Adäquate Aufklärung ist ein Kinder-Recht

«Unheimliche Sex-Box für unsere Schulkinder», lautet der heutige Sonntagsblick-Aufmacher.  Es geht um die Einführung der obligatorischen Sexualerziehung in Schule und Kindergarten. Wie immer bei diesem Thema bestehen grosse Missverständnisse und es formiert sich auch Widerstand.

«Was ein vierjähriges Kindergartenkind nach der Sommerpause erwartet ist allerhand: Sie sollen lernen, männliche und weibliche Körperteile zu unterscheiden und zu benennen – auch die Geschlechtsorgane. Sie sollen wissen, wie ein Kind gezeugt wird, wie eine Geburt vor sich geht…», schreibt der SoBli.

Über unseren Körper Bescheid zu wissen, ist Identitäts-bildend

Ja und? Wir sind sexuelle Wesen und unsere Lebensgrundlage ist unser Körper. Er ist Grundlage für unser Sein, Denken, Fühlen, für spirituelle Aspekte usw. Es ist folglich Identitätsbildend, über diesen Körper Bescheid zu wissen, auch darüber Bescheid zu wissen, wie wir entstanden sind. Und zwar bereits im Kindergartenalter! Altersgerecht natürlich und selbstverständlich kommt es auf das Wie an. Ob alle KindergärtnerInnen und Lehrpersonen tatsächlich geeignet sind, Sexualkundeunterricht zu erteilen, das wage ich sehr zu bezweifeln. Denn es ist ein Thema, das zu stark mit der eigenen Geschichte usw. verknüpft ist, als dass es abstrahiert wie sonst ein Lerninhalt vermittelt werden kann. Und ob die Inhalte dieser für den Unterricht konzipierten «unheimlichen Sex-Boxen» tatsächlich Kindergerecht sind, kann ich nicht beurteilen, da ich sie nicht gesehen habe. (Allzu anschauliche Materialien haben für viele Kinder Integritätsverletzende Auswirkungen) Aber aufgrund meiner therapeutischen Arbeit kann ich mit Sicherheit beurteilen, dass es äusserst wichtig ist, dass Themen wie Nähe/Distanz, mein Eigenraum, Ja/Nein sagen, was mag ich/was nicht, ich bin ein Mädchen/ich bin ein Knabe, der menschliche Körper, wie entsteht ein Baby,  usw. in jeder Altersstufe auch in den Unterricht gehören. Es geht wie gesagt in erster Linie um Identitätsgrundlagen, die in jedem Lebensbereich, im Zusammensein mit anderen Menschen wichtig sind. Und erst auf einer diesbezüglich stabilen Grundlage, kann sich später auch eine selbstregulierte und erfüllende Sexualität entwickeln.

Was legt den Boden für die spätere Sexualität?

Man mag einwenden, dass es Sache der Eltern ist, die Kinder diesbezüglich aufzuklären. Ja sicher ist es in erster Linie deren Aufgabe, und Aufklärung zu Hause und Aufklärung im Kindergarten/in der Schule könnten idealerweise ergänzend sein.  Aber genauso wie die wenigsten Lehrpersonen wirklich geeignet sind, Sexualkundeunterreicht zu erteilen, so sind längst nicht alle Eltern in der Lage, ihre Kinder in psychosexueller Hinsicht adäquat zu unterstützen und sie aufzuklären. Das zeigt sich an der Realität: Wird ein Grossteil der Kinder von ihren Eltern in ihrer körperlichen/psychosexuellen Entwicklung ideal gespiegelt? Werden Kinder unterstützt mit dem was sie wahrnehmen? Wird den Kindern ihr Eigenraum zugestanden? Wird ihr natürliches Sensorium für das was sie mögen und was nicht, respektiert? Haben Eltern eigene Grenzen, so dass Kinder lernen können, auch selber Grenzen zu setzen? Ist die Integrität ihres Körpers jederzeit gewährleistet? Haben sie die Freiheit, anders denken und fühlen zu dürfen als ihre Eltern? Usw.

Ich erlebe bei meiner Arbeit sehr oft, wie erleichternd und lösend es sein kann, wenn z.B. auch im höheren Alter Fragen nachgeholt werden dürfen, die an sich in eine ganz frühe psychosexuelle Entwicklungsstufe gehörten: Wenn KlientInnen damit ernst genommen werden und wenn sie Antworten bekommen, ist oft einfach erstaunlich, wie etwas «von selbst», sozusagen organisch an den richtigen Platz in Ihrem «Körpersystem» rutscht.

Wie schön und wie stärkend wäre es, wenn Kinder mit dem was sie beschäftigt einfach auf adäquate Art und Weise gesehen wären?  Und Körper-, Da-Seins-  und somit auch Sexualthemen, beschäftigen naturgemäss den Menschen, eben, auch schon kleine Kinder.

