Normal entwickelte Sexualität

«Mein Sohn ist 14-jährig und geistig behindert. Ich bin verunsichert, wie ich mit dem Thema Sexualität umgehen soll. Er zeigt Zeichen von Entwicklung in dieser Hinsicht. Aber sonst ist er ja wie ein Kind. Ich weiss nicht, wie sich ein Mensch mit Behinderung in dieser Hinsicht entwickelt. Man hört oft, dass sie triebhafter sind, oder dass sie gar öffentlich onanieren», schreibt Regula (Name geändert)

Nichtwissen schafft Not

Bei Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung, verläuft die körperlich-sexualbiologische Entwicklung, mit wenigen Ausnahmen, wie bei allen anderen Menschen auch. Das heisst, dass sich das sexuelle Reifestadium nicht mit dem Intelligenzniveau deckt, sondern dem Lebensalter entspricht. Ihr Sohn ist altersmässig in der Pubertät. Also ist es ganz natürlich, dass sich bei ihm Gefühle regen, und dass er vielleicht Erektionen, oder nächtliche Ergüsse hat.

Es ist ganz wichtig, dass auch Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung sorgfältig aufgeklärt werden. Wer nicht aufgeklärt wurde, kann nicht einordnen was im Körper vor sich geht, und warum sich alles verändert. Wer nicht aufgeklärt wurde weiss nicht, dass Sexualität nicht überall und mit allen gelebt werden kann. Wer nicht aufgeklärt wurde, weiss sich auch gegen Übergriffe nicht zu wehren. Und was von aussen als triebhaft oder schamlos aufgefasst werden kann, ist unter anderem eher als Hilferuf auf dieses nicht Wissen zu verstehen, denn Erregung kann hartnäckig sein und quälend werden.

Körper- und Sinneserlebnisse ermöglichen

Aufklärung ist ein dauernder Prozess, und muss über viele Jahre hinweg immer wieder thematisiert und wiederholt, und in den Alltag eingebunden werden. Hilfsmittel, wie Bilder, Zeichnungen, Aufklärungspuppen, Geschlechtsteile aus Stoff, etc. können zum besseren Verständnis der Zusammenhänge beitragen. Eltern sollten sich vergewissern, ob das Kind oder der Jugendliche in der Lage ist, von diesen Hilfsmitteln auch auf sich selber zu schliessen. Wenn nicht, muss eine noch einfachere Form oder Sprache gefunden werden.

Übrigens sollten auch Kinder und Jugendliche mit Behinderung Körper- und Sinneserlebnisse wie kuscheln, streicheln, massieren, riechen, etc. erfahren können. Denn diese helfen mit, den eigenen Körper besser wahrzunehmen, kennen zu lernen und gern zu haben. Sie sind auch Voraussetzung für einen liebevollen Umgang mit sich selber und anderen.

Aufklärung, ein lebenslanger Prozess

Aufklärung beginnt im Alltag

Aufklärung beginnt bereits im Säuglingsalter auf der nicht sprachlichen Ebene. Es sind die Botschaften über Körper und Sexualität, die Eltern und andere Betreuungspersonen bewusst und unbewusst aussenden. Und es ist die Art, wie sie den Babykörper pflegen und berühren. Je liebevoller das geschieht, desto wohler fühlen sich Kinder auch später mit ihrem Körper. Genauso prägend ist aber auch das Reden über Körper und Sexualität. Hier gilt: Je früher desto besser. Das beginnt damit, dass bei der Babypflege auch die Geschlechtsteile benannt werden, und geht weiter, indem das Thema im Alltag verankert ist. Es gibt immer wieder Gelegenheiten um auf den Körper, sein Funktionieren, Empfinden usw. zu sprechen zu kommen.

