«Wie wird eigentlich vorzeitige Ejakulation definiert? Ist das wenn die Frau noch nicht befriedigt ist, oder wenn es für mich zu schnell ist?», fragt Franz Müller*.
Oder: «Ich habe so oft Lust auf meine Frau, aber ich lasse es immer seltener zu, weil ich fast immer unter vorzeitigem Samenerguss leide. Das ist frustrierend für beide», erzählt Peter Villiger*.
Oder: «Es ist ein Gefühl, wie wenn da noch jemand anderer wäre. Ich bin eigentlich jeweils noch überhaupt nicht so weit, aber schon kommt es mir», schreibt Marcel Balgach*.
*Alle Namen geändert.
Ejakulieren ist ein Entscheid
Vorzeitige Ejakulation ist das am meisten geäusserte Männerthema. Statistiken sagen, dass jeder fünfte Mann davon betroffen ist. Von vorzeitiger Ejakulation spricht man, wenn es kurz vor, während, oder kurz nach dem Eindringen in die Frau, (oder den Mann) zu einer Ejakulation kommt. Der Mann empfindet dabei in der Regel keine orgasmischen Gefühle, er ist also nicht wirklich befriedigt. Viele davon betroffene Männer wissen nicht: Ejakulieren oder nicht, ist eine Frage eines Entscheides. Das kann gelernt, bzw. muss umgelernt werden.
Ein Mann der schnell kommt, ist oft nicht präsent bei seiner eigenen Lust. Er ist mit seinen Fantasien, Bildern und Ideen von Sexualität beschäftigt, oder dann derart auf sein Gegenüber konzentriert, dass er seine Empfindungen und seinen Körper kaum wahr- nimmt. Es findet quasi eine Spaltung zwischen Kopf und Körper statt, so dass die Lust den Körper nicht wirklich erreichen, und sich dort weder entfalten, noch vom Mann gehalten und genossen werden kann. Sie verpufft mit einer schnellen Ejakulation.
Wilde Seiten des Mannseins pflegen
Beim Lieben lernen, mit allen Sinnen das Gegenüber zu kosten und kosen, aber auch die eigenen Empfindungen wahrzunehmen, hilft der körperlichen Präsenz auf die Sprünge. Körperarbeit, gemeint sind nicht die mechanischen Bewegungen im Fitnesscenter, sondern wildes tanzen, kämpfen, stampfen, schreien usw., sich spielerisch den etwas urwüchsigeren Seiten des Mannseins zu nähern, hat schon manchem Mann zurück in den Körper geholfen. Wichtig auch, den eigenen Körper und seine Reaktionen zu erforschen, und den Punkt kurz vor der Ejakulation kennen zulernen, und wenn es so weit ist, den Körper mit ein paar tiefen Atemzügen entspannen, bevor es langsam weiter geht. Es gibt Männer, die mit diversen Drucktechniken Erfolg haben. Das muss mann ausprobieren. Zusammen mit der Partnerin sind die sehr anspruchsvoll, und oft nicht wirklich befriedigend, sondern eher frustrierend.
“Bis anhin war der Zweck von Sex der Orgasmus. Und zwar bei mir genau so wie bei den Frauen. Wenn beide Sex wollten, dann kam man zur Sache, man weiss ja in etwa was zu tun ist. Nun bin ich mitte 50, und habe vor gut einem Jahr eine Frau kennen gelernt, mit der alles etwas anders ist. Sie sieht Sex fast als etwas heiliges, und verblüfft mich durch ihre Sichtweisen, und ihr Verhalten. Z.B. der Orgasmus ist nicht das wichtigste, auch für den Mann nicht. Sie sagt, sie möchte nicht so zielgerichtet behandelt werden. Sie wolle um ihrer selbst willen berührt werden. Sie wolle gesehen werden. Damit kann ich nicht sehr viel anfangen, und trotzdem ist da etwas dran was mich anspricht, aber ich fühle mich auch als Mann in Frage gestellt”, schreibt Paul Weber (Name geändert)
Unsicherheit gehört zu Neuem
Freuen Sie sich! Nachdem Ihre Sexualität Jahre lang ähnlich abgelaufen ist, sind Sie jetzt daran, ganz Neues zu entdecken! Da gehört es mit dazu, dass Sie ein bisschen verunsichert sind, und auch dass Sie sich in Frage gestellt fühlen. Bis anhin wussten Sie ja, wie Sie als Mann zu funktionieren haben, bzw. glaubten funktionieren zu müssen. Versuchen Sie das so anzunehmen, und so wie Sie es im Brief an mich formuliert haben, auch gegenüber Ihrer Partnerin zu formulieren.