13 Gedanken zu “Adäquate Aufklärung ist ein Kinder-Recht

  1. Das habe ich bereits am Freitag von einer Kollegin gehört. Ist ja eine Katastrophe, geht mal gar nicht. Wieso sollen so kleine Wesen sich schon damit beschäftigen und vor allem sich schon selber berühren? Ungeheurerlich!!! Meine Kollegin sagte, dass wenn Ihre kleine Tochter in den Kindergarten kommt und die sowas machen müsste, nähme sie ihre Toochter aus dem Kindergarten raus. Und überhaupt, wer kommt auf diese bescheurte Idee?
    Gruss S.

  2. Hallo,

    Ich finde das dieses Thema „Aufklärung“ genauso behandelt wird von der Gesellschaft wie das Thema Missbrauch und Gewalt, nämlich als fünftes Rad am Wagen.Und wieso? Weil jeder zweite überfordert ist mit diesen Konfrontationen.Und das kann ich auch nur unterschreiben das auch Eltern und Lehrkräfte überfodert sind.Ich finde lasst die Kinder, Kinder sein und seit dann bereit wenn sie neugierig werden.Was will man bezwecken einem vierjährigen Mädchen einen P….. zu zeigen wenn es noch garnicht parat ist für diese Begegnung.Warum müssen das die noch so unschuldigen Geschöpfe sich das ansehen und anhören,wenn sie doch nur einfach auf dem Spielplatz spielen wollen?! Bevor man den Kindern die Biologie erklärt und zeigt, müssen wir ihnen das NEIN sagen im richtigen Moment lernen, damit es nicht immer wieder vorkommt das Kinder veschwinden oder missbraucht werden, nur weil sie nicht gelernt haben, NEIN zu sagen!
    Und wenn der Zeitpunkt gekommen ist für das Kind, indem es neugierig wird auf seinen oder andere Körper,dann sollten wir,die Eltern oder Lehrkräfte nicht zu stolz sein und uns Hilfe holen wenn wir überfordert sind mit diesen Themen, zum Beispiel bei Sexualpsychiatern oder Körpersexualtherapeuten.Würden alle Politiker und Manager auf dieser Welt 10% von ihrem Einkommen verzichten, könnten wir uns diese Therapeuten durch die Krankenkassen leisten und wir könnten mehr tun für die wirklichen Opfer.
    Immer wieder hört man das Kinder missbraucht werden in sozialen Anlagen, dann wird sehr sehr kurz darüber in der Zeitung getuschelt und dann wirds ignoriert und unter den Tisch gekehrt,und weiter geht das Leben mit Politikern, Unfällen auf der Strasse,was wo gebaut wird und so weiter.All das ist wichitger als die Tatsache Missbrauch und Gewalt in Familien und mit Kindern.

    sky

  3. Ich kann mich meinem Vorredner nur anschliessen. Was da in den Köpfen von sogenannten Sexualpädagogen vor sich geht ist unglaublich! Die im Rahmen des neuen Lehrplan 21 geplante Einführung einer obligatorischen Sexualerziehung ab dem Kindergarten ist mit allen Mitteln zu bekämpfen! Meinungsbildende Infos auf http://www.freie-meinung.ch

  4. Kinder sollten in jedem Alter über ihren Körper aufgeklärt sein, so viel sie wissen wollen. Auch über den gegengeschlechtlichen Körper, sobald sie fragen haben.
    Warum soll ein Kind nicht wissen und sehen dürfen, dass es Knaben und Mädchen gibt? Ganz ohne Hintergedanken, einfach weil es Interesse hat, neugierig ist? Ist es denn besser es wird beschimpft und wie ein Verbrecher behandelt, weil es seinem natürlichem Verstehen wollen nachgeht und sich informiert was es um sich sieht und fühlt. Wie es meinem Bruder im Spital ergangen ist.

    Im Spital stand er vor einem Kinderbett, indem ein Mädchen schlief, das Spitalhemd war ihm nach oben gerutscht, er sah etwas, was er noch nie gesehen hatte, das war selbstverständlich höchst interessant und er musste alles Neue genau betrachten. Da kam eine Krankenschwester (es waren damals Nonnen) und riss ihn schimpfend vom Bett weg. Er wusste nicht warum er so beschimpft und geschupst wurde, warum er dies nie mehr machen dürfe und ins Bett gesteckt wurde. Er hatte nur geschaut, etwas Neues entdeckt, was bei ihm anders war.
    Ich denke es wäre viel hilfreicher gewesen, dem 5 jähringen Jungen ganz natürlich zu erklären, dass das schlafende Kind ein Mädchen ist, das ein Mädchen kein „Zipfeli“ hat wie er sondern ein „Spältli“.
    Als so ein Theater mit beschimpfen und bestrafen, ihn wie ein Verbrecher zu behandeln. Der kleine Junge war einfach neugierig, er hatte keine „schmutzigen weder sexuellen“ Fantasien, vermutlich hatte diese die Krankenschwester/wir Erwachsenen, kleine Kinder sicher nicht.

