Ganz Mensch sein

Positiv denken und damit «negative» Gefühle und Gedanken zu verdrängen galt lange als erstrebenswert. Nun schlägt das Pendel auf die andere Seite. Im gestrigen Sonntags Blick wird empfohlen seine Wut am unbekannten Velofahrer auszulassen, seine Fähigkeit zur Trauer am Mord von John F. Kennedy zu erproben, oder Neid am Besitz von Stars auszuleben. Und wem die Fantasie für eigene Wut-, Trauer- oder Neid-Szenarien fehle, wird tägliches Soap-Schauen empfohlen. «Heulen Sie mit, leiden Sie mit, freuen Sie sich mit», wird der Psychiater Jakob Bösch zitiert. Ich plädiere viel eher dafür, die Gefühle mit den anderen Ebenen des Mensch-Seins zu verbinden. Basis dafür ist der Körper.

Unsere vermeintliche Individual-Gesellschaft lebt ganz offensichtlich Secondhand. Nebst Secondhand-Sex, wie ich in meinem Buch beschrieben habe, secondhand-sex.ch nun also auch Gefühle aus zweiter Hand. Dabei ist jeder Mensch als wunderbares Wesen mit einem Körper ausgestattet, wo alle nervlichen Verbindungen angelegt sind, um spüren zu können, sehen, hören, riechen, schmecken zu können. Und all diese Sinneseindrücke lösen Körperempfindungen aus, konkret erfahrbar wenn man den eigenen Körper wahrnehmen würde. Und wenn man den eigenen Körper wahrnehmen würde, dann könnte man auch Gefühle empfinden, denn Gefühle sind im Körper spürbar. Gefühle in ihrer ganzen Bandbreite, von Freude über Wut bis Trauer. Dann kommt unser Kopf dazu, die Kognition – auch sie Teil des Körpers – die irgendwann diese Gefühle in gute und schlechte Gefühle eingeteilt, und die sich als weit über den Körper erhaben deklariert hat. Aber es geht vergessen: Ohne Körper kein Denken. Weiter ist der Körper auch Vehikel für das was über das rein Materielle hinausgeht, zum Beispiel das Verbunden Sein mit anderen Menschen, mit der Natur, mit der Welt, vielleicht auch mit Gott oder sonst etwas Höherem.

Ohne Körper kein Denken

All diese Ebenen machen das Mensch-Sein aus. Wenn diese Ebenen miteinander verbunden sind, wenn sie gefühlt, also gefüllt sind, dann werden auch Handlungen authentisch, ich würde sagen erst dann werden wir wirklich handlungsfähig. Alles andere sind Pseudo-Handlungen, diktiert vom gerade aktuellen Life-Style, oder Handlungen diktiert von nur einer Mensch-Sein’s-Ebene. Wer sich nur allein auf den Bauch verlässt, oder sich nur auf Emotionen, oder allein auf’s Denken oder die Spiritualität abstützt, handelt nicht als ganzer Mensch. Wir sind mehr, wir haben alle Ebenen.

In meiner Praxis stelle ich fest, dass Menschen die besonders gut sein wollen, die sich sehr Mühe geben gut zu leben, richtig zu leben, niemandem Schaden zufügen, der Natur Sorge tragen, spirituell sein wollen etc. – an sich ja alles wunderbare Qualitäten und Absichten – dass diese Menschen oft von ihrem Körper abgeschnitten sind, dass es nur der Kopf ist der lenkt, dass es nur die Spiritualität ist die zählt, aber solange die Kognitionen oder das Spirituelle nicht wirklich gefühlt sind, bleibt es leer. Die menschlichen Ebenen müssen verbunden sein. Und der Boden dafür ist der Körper. Der Körper ist nicht höher als der Geist – in Umkehrung des lange verbreiteten – er ist die Basis, er ist sozusagen das irdische Gefäss das die anderen Ebenen beherbergt. Alles ist da, angelegt und darf verbunden werden, gelebt werden und macht uns erst zu ganzen Menschen.

Angst verhindert das Wahrnehmen auf der Körperebene

Und weil jeder Mensch kleinere bis sehr grosse Verletzungen mit ins Erwachsenen-Leben bringt, sind da mitunter auch heftige Gefühle. Wenn wir uns denen blind hingeben, sind wir genauso wenig wirklich handlungsfähig wie wenn wir sie verdrängen. Auch «spirituell versüsst, Gefühle einfach in Licht und Liebe einpacken, wie einige Ratgeber raten, sind Kopf-Handlungen, wenn es nicht wirklich mit allen Ebenen verbunden ist, und entspringt genauso der Angst wie das verdrängen. Frauen, die sich rühmen emotional zu sein, «gschpürig» – das ist an sich ja wunderbar – aber wenn es allein ihre Emotionen sind, die sie handeln bzw. reagieren lassen, dann verletzten sie sich und ihre Gegenüber. Oder die rationalen Männer, die sich  aufs Denken allein verlassen, auch sie verletzten damit sich selber und ihre Gegenüber. Natürlich gibt es auch die «gschpürigen» Männer und die rationalen Frauen, aber der Mechanismus ist der Selbe.

