche Abwertungen, sexuelle Traumata, Geburten, Abtreibungen, gynäkologische Untersuche, nicht wirklich gewollter Geschlechtsverkehr usw., energetische Verhärtungen der Vagina zur Folge haben können. Das heisst, die Frau macht zu, macht sich empfindungslos für diese Schmerzen, aber gleichzeitig auch für freudiges, lustvolles Empfinden. Als «da unten», wird dieser Frauenort bezeichnet. Und so kann die Entdeckung der Vagina buchstäblich heissen, in den Keller hinab zu steigen. Etwas, womit viele Menschen diffuse Ängste, ambivalentes Erschauern, nacktes Grausen usw., verbinden. Emotionen und Gefühle also. Und genau darum geht es, wenn eine Frau in der Tiefe ihrer Vagina forscht: Gefühle wahrnehmen und ihnen Raum geben.
Heilsam kann es sein, wenn Frauen sich regelmässig liebevoll berühren, streicheln und massieren, und vorerst nichts anderes tun, als nur wahrnehmen, was sich dabei auf der Gefühlsebene tut. Indem sie diesem oft lange Versteckten ans Tageslicht verhilft, kann Heilung geschehen. Manchmal macht es Sinn, sich dabei begleiten zu lassen, oder das Erlebte aufzuschreiben. Wichtig ist, dass Frauen nicht in der Opferrolle bleiben und sich in diesen Gefühlen suhlen, sondern dass sie hinschauen, und sie dann auch wieder weglegen, und immer mehr dafür besorgt sind, dass es ihrer Vagina gut geht.