    Ich denke Kinder sollten dem Alter entsprechend immer wieder aufgeklärt werden, von Fachpersonen, die einen natürlichen Umgang mit dem Thema Sexualität und ihrer eigenen Sexualität gelernt haben. So würden aus unseren Kindern selbstsichere erwachsene Männer und Frauen werden.

  5. Grüss Gott zusammen

    Wir sind alle Gross geworden ohne dass uns ein Erwachsender gezeigt hat wie wir mit 3,4 oder 5 Jahren an uns herum spielen können. Ich habe einen Sohn, 10 Jahre alt, immer wenn er was wissen möchte fragt er und wir klären Ihn auf. So einfach ist das, das ist unsere Sache als Eltern und KEIN anderer und schon gar nicht der Staat hat hier etwas mitzumischen. Diese armen Kinderseelen werden so verdorben, es gibt natürliche Zyklen und wenn es soweit ist dass das Interesse gestillt werden muss dann ist der Zeitpunkt richtig.
    Alexander P.

    • Schön für Ihren Sohn!!!
      Wer klärt die Kinder auf, deren Eltern keine Zeit haben? Sexualität ein Tabu ist, eine Todsünde ausser für die Zeugung da ist(rel. Fanatiker)? Die Eltern Pornokonsumenten sind oder sich an den eigenen Kindern vergehen? Die Mutter eine Prostituierte ist? Wer klärt diese Kinder adäquat auf?

      Warum gibt es so viel sexuellen Missbrauch? Pornokonsum? Prostitution und Frauenhandel? Domina’s? Klagen über keinen Sex in Beziehungen oder zu viel, mit Gewalt verbunden, warum? Weil wir so gut aufgeklärte Generationen sind, seit Kindergarten her?

      Nein, weil wir nicht dem Alter entsprechend oder gar nie aufgeklärt wurden. Mit religiöser Moral wurde alles tabuisiert, als Sünde bezeichnet. Heimlich wurden die Bravo‘ oder andere abscheulichen Zeitschriften gelesen um sich aufzuklären, oder im TV sah man die abstrusen Bilder von Liebe, Sex und glaubte diesen. Heute durch Porno auf PC und Handys ersetzt.
      Verhütung war gerade einmal ein Thema, und dass es rein raus geht, mehr war in der Schule auch nicht zu erfahren.

      Wollen wir so weitermachen, die Kinder nicht aufklären? Dafür den Geschlechtsverkehr in der Familie als straffrei zulassen? Na danke, da wird der Kindsmissbrauch noch mehr zunehmen. Die Porno Industrie und Prostitution weiterhin abkassieren und viele Kinder, Frauen und Männer unter sexuellen Missbrauch leiden.

      • Ihre Antwort an mich enthält die Antwort an sich. Es ist der falsche Ansatzpunkt kleine Kinder aufzuklären, mit schöner leisen Musik und gegenseitigem Streicheln, hier bleibe ich bei meiner Meinung, das ist von Pädophilen für Pädophile, aber um bei der Sache zu bleiben, die Eltern müssen in die Pflicht genommen werden damit Sie Ihrerseits wieder Ihren Pflichten nachkommen. Und um Ihre Meinung zu würdigen, da ja schon Aufklärung in der Schule betrieben wird kann man das etwas vorverlegen, vielleicht so mit 10. Doch auch hier, kein gegenseitiges Anfassen und was weiss ich was.

        Das geht gar nicht.

        Grüsse euch alle

        Alexander P.

  6. Eltern in die Pflicht nehmen?
    Eltern sollte man vor allem unterstützen. Es zeigt von Stärke, wenn Eltern dazu stehen, dass sie beim Thema Sexualität/Aufklärung befangen sind. Da sie selber keine adäquate Aufklärung genossen haben und sich Hilfe bei einer Sexualtherapeutin /einem Sexualtherapeuten holen oder sich an die Schule wenden.

