«Ich habe viel mehr Lust auf Sex als meine Frau. Kommt dazu, dass meine Frau auch viel länger braucht, um warm zu werden. Bringt man das irgendwie zusammen?», schreibt Marco Schüller (Name geändert)
Den Eisberg erkunden
Ich denke schon, wenn Sie und ihre Frau bereit sind, sich auf einander einzulassen, sich einander zu zeigen, und einander auch anzusehen, so wie sie höchst wahrscheinlich auch noch sind: Sie bedürftig, Ihre Frau feurig. Niemand ist nur das eine oder andere. Stellen Sie sich vor, ihre Frau und Sie sind Eisberge. Sie sehen von einander nur die Spitze. Das ist etwa ein Achtel des ganzen Eisberges. Die anderen sieben Achtel sind unter Wasser. Das interessante, das herausfordernde, das heilsame in einer Beziehung und in der Sexualität wäre das Erkunden der verborgenen sieben Achtel. Die meisten Paare begnügen sich jedoch mit dem sichtbaren. In Ihrem Fall: Sie geil, Frau lustlos. Das ist dann irgendwann nicht mehr zusammen zu bringen, oder es heisst, man habe sich auseinander gelebt, und schwimmt zur nächsten Eisbergspitze.
Nehmen wir diese Eisbergspitze auch als Bild der Sexualität: Die Spitze ist der Kopf, das Verborgene ist der Körper. Sexualität findet mehrheitlich im Kopf statt, das wird heute als normal angeschaut. Aber Sexualität ist etwas sehr körperliches. Nur existieren diese Körper in der Wahrnehmung sozusagen nicht, sondern der Kopf sagt, was wann, wie und wozu getan werden muss, um gut und richtig zu sein. Was jedoch der Körper, die Gefühle, die Empfindungen usw., davon halten, wird ignoriert. Das kann dann zur Folge haben, dass Menschen lustlos werden, oder nur noch von der genitalen Befriedigung getrieben sind.
Vom Kopf in den Körper
Es ginge nun in erster Linie darum, die Sexualität vom Kopf in den Körper zu bringen. Mit Körper meine ich auch das ganze Gefühlserleben und die Sinne. Das würde dann heissen: Sexualität würde nicht mehr nur genitale Befriedigung bedeuten, sondern echte, liebevolle Verbindung. Dann spielt es keine grosse Rolle mehr, wer wie viel sexuelle Lust hat, dann geht es um etwas ganz anderes. Dann wäre nicht mehr der genitale Orgasmus das Muss das es zu erreichen gilt, sondern der Orgasmus des Herzens dürfte hie und da als Geschenk empfangen werden. Das ist keine Metapher, denn ein Herzorgasmus ist genauso körperlich spürbar, wie ein genitaler Orgasmus, nur unendlich erfüllender. Aber er entsteht nicht aus der Ziel gerichteten Kopfsexualität, sondern aus Ziel loser, liebevoller Herzensverbindung.
«Betreffend Sexualität im Alter hätte ich noch ein paar Fragen: Bis zu welchem Alter können Frauen Sex haben, bzw. werden sie feucht und haben einen Orgasmus? Warum haben die älteren Männer gerne jüngere Frauen? Hat es damit zu tun, dass sie feuchter und enger sind? Bis zu welchem Alter kann ein Mann, dank Viagra Sex haben? Bis zu welchem Alter kann ein Mann eine Ejakulation haben?», fragt Heiner (Name geändert).
Heftigkeit kann traumatisieren
Frauen können Geschlechtsverkehr haben so lange es ihnen Spass macht, und die Orgasmusfähigkeit bleibt zeitlebens erhalten. Es kann sogar gut sein, dass eine Frau ihr volles sexuelles Potenzial erst im Alter entwickelt. Wenn eine Frau, aus welchen Gründen auch immer, nie gelernt hat ihre sexuellen Fähigkeiten zu entwickeln, ist sie vielleicht froh, dass es gesellschaftlich legitim ist, nach den Wechseljahren keine Lust mehr haben zu müssen. So ist der Mythos der asexuellen alten Frau entstanden. Die Scheidentrockenheit hingegen kann für viele Frauen ein grosses Problem sein. Aber da gibt es Mittel, vom Gleitmittel über pflanzliches bis zu hormonellem. Auch der Mann kann einiges dazu beitragen, beispielsweise indem er ganz ganz vorsichtig und langsam eindringt, und sich bewusst ist, dass er «Gast» ist, und sich nicht «wie zu Hause» benehmen kann. Die dünnere Haut, und das darunter liegende Gewebe, wird durch zu schnelles Eindringen und heftige Stösse regelrecht traumatisiert. Und da die Vagina über den Beckennerv mit dem Gefühlsbereich verbunden ist, kann dadurch bei der Frau auf der emotionalen Ebene Abwehr und Lustlosigkeit entstehen.
Sich öffnen für Zartes
Ist es so, dass alle älteren Männer jüngere Frauen wollen? Mit den genitalen Gegebenheiten allein, wäre eine derartige Vorliebe jedenfalls nicht zu erklären, denn längst nicht alle jüngeren Frauen sind feucht und eng. Vagina- wie auch Penisgrössen sind vor allem erbbedingt. Es hat vielmehr mit dem unwissenden Liebesstil vieler Männer und Frauen zu tun, dass die Genitalien für feine Empfindungen abgestumpft sind. Ein feinfühliger Penis wird auch in einer weiten Vagina köstliche Empfindungen haben.
Männer können Geschlechtsverkehr haben, so lange es ihnen Spass macht. Ejakulationen sind auch möglich, ohne dass eine volle Erektion erreicht wurde. Gerade weil die Erektionsfähigkeit bei den meisten Männern mit den Jahren nachlässt, wäre es wichtig, den Liebesstil daran anzupassen, statt unüberlegt medikamentös nachzuhelfen. Und eigentlich passen doch älterer Mann mit dem weicheren Penis, und ältere Frau mit der empfindlicheren Scheide ganz gut zusammen. Oder?