Im Vorschulalter sollten Kinder über Geburt, Geschlechtsteile und Körper, Selbstbefriedigung und Körperhygiene Bescheid wissen. Diese Informationen werden altersgemäss laufend präzisiert und ergänzt, denn Aufklärung ist ein lebenslanger Prozess

Hemmungen thematisieren

Vielen Eltern fällt es jedoch schwer, unbefangen über diese Themen zu reden. Es ist wichtig, das anzusprechen. Beispielsweise: «Ich bin ein bisschen verlegen. Ich habe nie gelernt darüber zu reden. Aber ich möchte diese Dinge wirklich gerne mit dir besprechen.» So nehmen Kinder Sexualität als einen natürlichen Bestandteil davon wahr, was sie im Lauf der Zeit zu lernen haben. Bücher sind eine wertvolle Ergänzung zu dem, was in der Familie gelebt und vermittelt wird.

Körper allgemein:

Wir entdecken unseren Körper, Doris Rübel, Ravensburger, Fr. 22.90 (ca. 3 bis 5 jährig)

Ich und mein Körper, Kosmos, Fr. 17.40 (ab ca. 7 Jahren)

Für Eltern:

Wie kläre ich mein Kind auf? Wendy Darvill/Kelsey Powell, Beust, Fr. 25.80

Zärtliche Eltern, Marcella Barth/Ursula Markus pro juventute, Fr. 29.-

Körper und Sexualität, Ester Schütz/Theo Kimich, Herder, Fr. 35.50

Mut zur Zärtlichkeit

Aufgerüttelt durch Medienberichte und verunsichert durch schräge Blicke in der Öffentlichkeit, fragt sich Roger, (Name geändert) Vater eines dreijährigen Sohnes und einer Tochter, vier Monate: «Darf ich beim Wickeln die Scheide meiner Tochter berühren, oder im Tram mit meinem Sohn kuscheln?»

Wenn Eltern Grenzen setzen, lernen das auch die Kinder

Die Unsicherheit vieler Eltern, wo sexuelle Übergriffe beginnen, hat damit zu tun, dass Erwachsene Berührung oft mit etwas Sexuellem gleichsetzen. Es geht darum, eine Berührung zu differenzieren.

Ein Kind zu berühren, kann Eltern durchaus sexuell erregen. Diese Reaktion allein ist noch kein Übergriff, aber es ist wichtig, sie sich einzugestehen und zu benennen. Das hilft, die Grenze zu wahren.

Übergriffe können im Frühstadium gestoppt werden, wenn Eltern ihre Bereitschaft signalisieren, miteinander über das Thema zu reden. Sie können einander beispielsweise fragen: «Erregt es dich, wenn du mit unsere Tochter badest?» Oder:«Hast du sexuelle Empfindungen, wenn unser Sohn mit dir herumschmust?»

Mütterfallen

Aber auch mit Kindern darf offen geredet werden. Ein Mädchen greift im Badezimmer nach Papis Penis, und will ihn neugierig untersuchen. Der Vater kann darauf reagieren, indem er sagt: «Mich erregt es, wenn du meinen Penis berührst. Ich möchte das aber nicht mit dir teilen. Bitte hör auf.» Damit signalisiert er einerseits, dass es grundsätzlich in Ordnung ist, einen Penis zu berühren, und setzt andererseits die Grenze, die seine Rolle als Vater verlangt. Wenn Eltern ihre Grenzen klar setzen, lernen auch Kinder ihre Grenzen zu setzen. «Ich möchte nicht, dass du das mit mir tust», ist ein wichtiger Satz in diesem Zusammenhang.

Sexuelle Übergriffe werden eher den Vätern zugeordnet. Aber es gibt auch «Mütterfallen». Diese Übergriffe laufen oft subtiler, und sind deshalb nicht auf Anhieb als solche zu erkennen. Es ist beispielsweise zu beobachten, dass Mütter gegenüber ihren Söhnen ihren Sexappeal hervorkehren. Das ist eine Rollenvermischung, welcher der Sohn hilflos gegenüber steht, und die ihn zutiefst verwirren kann. Verunsicherte Eltern können in der Regel darauf vertrauen, dass ihr Umgang mit dem Kind gut ist, und dass sie merken, was eine Berührung bei ihnen selbst auslöst. Eltern dürfen und können aber auch lernen, wieder wie ein Kind voller Freude herumzutollen, zu schmusen oder zärtlich zu kuscheln. Miteinander, oder mit ihren Kindern.