Lasst uns ganz werden

Lasst uns ganz werden. Menschen, die anerkennen dass unsere Körper alles beinhalten was uns zu ganzen Menschen macht. Menschen mit Gefühlen, mit Denkvermögen, mit sagen wir mal einer Seele, und die wenn all diese Ebenen verbunden sind authentisch handeln und leben. Und lasst uns das nicht zu einem neuen Dogma machen, denn wir alle sind Lernende, Schritt für Schritt immer näher zu uns und unserem wahren Wesen. Und das beginnt hier in diesem Leben mit unserem Körper. Uns so verbunden zu erfahren ist letztlich Lebens-Sinn-Gebend.

24 Gedanken zu “Ganz Mensch sein

  1. Ist schwierig wenn so total blockiert ist, nicht atmen kann, Spannungen hat
    ( Bauch und Unterleib), blockiert ist im ganzen Körper, dadurch nur am wippen ist.
    Angst davor hat falls diese Gefühle hochkommen und mich ganz überfluten würden und angst hat davor komplett durchzudrehen. Sich nicht konzentrieren können.
    Schön für die die es können, ich kann es nicht, und getraue mich auch nicht.
    Gruss S

  2. Den Artikel im Sonntagsblick habe ich nicht gelesen. Es hört sich für mich seltsam und widerlich an. Über positives Denken habe ich versucht zwei Bücher zu lesen. Fand aber nie den Zugang dazu. Es war für mich keine Hilfe, wie auch Gefühle aus zweiter Hand zu lernen, erscheint für mich nicht hilfreich.
    Das Verbunden sein von allen menschlichen Ebenen, empfinde ich als einleuchtend, auch dass der Körper das Gefäss dafür ist. Der Körper finde ich ist ein geniales Wunderwerk, das ich viel mehr achten, schätzen und spüren lernen möchte, mit allen Ebenen.
    Ich war und bin immer noch sehr ein Kopfmensch, denke und grüble viel. Den Körper spürte ich gar nicht oder nur wenn er schmerzte. Selten gelingt es mir, dass ich mich ganz fühle im Körper, rundum stark, ruhig, sicher und verbunden. Ich nenne es mein „Bäume ausreisse Gefühl“. In diesem Gefühl gelingt es mir mit allen Situationen wie Trauer, schlechten Erfahrungen, Schmerzen aber auch mit Freude und Glück besser umzugehen und klarer zu sehen. Die Mitmenschen erlebe ich näher und fühle mich angenommener von ihnen.
    Das Leben mit all seinen schönen und weniger schönen Seiten würde besser leb bar werden, wenn ich den Kopf mit allen anderen Ebenen zusammen bringen könnte. Ich empfinde es als enorm schwierig, Kopf, Gefühle, Körper und alles zusammen zu bringen, aber nicht mehr unmöglich, darüber bin ich schon sehr froh.

  3. Ja das stimmt,es ist sehr schwierig und manchmal bin ich auch wieder sehr nahe am mich aufgeben,und doch will ich wieder eines Tages“ Ganz Mensch sein“.Und darum bin ich auf dem Weg um mich zu finden auch meine Seele wieder zu finden,meine Gefühle,meine Wut,meinen Hass meine Trauer u.s.w.und dies alles wieder zulassen zu können.In Frau Santiago habe ich einen Menschen gefunden bei dem ich wieder vertrauen bekommen habe,ich kann ihr vertrauen und das bedeutet für mich sehr viel.Ich glaube mit ihrer und meiner Psychiaterins Hilfe werde ich wieder zu mir finden und darf irgendwann wieder „Ganz Mensch sein“.Ich weiss es wird vielleicht noch ein langer Weg sein der vor mir liegt,aber ich werde nicht aufgeben.Ich habe auch sehr sehr lange geglaubt ich kann nicht,es geht einfach nicht,auch heute manchmal noch wenn ich in der Therapie bin,denke ich ,ich kann nicht,es geht nicht.Auch ich bin immer noch in sehr kleinen Schritten unterwegs,aber es müssen ja auch nicht Meilen sein die man begeht.Liebe S ich möchte dich ermutigen dich zu getrauen.Ich glaube dir das du angst hast,es geht mir auch so,doch wenn ich bei Frau Santiago bin,weiss ich sie hält mich auf und fischt mich aus der Überflutung,so kann ich meine Gefühle hochkommen lassen.Und es braucht sehr viel Zeit bis man einen Menschen gefunden hat dem man vertrauen kann und wo mann sich fallen lassen kann.(mir gelingt es auch nicht immer,ich bin am lernen)
    Hope

