Traumatherapeutische Prozessbegleitung

Traumata sind nicht nur Nachwirkungen von Naturkatastrophen, Kriegen etc., sondern auch ganz alltägliche Erlebnisse können für Menschen traumatisierend sein. Von medizinisch/chirurgischen Eingriffen, über Gewalt-Erfahrungen, verschiedensten, von aussen noch so harmlos scheinenden Kindheitserlebnissen, bis hin zu Geburten, oder Sexualisierungssituationen können Auslöser für traumatisches Erleben sein.

Ich möchte hier betonen: Ich bin nicht Trauma-Therapeutin, habe mich jedoch in verschiedenen Trauma-Therapie-Richtungen weitergebildet. In vielen Fällen kann eine Traumatisierung auch mit  Re-Parenting «aufgelöst» werden, bzw. es werden neue Impulse gesetzt, so dass altes und neues Erleben nebeneinander stehen.

Liebevolle Berührung, und die daraus resultierende Entspannung, gespürte Lebendigkeit oder die vielleicht erstmals erlebte Geborgenheit usw. regen den persönlichen Entwicklungsprozess an. So kann es auch vorkommen, dass belastende alte Erlebnisse und Erfahrungen sich zeigen. Damit ich solche Inhalte erkennen und richtig einordnen – und natürlich auch abschätzen ob ich deren Bearbeitung übernehmen kann oder ob die Überweisung an eine speziell dafür ausgebildete Person sinnvoll ist – habe ich die ersten 2 Module von «Bodywork & Somatic Experience», eine Synthese von Körperarbeit und Traumaheilung besucht, sowie mehrere Weiterbildungsmodule in Traumatherapeutischer Prozessbegleitung IBP absolviert.

Hier noch kurz etwas zum Thema Retraumatisierung: Bei meiner Art zu arbeiten, ist es weder nötig noch sinnvoll, ein erlebtes Trauma noch einmal zu erleben. Es geht vielmehr darum, die in der als bedrohlich erfahrenen Situation nicht zu Ende gebrachten Flucht- oder Kampfreaktionen nachzuholen, das heisst die damals vom Körper aufgebaute Energie – die zur Flucht oder zum Kampf bei einer Bedrohung notwendig ist – endlich sich entladen zu lassen. Oder es kann heisen, im Nach-Erleben das zu erfahren, was damals notwendig gewesen wäre, damit eine Begebenheit nicht als traumatisch erfahren worden wäre. So ist es oft über längere Zeit hinweg notwendig, Stabilisierung und Re-Orientierung zu üben, bevor mit der eigentlichen Prozessbegleitung begonnen werden kann.

Hie und da kann es jedoch vorkommen, dass etwas was im Körpergedächtnis gespeichert ist und das dann auf irgend eine Art mit einer Sinnes Erfahrung angetupft wird, das traumatische Erleben wieder auslösen kann.

Beispiel: Eine Frau, die eine Vergewaltigung erlebt hat, und dieses Erlebnis noch nicht bearbeitet hat, kann bei einem gynäkologischen Untersuch «retraumatisiert» werden. Der Arzt kann noch so sorgfältig vorgehen, dieses Gefühl von auf dem Stuhl ausgeliefert zu sein, und dazu die Berührung im Genitalbereich, kann das Körpergedächtnis aktivieren, und im Körper ähnliches Empfinden auslösen wie damals, als es eine bedrohliche unerwünschte Situation war.

Sinneserlebnisse jeder Art können bei nicht bearbeiteten Traumata sogenannte flash backs auslösen. Ein Duft, kann an eine Situation erinnern, ein Geräusch, eine Berührung, ein Bild, ein Geschmack.

Beispiel: Als ich etwa 7Jahre alt war, stellte sich mir in einer dunklen Bahnhofunterführung ein Exhibitionist in den Weg. Ich lutschte damals gerade ein Lakritze-Bonbon und noch Jahre später, wenn ich den Geschmack von Lakritze im Mund hatte war ich schlagartig wieder das kleine Mädchen, das Angst hatte. Das heisst, mein Körper reagierte genau gleich wie damals mit einer Starre, mit Herzklopfen und Beklemmung im Brustbereich.

Heute kann ich wieder unbeschwert Lakritze geniessen. Das heisst, mein Körper reagiert nicht mehr wie oben beschrieben auf den Lakritze Geschmack, weil Lakritze eben einfach wieder Lakritze ist, und nicht mehr mit jenem Erlebnis verknüpft ist.

Es ist gut zu wissen, dass solches vorkommen kann. Hilfreich dabei ist, wenn man sich sehr, und zwar mit allen Sinnen, vergegenwärtigt: Jetzt ist jetzt, dieses Gegenüber ist nicht das damalige Gegenüber, ich bin aus freiem Willen hier, diese Situation ist nicht die damalige Situation, es ist nur mein Körper, der das manchmal noch so erlebt.