Susanne 35, ( Name geändert) seit sechs Jahren verheiratet, zwei Kinder im Alter von fünf und drei Jahren: «...Mein Mann und ich leben uns langsam auseinander. Ich habe das Gefühl, dass wir uns regelrecht verlieren. Auch Sexuell läuft nicht mehr viel. Vielleicht so alle zwei Monate mal. Ich bin zu müde, und ertrage seine Annäherungen immer weniger. Aber wenn wir miteinander schlafen, ist es schön. Dann fühle ich mich nahe»

Bewusster Entscheid

In diesen wenigen Sätzen sind verschiedene Themen angesprochen. Ich picke «Sehnsucht nach Nähe» heraus. Es fragt sich, ob in dieser Situation «miteinander schlafen» das richtige ist, um Nähe zu erleben?

Das Bild vom «einander verlieren» ist schön getroffen, auch wenn es in diesem Zusammenhang ein schmerzliches ist. Wenn ein Paar von einander nicht mehr weiss wo sie oder er steht, was schwierig ist, oder freut, dann kommt es zum viel zitierten «sich auseinander leben». In einer Beziehung, egal ob mit oder ohne Kinder, braucht es heute den bewussten Entscheid beider, wach zu bleiben, offen zu bleiben für einander, und dafür auch Zeit einzuräumen. Es geht aber nicht nur darum, gemeinsam etwas zu unternehmen, denn das ist oft einfach Ablenkung. Es geht darum, miteinander auch unverplante, von aussen ungestörte Zeit zu verbringen, wo etwas gemeinsames aus dem Moment heraus entstehen kann. Ganz wichtig ist auch Zeit für Gespräche. (Aber ums Himmels Willen keine Vorwürfe «immer tust tu, nie machst du», und kein Beziehungsgeknatsche, mit nachbohren, ausquetschen und belagern.) Nein, effektives mit einander reden, wo beide einander abwechslungsweise schildern, wo sie selber gerade stehen, was freut oder frustet. Der andere hört dabei einfach zu, bohrt nicht nach und erteilt auch keine Ratschläge. Das ist sehr heilsam, schafft gegenseitiges Verständnis, und dadurch entsteht emotionale Nähe.

Wenn diese Nähe fehlt, wird es in einer Beziehung auch zunehmend schwierig, gemeinsam schöne Sexualität zu leben. Denn unbemerkt wird sie eben oft dazu degradiert, sich fehlende emotionale Nähe zu holen, oder sich sexuell zu entladen. Sie entsteht dann nicht aus lustvoll freudigem Begehren. So wird Sexualität auf die Dauer schal und unbefriedigend, weil sie weder dem Mann noch der Frau gerecht wird. Sexualität beginnt also lange vor dem Bett. Nämlich im regelmässigen gemeinsamen Gespräch. Auch über Sexualität.

Sexualität beginnt lange vor dem Bett

Die Sechsjährige war mit ihrer Grossmutter unterwegs, und musste aufs Klo. «Schau Grosi, was ich bekommen habe. Was ist das?», fragte sie, und zeigt der Grossmutter beim Wasserlösen die Schamlippen. «Die Enkelin war nicht erfreut über das neu Entdeckte. Ich sagte ihr dann, dass das Schamlippen sind, und dass ich das auch habe. Gerne würde ich noch mehr mit ihr über ihren Körper reden. Gibt es Anatomie- oder Aufklärungsbücher für Kinder?», fragt Hedwig M. (Name geändert)

Jugendliche erkunden das «Hintertürchen»

«Vor einiger Zeit haben Sie eine Frage zum Thema Analverkehr beantwortet. Ich habe mich damals sehr darüber geärgert. Jetzt bin ich als Mutter von Teenagern selber damit konfrontiert. Immer wieder kommen Fragen und Andeutungen darüber. Das scheint sehr aktuell zu sein. Können Sie das wichtigste noch einmal aufgreifen?» fragt Marcella Bruhin (Name geändert)

Safer Sex

Ja, unter Jugendlichen sind Themen rund um anale Praktiken sehr aktuell. Einerseits ist da das spürbare Tabu der Erwachsenen, andererseits wird in Videos und Magazinen Anales als «geiler Kick» und Lifestyle-Akt dargestellt.