    • Liebe Hope, ich bin sehr froh darüber dass Du das kannst, auch ermutige ich Dich den Weg weiterhin zu gehen und ich wünsche es Dir!
      Aber mit dem Vertrauen ist so eine Sache, ich weiss nicht was das ist, ich kann mit dem Wort überhaupt nichts anfangen, geschweige denn mit dem Gefühl!
      Ich merke das, wenn mein Mann mich fragt ob ich Ihm Vertraue, ich kann schon ja sagen, aber irgendwie Glaube oder fühle es nicht.
      Ist mir komplett fremd, vielleicht wirklich aus Angst oder Scham, ich weiss es nicht.
      Ist auch jetzt gerade so, ich habe grosse Spannungen, Druck, bin blockiert, kann nicht durchatmen. Ich kann es Ihm nicht sagen, oder versuche es auch zu verbergen, so auch meiner familie gegenüber.
      Vielleicht auch weil ich meine zu wissen wie sie reagieren oder antworten.
      Und Fallen lassen geht schon gar nicht.
      Gruss S

  4. Ja ich weiss es ist sehr schwer sich jemandem anvertrauen.Ich konnte das auch sehr lange nicht mehr,und ich wollte sogar mein Leben aufgeben weil auch mein Vertrauen auf alle Art dieser Welt missbraucht worden ist.Doch irgendwie glaube ich immer noch,das es auch liebe Menschen auf dieser Welt gibt,die eine Chance vedient haben uns zu helfen,und wir haben es doch auch vedient.oder nicht?Auch du,willst du nicht irgendwann wieder mal Mensch sein?Ich verstehe auch sehr gut deine Blockaden,die ich auch sehr tief in mir habe,auch meinem Partner gegenüber,aber ich will das nicht mehr.Willst du das denn?Vielleicht wäre auch eine Selbsthilfepruppe noch eine Hilfe?! Ich weiss es nicht,aber ich bin am mich informieren wo es das gibt.Ob es richtig ist für mich weiss ich jetzt noch nicht.
    lg
    Hope

  5. Hallo Hope, Ich weiss im Moment nicht wirklich was ich will, irgendwas zwischen überfordert, reizüberflutung, neben mir stehen, hören was die anderen sagen, aber nicht aufnehmen können, Panik bei zuvielen Menschen usw. Ich habe keine Ahnung.
    Ich wollte auch mal in eine Selbsthilfegruppe, mir wurde aber davon abgeraten, aber nicht von meiner Therapeutin. Vielleicht sollte ich sie mal fragen, wäre auch was, was ich mir vorstellen könnte.
    Danke für deine Antwort. Ich wünsche dir eine gute Nacht.
    Gruss S.

  6. Hai,

    Ja ich dachte auch das ich es mit meiner Therapeutin besprechen will oder ich frage mich was Frau Santiago über Selbsthilfegruppe denkt?.
    Ich kann dich sehr gut verstehen mit den vielen Gefühlen und Gedanken.Es passiert mir auch wenn viele Ratschläge kommen, aber ich manchmal nicht im Stande bin es aufzunehmen.
    Seit ich meine Geschichte bei vertrauten Menschen aufgedeckt habe,das sind vielleicht vier Personen,versuche ich auch bei diesen Menschen zu bleiben mit meiner Geschichte,weil ich gespürt habe das sie mich ernst nehmen und mir glauben,und bei ihnen fühle ich mich ein ganz kleines bisschen Mensch,und ich hoffe das ich wirklich wieder ein ganzer Mensch sein darf,irgendwann.
    Probiere es doch auch in der Therapie herauszufinden was du gerne möchtest,was dir gut tun würde.Wenn ich mehr weiss von der Selbsthilfegruppe,darfst du mich mal fragen.Kann auch sein das es für mich nichts ist.Ich wünsche dir viel Kraft und klare Gednken,damit du spüren darfst was für dich dran ist.

    lg
    Hope

  7. Hallo zusammen,

    kurze Mitteilung: Seit Samstag hat sich die Blockade wie aufgelöst, schwupps, war es weg. Bin aber immer noch etwas verwirrt, hält sich aber in Grenzen.
    Ich wünsche Euch eine gute Nacht.

    Gruss S.