  7. Hai,

    Ich habe in der letzten Zeit einiges gelesen über dieses Thema. Habt ihr die Sexkoffer und Sexboxen schon gesehen die sie den Kindern verteilen wollen,ist ja unglaublich.Das heisst das ganze ist ja schon beschlossene Sache und die Kinder und Eltern werden gar nicht gefragt ob sie das wollen.Die Kinder kriegen ja Traumazustände,ist das nicht unverantworlich was diese Damen und Herren hier entschieden haben?
    Kommt es dann soweit das man die kleinen Geschöpfe verantwortlich macht wenn sie missbraucht werden,dann heisst es: Ja das Kind hat ja gewusst was abgeht?Es ist in der Schule unterrichtet worden???!!!Oder was ist, mit den Kindern die heute und im JETZT missbraucht werden und müssen sich diesen Unterricht über sich hinweg ergehen lassen?!
    Und könnt ihr euch da draussen vorstellen wie es ist, wenn man vor der ganzen Klasse über sein intimes reden muss,ja muss,erklären,das ist ein P… und das ist eine V….,und wisst ihr wie abscheulich diese Lernprodukte sind die ihr in diese Koffer,oder Boxen getan habt,dies alles,weil die saubere Gesellschaft entschieden hat.
    Was ist mit den geschützten Einrichtungen wie Kinderheime, Privatschulen,Tagesstätten und so weiter?Wollt ihr nicht zuerst mal diese schützen und kontrollieren?All das was da geschieht wird in den Sand gepudelt.Von den Tätern die in den letzten Monaten in den Zeitungen erschienen sind weil sie in geschützten Anlagen Kinder missbraucht haben,hört man nichts mehr was da jetzt passiert.
    Sorry,aber das macht mich stinkesauer.

    lg
    sky

    • Hallo Sky,
      Ich bin absolut Deiner Meinung. Es ist eine absolute Sauerei, dass man Kinder quasi dazu zwingt sich damit auseinander zu setzten. Es gibt bestimmt Kinder die noch nicht bereit dazu sind oder eben missbraucht werden und, das ekelhaft finden. Das finde ich dann nicht gerecht, dass man kinder dazu zwingt darüber zu reden. Ich finde schon, dass man Kinder aufklärt, aber bitte schön Kindgerecht. Vorallem sind Kinder Individuen die man nicht alle in einen Topf werfen soll.
      Was ich auch noch schlimm finde ist, dass man die Eltern dafür bestraft, wenn sie ihre Kinder nicht in den Sexualunterricht schicken wollen.
      Absolut unglaublich sowas. Finde ich nicht in Ordnung!!!
      Gruss S.

  8. Entgegen anderen Behauptungen sind die Ziele der Sexualpädagogen klar: Es geht nicht um Aufklärung sondern um die Sexualisierung von Kleinkinder. Ein Ratgeber der Pro Familie Deutschland – für Pädagogen und Erzieher im Kindergarten – beklagt die Tatsache: «Wenn ein Junge und ein Mädchen versuchen, das Glied in die Scheide einzuführen, wird das auf der Stelle unterbunden, unabhängig davon, ob die Kinder dabei Spass haben oder nicht.» Damit ist alles gesagt!

  9. Kürzlich unterrichtete ich als Stellvertreterin in einer vierten Klasse. Als ich beim Vorstellen erzählte, dass ich auch Sexualpädagogin bin, kamen umgehend ganz viele Fragen zu Sexualität. Und das waren teilweise ganz und gar nicht altersgerechte Fragen. Das zeigte mir wieder einmal mehr, womit Kinder im Fernsehen, in den Zeitschriften und natürlich vor allem durch das Internet konfrontiert sind. Niemand ist da, der den Kindern ihre berechtigten Fragen beantwortet. So wird dann in einer Art davon erzählt, die das Thema Sexualität in die Schmuddel- und verbotenen Ecke treibt. Der Reiz ist dann gross, bei den Kindern, vor allem Mädchen, mit dem eigenen, unverstandenen Wissen zu plagieren. Da scheint es mir umso wichtiger, dass die Lehrer altersgerecht auf solche Fragen eingehen und alle Kinder auf einen guten Wissensstands bringen. Halbwissen macht Angst, Wissen befreit!

  10. Hier spricht eine Grossmutter:-)
    Mädchen im Kindergartenalter können sehr erschrecken bei der Vorstellung,dass was auch immer in ihre Vagina gesteckt wird.Möglicherweise finden die Jungs die Idee auch erstmal komisch.Schonmal ein Trauma um eines zu verhindern?Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben?
    Fragen,zu welchem Thema auch immer,sollen beantwortet werden,in diesem Alter gern auch in Form von Geschichten.Und nur,wenn welche gestellt werden!
    Leider müssen wir die Kinder schützen und ihnen das NEIN beibringen und warum und wieso.Ich bin der Meinung, dass das den kleinen Kindern seelisch nicht gut tut und leider bleibt uns nichts anderes übrig.Ich wünsche mir liebevolle,kreative,respektvolle Eltern und PädagogInnen dafür!

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