Aber leider nicht in aufklärender Form, so dass viel Unwissen herrscht. Ich persönlich finde anale Praktiken für Jugendliche nicht wirklich geeignet, da sie ein hohes Mass an exakter sexueller Kommunikation voraussetzen. Und all die notwendigen hygienischen Vorkehrungen, passen auch nicht so recht zur jugendlichen Sexualität. Aber wie es so ist; was probiert sein will, wird probiert, und da ist Aufklärung dienlicher als die Augen davor zu verschliessen. Das Fatalste ist, dass viele Jugendliche trotz aller Kampagnen immer noch glauben: Was nicht schwanger macht, macht auch kein AIDS. Das ist kreuzfalsch! Richtig ist: Bei Analverkehr besteht ein sehr hohes Risiko für beide Beteiligten, sich mit dem HI-Virus zu infizieren. Also unbedingt mit Kondom!

Schmerzempfinden achten

Bei analen Spielereien besteht ein hohes Verletzungsrisiko. Aber gerade Jugendliche setzen das Schmerzempfinden oft schlicht und einfach mit viel Alkohol und speziellen Crèmes ausser Gefecht, weil Anales in den Filmen so easy daherkommt. Richtig ist: Finger weg von Alkohol und anästhesierenden Crèmen! Der Körper sagt, was geht und was nicht, Langsamkeit und Kommunikation sind oberstes Gebot. Und da der Anus keine natürliche Feuchte hat, ist es ganz wichtig, reichlich wasserlösliches Gleitmittel zu benutzen, das zusammen mit Latex-Produkten verwendet werden kann.

Hygienevorkehrungen treffen

Sauberkeit ist eine weitere Voraussetzung für den risikoarmen analen Umgang. Der Darm ist von Bakterien besiedelt, die ausserhalb nichts zu suchen haben. Auch Darmparasiten und Hepatitis können durch Analverkehr oder oralen Analkontakt übertragen werden. Für oralen Analsex deshalb immer Latex Tücher verwenden. Ausserdem wird alles was mit dem Anus in Kontakt war, gründlich gewaschen (z.B. Hände) oder weggeworfen, (z.B. Kondom) bevor es mit dem Mund oder der Vagina in Kontakt kommt.

 

Sexualität beginnt vor dem Bett

Auch nach der Geburt eines Kindes braucht ein Paar emotionale Nähe und Zärtlichkeit.

«Nie hat sie Lust, dauernd weist sie mich ab», klagt er. «Er will dauernd Sex, nie ist er einfach nur zärtlich», jammert sie. Nach der Geburt des ersten Kindes sind solche Vorwürfe oft besonders deutlich hörbar. Zum Entscheid ein Kind zu bekommen, gehört deshalb der genauso bewusste Entscheid beider, auch weiterhin ein Liebespaar zu sein. Das heisst wach und für einander offen zu bleiben, und bei Bedarf liebevoll daran zu erinnern: «Achtung Alltag!» Und das heisst auch, sich ganz bewusst Zeitinseln zu schaffen, die nur ihnen beiden als Paar gehören.