  8. Ja immer wieder kommt man an einen Punkt wo man sich fragt warum schon wieder?war ich zu leichtsinnig?Ich will doch einfach eines Tages nur GANZ MENSCH SEIN und nicht mehr.Gerade fühle ich mich wieder missbraucht,ich habe mich jemandem anvertraut und das VERTRAUEN wurde missbraucht,und ich habe mich sehr in der Person getäuscht.Es ist hart aus solchen Situationen auf dem Weg zu bleiben und zu sich selber zu finden und bei sich zu bleiben.
    Liebe S,wie hast du deine Blockaden verloren?Einfach so?

    lg
    Hope

    • Hallo Hope, ich verstehe Dich, es ist sehr schwierig mit diesem Thema an andere zu gelangen, die das nicht erlebt haben und damit nicht umgehen können. Wenn man denen das erzählt, dann wissen die wohl nichts besseres zu tun als zu tratschen, so habe ich es erlebt. Wie war es bei Dir, wenn ich fragen darf? Dann bin ich mir nicht so toll vorgekommen. Andere wiederum haben sich nach einiger Zeit von mir abgewandt.
      Bei mir kann sich so eine blockade von einem Moment auf den anderen in nichts auflösen, war fast immer so, und genauso schnell kommt die Blockade wieder. Der Grat zwischen Abgrund und Sicherheit ist bei mir sehr schmal. Und das geht fast von einer Minute zur nächsten. Auch sind diese zerstörerischen Gedanken weg und ich denke gar nicht mehr daran.
      Auch wenn es mir so eigentlich wieder recht gut geht, habe ich trotzdem immer wieder tiefs die aber längst nicht so extrem sind, einfach Trauer, melancholisch, ruhig. aber ich kenne es nicht anders, es ist vertraut.
      Ich wünsche Dir eine Gute Nacht.

      Gruss S.

  9. Hallo S.

    Ja bei mir war es ähnlich,ich habe es einen von meinen Brüder erzählt,und er meinte dann nur „so quasi,das sei ja nicht so schlimm und es ist ja schon sehr lange her,ich soll nicht so tun“ und da habe ich es sehr bereut das ich es ihm erzählt habe.Und dann gibt es Leute die es gar nicht verstehen das solche Geschichten einen Einfluss haben auf meine körperliche Kraft,das diese Geschichte,das Verarbeiten sehr sehr viel Kraft braucht und ich im Moment nicht fähig bin 100% zu arbeiten.
    ich habe auch gute Freunde,die aber auch sehr unterschiedlich umgehen,zum Teil schieben sie es weg,weil sie nicht wissen wie sie damit umgehen sollen,das heisst sie wissen nicht wie sie mit mir umgehen sollen,aber ich nimm es ihnen nicht übel.
    Einer sehr vertrauten Freundin von mir,kann ich alles erzählen,sie glaubt mir,sie trauert mit mir,sie fühlt mit mir und sie gibt mir auch Kraft.
    So merke ich das die heutige Zeit noch nicht so bereit ist sich diesen Themen gegenüber zu stellen,so gehe ich meinen Weg mit Menschen die mich verstehen,es sind nicht viele aber sehr vertraute.

    In Gedanken

    Hope

  10. Hallo Hope,

    Ja, leider ist es so, dass sehr viele nicht wissen wie sie mit dem Thema Missbrauch umgehen sollen, auch wenn diese vorgeben es zu verstehen, aber es fällt ihnen schwer das nachzuvollziehen.
    Ich hatte jetzt mehrere Tage, dass es mir gut ging. Seit Gesternabend habe ich wieder eine Krise. Hatte heute in der Schule der Lehrerin meine Bewerbung gegeben zu lesen. Da kamen wir auf eben dieses Thema zu sprechen. Da ich seit eineinhalb Jahren nicht mehr gearbeitet habe, war Arbeitslos, ich kann nicht mehr in der Pflege arbeiten, und wusste nicht was ich tun sollte, habe mich lange davor gewehrt mich umschulen zu lasse. Jetzt ist die Frage was ich bei einem allfälligen Bewerbungsgespräch sagen soll, was ich gemacht habe. Ausserdem kann ich unmöglich einem neuen Arbeitgeber sagen dass ich seit meinem zweiten Lebensjahr missbraucht wurde, denn die Gefahr besteht, dass ich öfters evt. Arbeitsunfähig bin und nicht stabil genug.

    Gute Nacht.

    Gruss S.

