Hallo Marco – Master of disaster

Deinen Autoschlüssel musste ich mir jetzt unbedingt schnappen, um mit dir in der Intimität des Internets über Monogamie zu plaudern.

Du zitierst in deinem Blog  «Wann ist man ein Mann» vom 22.10  aus einem Interview mit Christopher Ryan und seiner Frau, der Psychiaterin Cacilda Jetha, Autoren des Buches «Sex at Dawn»: «Wir leben in einer Zeit, in der uns die meisten Illusionen leer erscheinen: Religion, Politik, das Wirtschafts- und vor allem Bankensystem – und Monogamie. Wir realisieren langsam, dass es nicht weitergehen kann wie bisher. Würde mehr als die Hälfte aller Flugzeuge abstürzen oder der Schiffe untergehen, würden wir umgehend schauen, welche Konstruktionsfehler vorliegen. Mehr als 50% der Ehen scheitern aktenkundig, trotzdem versprechen sich viele Leute ewige Treue und gehen doch fremd.»

Nach einigen evolutionsbiologischen Exkursen über Bonobos und Schimpansen ein weiters Zitat  von  Ryan auf die Frage, ob er eine Erklärung hätte für die weiblichen Kopulationsvokalisierungen: «Es ist kulturübergreifend, dass Frauen u.a. beim Orgasmus lauter sind als Männer. Aus Sicht unserer Vorfahren muss es dazu einen gewichtigen evolutionären Grund geben, denn es gibt Schlaueres, als einem Leoparden mitzuteilen, dass gerade zwei Leute unaufmerksam und unbewaffnet miteinander zugange sind. Es scheint, als diene dieses Verhalten dazu, andere Männer anzuziehen und so eine Spermienkonkurrenz herzustellen.» 
Zum Schluss des Interviews die Frage, was Ryan und Jetha bei der Recherche zu ihrem Buch am meisten überrascht hätte:
«Ich habe nach frühen Beispielen gesucht für Leute, die in den prüden USA des 20. Jahrhunderts Alternativen zum traditionellen Ehe-Modell ausprobierten. Ich stiess auf Piloten im Zweiten Weltkrieg, die Luftangriffe gegen die Japaner flogen und unter allen Divisionen die höchsten Sterblichkeitsraten aufwiesen. Zurück auf ihren Militärbasen veranstalteten sie sogenannte Schlüsselpartys, bei denen die Autoschlüssel wie Karten gemischt und wieder verteilt wurden. Die Frauen zogen sich mit dem Mann zurück, dessen Autoschlüssel sie erwischt hatten. Es ging dabei nicht so sehr um Sex, sondern um Intimität. Diese Männer wussten: Wenn sie nicht zurückkehren würden, würde sich sein Kamerad um seine Frau kümmern, weil er sie auf (s)eine Weise liebte.»

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wie dies wohl bei unserer, der besten Armee, im Ernstfall, aussehen würde? Aber wo habe ich bloss meine Autoschlüssel wieder hingelegt…? (ganzer Beitrag auf: http://www.aequilibris.ch/deutsch/master-of-disaster-marcos-blog/index.php)

Ob sich wohl die Ehefrau von heute auf dieses Schlüsselspielchen einlassen würde? Ich meine nicht bloss for fun, sondern um nach dem allfälligen Ableben ihres Mannes versorgt/geliebt zu sein?  Oder ob sie sich selber nach einem neuen Lebensgefährten umschauen, oder klar entscheiden würde fortan lieber allein oder mit einer Frau zu leben?

Ob die Frauen von heute beim Orgasmus lauter stöhnen als der Mann um noch andere Männer anzulocken? Oder ob sie lauter stöhnen, weil Sexualität so wie sie heute meist gelebt wird, ihnen auf die Dauer nicht so ganz entspricht? Könnte es sein,  dass sie mit ihrem Stöhnen dem Mann das Signal gibt, «es reicht, komm», damit das Gerammel endlich ein Ende hat?

Ob sich die Paare von heute wirklich getrauen, nach den «Konstruktionsfehlern» in ihren Ehen zu suchen? Oder ob sie ganz einfach den einfacheren Weg wählen und das Flugzeug abstürzen lassen? Ein anfänglicher Höheflug mit einem neuen Flugzeug und mit Zweit- und Drittflügen und so, ist ja garantiert. Die Konstruktionsfehler, sprich die Grundverletzungen eines Menschen kommen ja erst in der Intimität einer Liebesbeziehung wirklich zu Tage. Ob dieses abstürzen lassen wohl von Freiheit zeugt, oder nicht viel eher auf Ängsten beruht?

Fragen, lauter Fragen…

Sodeli, da hast du deinen Autoschlüssel wieder. Gute Fahrt wünscht dir

Herzlich Marlise

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