Gespräch und Fantasie

In dieser neuen Lebenssituation ist das effektive Miteinanderreden, wo beide einander schildern, wo sie gerade stehen, was freut oder frustet, das allerwichtigste. Gut geeignet ist die Form des Zwiegespräches. (Siehe InfoPlus) Es ist einfach zu lernen, und wirkt mit der Zeit weit über die Beziehung hinaus. Die Regeln lauten: Regelmässigkeit, beide haben gleich viel Zeit, reden nur von sich, hören kommentarlos zu, kein Nachbohren, kein Abwiegeln, keine Ratschläge, keine tröstenden Berührungen. Dank diesen klaren Strukturen kommen auch Menschen, die einen weiten Bogen um Beziehungsknatsch-Gespräche machen, ins Reden. Statt der oben genannten Vorwürfe kann es beispielsweise so tönen, wenn beide das aussprechen, worum es ihnen eigentlich geht. Sie: «Ich habe Sehnsucht nach deiner Zärtlichkeit.» Er: «Ich wäre dir so gerne nahe, aber ich weiss nicht wie.» Solche Gespräche sind wahre Herzensöffner, schaffen gegenseitige Aha-Erlebnisse, und helfen über schwierige Situationen hinweg.

Weiter ist Fantasie zur Neugestaltung des Tagesablaufes gefragt. Babysitting oder Hüteabtausch mit anderen Eltern, verhelfen zu einem freien Abend auswärts. Aber wichtig ist, auch zu Hause unverplante Zeit miteinander zu verbringen, so dass etwas Gemeinsames aus dem Moment heraus entstehen kann. Diese Zeit ist garantiert vorhanden, wenn die Prioritäten etwas verschoben werden. Wer sagt denn, dass weiterhin Stunden vor dem Fernseher verbracht werden müssen, die Zeitung auswendig gelernt, und jedes Mail postwendend beantwortet sein muss? Und wer sagt denn, dass Sexualität genau dann erwachen sollte, wenn beide endlich todmüde ins Bett fallen? Eine Mutter von vier Kindern hat mir von ihrer ungewöhnlichen Lösung erzählt: Sie trifft sich mit ihrem Mann zwei Mal die Woche morgens um zwei zum Dessertschmaus und Gespräch.

Emotionale Nähe und Sinnlichkeit

Ein solches Ritual schafft emotionale Nähe, und daraus wächst auch die Lust auf körperliche Nähe, sofern darunter nicht nur Geschlechtsverkehr verstanden wird. Ist der Alltag eines Paares von zielloser Zärtlichkeit, und von gegenseitiger Anerkennung und Achtung geprägt, dann wird eine Frau die Zärtlichkeit des Mannes kaum abweisen. Aber nähert er sich ihr nur, um etwas bestimmtes zu erreichen, wird sie ihn immer öfter abweisen. Und schon stecken beide im anfangs zitierten Teufelskreis.

Paare sollten deshalb ihren sexuellen Radius erweitern, und alles was die Sinne erfreut und öffnet zusammen erlernen und leben. Dazu gehören Massagen in bewusst schön gestalteter Atmosphäre, zielloses Streicheln, Entdecken und Schmusen, Kuscheln und Kugeln. Und daraus wiederum kann – nicht muss! – dann die Lust auf genitale Sexualität wachsen, die sich in lustvoll freudigem Begehren äussert, und nicht dazu missbraucht wird, emotionale Nähe zu schaffen, oder einen Streit zu schlichten, oder sich am Partner/an der Partnerin sexuell abzureagieren usw.

Und zur medizinischen Seite der nachgeburtlichen Sex-Abstinenz: Gynäkologen empfehlen, während vier bis sechs Wochen auf genitale Penetration zu verzichten. So lange, bis der Wochenfluss versiegt, und eine allfällige Dammnaht, oder vaginale Schürfung verheilt ist. Ein Grossteil der Frauen braucht jedoch viel länger Zeit, bis sie von ganzem Herzen auch diesen Teil der Sexualität wieder leben möchten. Denn eine Schwangerschaft und Geburt ist ein derart immenses Erlebnis, dass Seele und Körper Zeit brauchen, sozusagen wieder zum «Normalzustand» zurückzufinden. Aber wenn ein Paar sich emotional nahe ist, und all die anderen Aspekte der Sexualität lebt, ist die Zeit ohne genitalen Sex keineswegs geprägt von mühsamer Entbehrung, sondern eine Chance, eine genussvollere, sinnlichere Sexualität miteinander zu entdecken und zu leben.