  11. Guten Morgen,

    Es tut mir leid das es dir wieder schlechter geht,aber glaube mir,diese Auf und Abs werden immer weniger,in ganz kleinen Schritten.
    Ich finde es super das du dich umschulen lässt,das ist ein mutiger Schritt und es ist sicher auch ein wichtiger Entscheid für deine Zukunft im Arbeitsleben.
    Nun,wieviel möchtest du dann arbeiten prozentual?Ich kenne dich ja nicht persönlich,aber ich denke 100% wäre noch zuviel im Moment,aber das musst du und vielleicht deine Therapeutin entscheiden.
    Und zum Thema Missbrauch;Du musst dem neuen Arbeitgeber überhaupt nichts von deiner Vergangenheit erzählen,dazu bist du nicht verpflichtet.Was ich ihm vielleicht erzählen würde ist,das du in Therapie bist.Ich würde es dann auch mit deiner Therapeutin besprechen wie du dem neuen Arbeitgeber gegenübertreten sollst und mit ihr vielleicht das Vorstellungsgespräch vorbereiten.Und vielleicht hat der neue Arbeitgeber auch einen Sozialdienst wo du Unterstützung bekommen kannst.
    Dort wo ich arbeite haben wir das, und ich finde es eine grosse Stütze für mich.Auch sie wissen von meiner Geschichte nichts,aber sie wissen das ich in psychiatrischer Begleitung bin.Gut, es ist nicht das gleiche wie bei dir,denn ich bin schon 21 Jahre bei dieser Firma.Und vor zwei Jahren hatte ich einen erben Zusammenbruch,und durch diese Situation bin ich jetzt auf dem Weg mit meiner Vergangenheit.
    Ich kann und darf auch nur 50% arbeiten mit Absprache meiner Psychiaterin,das war ein sehr schwerer Schritt für mich,zu wissen das meiner Körper nicht mehr tun kann,das er augelaugt ist.Ich habe durch das harte Arbeiten versucht alles zu vergessen und zu verdrängen,25 Jahre lang,doch es hat sich nicht gelohnt wie mann sieht.
    So habe ich mich auch entscheiden müssen weiterleben zu können oder mich kaputt zu machen.ICH HABE MICH ENTSCHIEDEN WEITER LEBEN ZU WOLLEN!
    Ich finde es ermutigend wie du auch weiter gehst!!!

    lg

    Hope

    • Hallo Hope, mein Ziel ist schon 100 % zu arbeiten. Weil ich bis jetzt immer voll gearbeitet habe. Ausserdem ist es so dass mein Mann Unfallbedingt nicht arbeiten kann momentan. Bis vor einem Jahr hat er noch taggelder von der SUVA erhalten, dies haben sie ihm gestrichen. Und da ich eine Umschulung mache, bekomme ich IV-Taggelder und werden noch vom Sozialamt unterstützt. Wies mit meinem Mann anschliessend weitergeht wissen wir nicht.
      So wie Du das beschreibst, mit “ Ich will leben“, das kenne ich so nicht. Es gab vielleicht mal Phasen wo das mal ansatzweise vorhanden war. Bei mir gings nach einer Krise einfach weiter, ohne dass ich mich explizit fürs Leben entschieden hätte. Ich wurstle mich so durchs Leben. Dasselbe ist mit dem „Vertrauen“, ich kenne das so nicht, jemanden ausnahmslos zu vertrauen. Auch kann ich mit diesem Wort nichts anfangen, das stösst bei mir auf Widerwillen, Ablehnung, ich habe da ziemliche Mühe mit, da läuft es bei mir kalt den Rücken runter.
      Bei mir ist es so mit dem Missbrauch: Ich habe es nie verdrängt, wusste immer was mein Vater mit mir machte. Irrwitzig ist auch, dass er wusste dass er dies nicht tun durfte. Meine Mutter wusste Bescheid. Mein Bruder wusste auch bescheid. Bei uns war es einfach ein Familiengeheimnis, aber wehe wenn wir was erzählten, dann gabs ärger.
      Ich wünsche dir einen schönen Tag.
      Gruss S

  12. o.k.
    Wieso hast du geheiratet?wieso machst du eine Umschulung?Mit diesen Zeichen zeigst du doch auch dass du weiter leben willst?! Oder?Und das finde ich gut.
    Es ist bei mir auch nicht grad so,das ich es laut rausposaunt habe,ich will leben.
    Und wegen dem Verdrängen,ich wusste auch immer was mein Täter mir antut,von Tag zu Tag,(Ich stellte mich immer tot oder schlafend und hoffte das es bald vorbei ist)doch nach dem Geschehen wollte ich nicht wahrhaben und verdrängen was geschehen ist.
    Ich bekomme leider noch keine Unterstützung von der IV,und darum muss ich auf einiges verzichten und habe ein sehr eingeschränktes Leben,und das alles wegen diesem SCHEISSTYP.
    Ich glaube dir das du 100% wieder eisteigen willst,aber denkst du nicht das du vielleicht mal mit weniger starten willst,da du ja schon im Vorherein sagst das du vielleicht immer wieder mal ausfallen könntest.Und du bist ja noch zur jetztige Zeit abgesichert mit der IV und dem Sozialamt,oder was meinst du?