Sehen und gesehen werden
Ja, es wird uns überall gesagt, dass der Grund, warum wir Sex haben, die körperliche Befriedigung ist. Die ist ja schön und gut, aber nicht das einzige. Wenn Sex nur gelebt wird, um das Ziel Orgasmus zu erreichen, kann das im Moment zwar erleichtern, aber mit der Zeit hat das trotzdem etwas unbefriedigendes. Ganz anders ist es, wenn zwei Menschen sich von Herzen zugetan sind, und das die Motivation ist, einander auch körperlich zu begegnen. Und zwar genauso wie es ihre Partnerin möchte: um gesehen zu werden, um ihrer selbst Willen. Dann geht es nicht darum, «man weiss ja in etwa was zu tun ist», dann geht es darum, sich einzulassen. Auf genau dieses Gegenüber. Und es geht auch darum sich zu zeigen, damit das Gegenüber überhaupt sehen kann. Da gibt es keine Ziele zu erreichen. Das tönt in vielen Ohren fast unglaublich, aber wenn Sie sich darauf einlassen mögen, werden Sie es selber entdecken: es gibt noch eine andere Art von Befriedigung, die nachhaltiger ist, weil sie dem Wesen der Sexualität mehr entspricht. Sexualität ist etwas heiliges, und zwar in dem Sinne: Sie ist unsere Lebensenergie. Mit ihr gilt es achtsam und weise umzugehen.
«Es gibt keine richtigen Männer mehr, höre ich immer wieder. Ja gibt es denn noch biologisch richtig funktionierende Frauen? 40% nehmen seit Jahren die Pille, und die Libido ist dadurch die einer Mutter und Gattin. Wenn eine Frau um die 30 zudem noch die Werte ihrer Mutter vertritt und sich einen Spass daraus macht, Männer abblitzen zu lassen, die ihr eigentlich gefallen, muss sie sich nicht wundern, wenn sie allein im Cabrio sitzt. Aber wehe dem Mann der das tut, was die Frauen eigentlich erwarten, nämlich hartnäckig seine Sympathie zu zeigen, dem wird ein Verfahren wegen sexueller Belästigung in Aussicht gestellt. Männer sind bequem. Andauerndes Theater, Drama, Nörgelei, nerven nur und lenken ab vom Geld verdienen. Sicherheit wollen alle Frauen. Also dann hört doch auf zu meckern und mit den blöden Spielchen und Intrigen. Die meisten Männer lieben klare Verhältnisse. Frauen wollen den Fünfer und das Weggli, und egal was er tut, sie wird ihn pulverisieren. Nur so zum Spass. Der Mann wird zum geduldeten Wesen. Wer Liebe und Zuneigung eines Mannes verschmäht hat, muss nicht erstaunt sein, dass er lustlos ist, wenn sie aus unerfindlichen Gründen plötzlich zugänglich ist. Sie soll drum bitten! Wie sonst soll er wissen, dass er jetzt darf, was vorher verboten war? Er möchte doch so gern das Richtige tun und Lob ernten. Das gibt Potenz. Aber viele Zürcher Frauen scheinen nur zu wissen, was sie nicht wollen, darunter fällt dann oft das was sie nicht kennen. Nicht mal smaltalken wollen sie. So bleiben beide stumm. Mit dieser Einstellung können sie lange auf ihren Mr. Right warten. Die Frauen haben nicht kapiert, dass sie an der Reihe wären. Der desillusionierte Charmeur Jack.»
Verletzter Junge
Mir bleiben hier nicht mehr viele Zeilen. Sie wissen viel über Männer und Frauen. Ein Wissen, entstanden aus Erfahrungen. Vielleicht wäre es jetzt an der Zeit, mehr und neues über Mann und Frau zu lernen. Aus Ihren Zeilen spricht ein verletzter Junge, der sich schmollend zurückgezogen hat, und auf ein Zeichen der Mutter wartet. Nur, darauf können Sie als erwachsener Mann lange warten. Wie wäre es, wenn Sie sich statt dessen, auf sich selber besinnen, und sich vertieft mit Ihrem Mann sein auseinandersetzen würden? Und noch etwas: Als Mann sind Sie nicht dazu da, es der Frau recht zu machen. Das geht schief, weil Sie sich dabei selber verlieren, und somit einer Frau nie ein wirkliches Gegenüber sein können. Wenn Sie lernen, sich zu zeigen wie sie sind, mit all ihren Facetten, dann werden Sie auch so gesehen.