    Gruss H

  13. Hallo Hope, Warum ich geheiratet habe, weiss ich zum jetztigen Zeitpunkt nicht mehr. Aber damals hatte ich wohl schon gefühle für ihn, aber ich bezweifle, dass ich ihn liebe, das kenne ich nicht. Warum mache ich eine Umschulung, weil ich nicht mehr in der Pflege arbeiten will und bevor ich eine IV Rente kriege, was sowieso sehr schwierig ist, wollen die, dass ich es mit der Umschulung versuche.
    Das mit dem sich fürs Leben entscheiden ist so eine Sache. Ich funktioniere eigentlich nur, klar mal ist es besser, aber meistens geht meine Stimmung doch eher bachab schwimmen. nd ich kann nicht behaupten, dass ich mich so fürs Leben entschieden habe.
    Wir müssen uns auch extrem einschränken, jeden Rappen müssen wir umkehren. Aber wenn ich meinen Mann nicht kennen gelernt hätte, dann müsste ich wenigstens nicht jeden Tag kochen, und dann würde ich in der jetztigen Situation, so wies ist mit den Krisen, nur noch trinken und gar nicht grossartig essen. So ist es diese Woche gewesen, mein Mann im Krankenhaus, ich alleine zuhause, und, wie die letzten beiden Tag, am trinken. Dumm ist nur, dass meine Schwiegermutter morgen aus Deutschland zu Besuch kommt und ich nicht übers ganze Wochenende trinken kann. Ich habe aber ein gutes Verhältnis zu ihr, nur ich kann dann eben nicht trinken und mich bestrafen. Witzig ist aber dass ich, wenn ich besuch habe, bei meinem Mann bin, oder sonstwie, dann kann ich wirklich so tun als sei alles in Ordnung.
    Ja ich weiss, sowas wird nicht gelesen, habe es aber trotzdem geschrieben.
    Schönen Abend und Gute Nacht.

    Gruss S.

    • Doch, doch so etwas wird gelesen. Es macht mich traurig, betroffen, aber auch hilflos. Bei Deinen Beiträgen habe ich mich gefragt, warum ist da so ein Verharren im Negativen zu spüren. Hoffte immer auf eine kleine Wendung – wie z.B. heute ist heute, ich versuche die ganz, ganz kleinen Dinge im Leben zu geniessen. Seien es ein paar Sonnenstrahlen oder das gesund Aufstehen können und eine warme Dusche zu geniessen, das warme Wasser zu spüren. Viel Kleines ergibt grosse Freude und Mut die Schwierigkeiten im jetzigen Leben und die aus der Vergangenheit anzugehen.
      Es tönt vielleiht hart was ich jetzt schreibe, aber ich möchte auch ehrlich sein, meine Gedanken offen und ehrlich schreiben. Ich vermute ein grosser Teil, der Stimmungsschwankungen, der Blockaden, der negativen Erlebnisse mit den Mitmenschen haben mit dem Trinken zu tun. Egal welche Suchtmittel (Alkohol, Tabletten, Kombinationen davon, Heroin usw.) haben auf das allgemeine Wohlempfinden Einfluss, auf das „ganz Mensch sein“. Der Körper, die Seele, die Gedanke, Gefühle und auch das Hirn werden dadurch stark geschädigt und negativ beeinflusst. Das „ganz Mensch sein“ würd verunmöglicht.
      Ich hoffe, Du nimmst mir meinen Beitrag nicht böse, so ein Moralapostel, der hat doch keine Ahnung!
      Heute wenn ich zurückdenke, muss ich ehrlich zugeben, ich strafte nicht nur mich selber sondern alle meine Mitmenschen, Süchtige sind oft unzuverlässig und nicht vertrauensvoll.
      Vielleicht wäre der erste Schritt zu „ganz Mensch sein“ und wieder Lebensfreude zu empfinden das Trinkproblem anzugehen. Frage deine Psychologin, sie kann Dir sicher sagen, ob das Trinken wirklich einer der Gründe ist für die Blockaden, Stimmungsschwankungen und den fehlenden Lebensmut neu mit dem Leben zu beginnen, dass die alten, grauenhaften Erlebnisse nicht mehr so viel Platz einnehmen.
      Sie wird dich sicher unterstützten, falls ein Entzug nötig wäre, und sicher auch danach, wenn Du das Leben nüchtern angehst, da braucht man viel Hilfe, das ist nicht einfach. Aber mit der Zeit werden die neuen Erlebnisse, wie sich gut fühlen im Körper wieder möglich – sich irgendwann als „Ganz Mensch sein“ fühlen und handeln. Ich wünsche Dir alles Gute.
      M.

      • Hallo M. Die Blockade hat in erster Linie nichts mit Alkohol zu tun. Ich versuche das etwas zu erklären, weis aber nicht ob du das verstehtst. Letztes Jahr, Oktober oder November, hatte ich in einem Film gesehen die sich küssten, da wurde mir fast schlecht, musste mich wegdrehen und bekam Spannungen, vor allem im Unterleib. Dann kam mir der Gedanke, dass ich vor 30 Jahren das erste Mal missbraucht wurde, an den ersten an den ich mich erinnern kann. Das erste Mal da war ich zweieinhalb. Die Spannungen wurden immens, konnte nachts nicht schlafen, wusste nicht wie ich Bett liegen sollte. Daher denke ich kommt die blockade, ich konnte mich in der Therapie nicht auf das was mir meine Therapeutin vorschlug einlassen. Ich verweigerte alles. Sie wollte mich sogar einmal in die Psychiatrie schicken, ich aber nicht, weil ich mich bestrafen wollte. Klar, zwischendurch wars mal etwas besser, aber jetzt hat es wieder heftig angefangen. Gestern dann, war ich so angespannt, dass ich es tatsächlich schaffte eine Flasche Wodka zu trinken. Heute gehts aber, keine Kopfschmerzen nichts. Jetzt kann ich nicht einfach eine Flasche hervorholen und trinken, habe Besuch von meiner Schwiegermutter, und wenn die das siehtkriegt sie eine Krise, mein Mann und meine Mutter, die fangen dann an sich wahnsinnige Sorgen zu machen und sagen ich darf das nicht. Ich darf sehr wohl. Warum dürfen andere denn das machen und ich nicht? Frage ich mich dann.

        Gruss S.

        • Sali S.
          Danke für Deine Antwort und die Erklärung. Ich versuche Dich zu verstehen und will Dich zu nicht zwingen oder Dir Vorschreibungen machen. Du kannst machen was Du willst. Ich finde jeder Mensch darf machen was er will, ausser wenn er damit andere Menschen belästigt, bestraft, verletzt oder tötet. Da finde ich gibt es klare Grenzen beim Handeln, die respektiert werden müssen. Jeder darf sich selber bestrafen, wenn er aber andere da hinein zieht, und ihnen irgendwelchen Schaden zufügt, dann ist es nicht mehr sein alleiniges Recht. Wie siehst Du das?

          Was meinst Du würde Dir helfen, die Missbrauchserlebnisse zu verarbeiten, was würde helfen erträglicher damit zu leben? Was ist es, das Dich hindert, Dich auf die Therapie einzulassen? Wie wünscht Du Dir soll Dein Leben aussehen? Wie und mit wem könntest Du Schritte zu einem ruhigeren Leben/Heilung angehen? Was würde Dir helfen, was Dich unterstützen, die Blockaden zu lösen oder sie erträglicher zu machen? Wäre für Dich ein Alkoholentzug eine Therapiemöglichkeit? Was möchtest Du ändern? Was hindert Dich an einem Klinikaufenthalt? Was würde Dir helfen, nicht zu oft zum Alkohol zu greifen? Was wünschst Du Dir? Was würde Dir Freude bereiten? Hättest Du Freude auf die Ausübung eines Hobbys (Lesen, Zeichnen, Schreiben usw.)? Was möchtest Du ändern? Was wäre Dein Traum?

          Ich habe Dir ganz viele Fragen gestellt, die Du auf keinen Fall beantworten musst. Vielleicht magst Du sie gar nicht lesen, was nichts macht, vielleicht magst Du sie für Dich zu beantworten, vielleicht findest Du sie blöde und doof, vielleicht hilfreich?
          Jeder Mensch erlebt alles ganz verschieden und ich denke auch jeder Weg, der ein Mensch wählt ist ganz verschieden und individuell.
          Manchmal hilft es mir so eine Fragen-Auslage der Gedanken, Ziele, Wünsche und Vorstellungen zu machen, ganz ohne zu bewerten oder zu beurteilen. Mir persönlich hat auch der Text von Maria „Süsszitronen“ sehr geholfen und beeindruckt. Aber eben, was für mich hilfreich ist, muss für andere Menschen nicht stimmen.

          Es sind meine Gedanken, die mir beim Lesen Deiner Antwort aufkamen. Ich wünsche Dir alles Gute und ganz viel Kraft für Deinen Weg.
          Grüsse M.

  14. Das stimmt,jeder Mensch darf tun und lassen was er will,doch ich finde es ist gerade auch wie eine Flucht und wie ein Verdrängen,meinst du nicht auch?Glaube mir liebe S.der Alkohol ist nicht die Lösung.Glaubst du nicht das du damit auch deinen Mann verletzt und vor allem auch dich selber,du hast das bestimmt nicht vedient!ich bin jetzt vielleicht auch etwas hart so wie M.aber es tut mir weh wenn ich Menschen so leiden sehe,und sie sich nicht helfen lassen wollen.S.weisst du das du eine Alkohlikerin bist?In all deinen Berichten spüre ich eine Verzweiflung,Schmerz,Hass Aussichslosigkeit.Bitte verweigere nicht die Hilfe die vor deinen Füssen liegt!Und vielleicht ist es wirklich an der Zeit mit der Klinik,da hast du gute und kompetente Menschen um dich herum,und es gibt wirklich auch sehr gute Kliniken.Es gibt da auch spezielle Abteilungen für Trauma-Patienten und es gibt da bestimmt auch Gruppen die das selbe erlebt haben.Ich bin Gott dankbar das ich diesen Weg machen durfte und erkennen das es keine Schande ist sich helfen zu lassen.
    Und doch kann man keine Menschen zwingen,den sie müssen es selber zulassen können,ein JA für Hilfe!
    Ich möchte dich immer wieder ermutigen dein Leben in die Hände der Menschen zu legen die dir helfen wollen,deine Therapeutin,Frau Santiago,dein Mann und versuchen mit ihnen zu arbeiten.
    Gruss H.

  15. Hallo Hope,

    Ja klar ist es eine Flucht. Ich bin aber nicht damit einverstanden damit, dass ich Alkohlikerin bin. Denn ich ich habe lediglich Phasen in denen ich trinke, nicht immer. Meine Therapeutin weiss davon, sie hat mir gesagt, dass ich mich wieder bei Ihr melden kann wenn ich wieder „aufgetaucht“ bin. Es ist so dass ich jetzt, seit einem halben Jahr eine Krise habe, jetzt extrem mit dem Körper reagiere, dann bin ich mit dem Geiste, mit dem Herzen, sofern ich eins habe, so blockiert bin, dass ich auf nichts anspreche. Was ich mir am ehesten noch vorstellen könnte, wäre eine hypnose, habe aber Panik, dass ich durchdrehe, wenn die Gefühle hochkommen. Desshalb auch die Blockade
    Gute Nacht zusammen.

    Gruss S.

  16. Hallo M.
    Ich habe Deinen Bericht gelesen, danke. Im Mooment kann ich dir nicht sagen was mir Freude ooder Spass bereitet, weil ich dafür keine Augen habe. Klar ich gehe ins Karate, aber wenn ich auch da Spannungen habe, bringt mir das dann nichts weil ich mich da nicht konzentrieren kann. Lesen geht auch nicht, ausser für die schule, aber auch da wieder spannungen Druck und ich kann mich nicht konzentrieren.diese woche habe ich Prüfungen und sollte vor allem in gewissen Fächer viel lernen, aber das geht nicht. Mache das Bürofachdiplom. Wenn das gut geht, mache ich im Mai die Handelsschule.
    Ich bin schon seit Jahren in therapie. Meine therapeutin meint jetzt dass ich mindestens 5 Schritte rückwärts gemacht seit einem halben Jahr. Das mit dem Alkohol ist es so eine Sache, habe ich immer wieder. Meine Therapeutin weiss das, klar sie nicht begeistert,, appelliert aber immer wieder an meine vernunft, was jetzt gerade nicht möglich ist. Klinik ist für mich deshalb auch nicht möglich, weil wenn ich schon bei meiner Therapeutin und meinem Maqnn so blockiere, dann bringt es auch nichts in der Klinik, da ist es noch schwieriger. Ausserdem ist mein Mann im Krankenhaus, und da kann ich ihn nicht alleine lassen. ausserdem weiss er nichts von meiner Krise, und das soll so bleiben.
    Gruss S.

    • Sali S.
      Das ist doch super, machst Du das Bürofachdiplom und im Mai die Handelsschule! Karate ist eine anspruchsvolle Sportart!
      Deine Therapeutin hat schon recht, das mit dem Alkohol ist so eine Sache. Für eine Therapie, die hilft die schlimmen Erlebnisse zu betrachten, verarbeiten und neu zu lernen damit umzugehen, ist es Voraussetzung, dass man nüchtern ist. Auch für ein vertieftes Lernen ist es wichtig, dass das Hirn nüchtern ist.
      Ich vermute, wenn es Dir gelingt, mit der Hilfe Deiner Therapeutin, den Alkohol wegzulassen, holst Du deine 5 Retourschritte wieder auf, dann machst Du einen grossen Sprung nach vorne, die Lebensqualität wird besser werden.
      Ich drücke Dir für die Prüfungen die Daumen!
      Gruss M.

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