Intimität statt Konsum

Fernsehkonsum ist einer der grössten Beziehungs- und Erotikkiller und trotzdem soll eine Zwangsgebühr auch für Nichtkonsumierende eingeführt werden. Ich persönlich finde das befremdlich. Ich plädiere für mehr Paar- und Körperzeit und die kostet nichts – ausser eben Zeit. 


In der Paarberatung spielt der Medienkonsum des einen oder der anderen oft eine zentrale Rolle. «Wir kuscheln nur noch vor dem Fernseher, aber dann ist er ja gar nicht wirklich präsent». «Das Fernsehgerät steht im Schlafzimmer, es kommt kaum mehr erotische Stimmung auf». «Der Fernseher läuft vom Morgen früh bis Abends spät, egal ob jemand wirklich schaut oder nicht. Wir reden immer weniger, weil wir ja dann doch mit einem Auge immer hinschauen». «Sie schaut den ganzen Nachmittag diese komischen Serien, ich habe das Gefühl meine Frau verblödet langsam». «Wenn mein Mann Sport schaut, ist er aufgeladen bis aggressiv und ich mag dann nicht von ihm berührt werden». Das sind einige Aussagen, die in letzter Zeit in der Paarberatung gefallen sind und es zeigt, wie zentral nur schon ein Fernsehgerät, bzw. der Fernsehkonsum sein kann. Dazu kommen ja dann noch all die vermeintlich zu erledigenden Verpflichtungen im Internet und die ständige Verfügbarkeit. Und statt dass die Menschen dazu angeregt werden, wieder mehr in Beziehung zu treten, wieder mehr miteinander zu reden, zärtlicher zu sein, mehr Sex zu haben – kurz gesagt intime Paarzeit miteinander zu verbringen – soll nun ganz offensichtlich eine Zwangssteuer für den TV-Konsum und Nichtkonsum eingeführt werden. 

Sehr geehrter Herr Konsumentenschützer, würden Sie mir einen Gefallen tun? Es heisst ja, dass Sie für Konsumentinnen kämpfen. Nun, genau darum geht es, ich bin keine Konsumentin, sondern eine Nichtkonsumentin. Kämpfen Sie auch für diese? 

Ich bin ohne Fernseher aufgewachsen, hatte auch später nie ein TV -Gerät, das heisst, ich war und bin keine TV-Konsumentin. Ich besitze zwar einen PC mit Internetanschluss, aber ich wüsste absolut nicht, warum ich jetzt plötzlich TV gucken sollte, (ich wusste lange gar nicht mal, dass man das kann) es interessiert mich einfach nicht. Radio hab ich bis vor ca 20 Jahren gehört, aber seither lebe ich bestens auch ohne dieses Gedudel und Gequatsche. Es gibt sie also, diese Nadeln im Heuhaufen – glücklich und zufrieden ohne TV- und Radiokonsum. Mediengebühren bezahle ich mittels meiner abonnierten Zeitungen und Zeitschriften.  Und nun soll ich also zusätzlich für etwas bezahlen, was ich nicht konsumiere. Das finde ich seltsam und widerspricht meinem Gerechtigkeitsempfinden.
Wenn Sie sich schon nicht für diese wenigen Menschen einsetzen wollen, dann bitte ich Sie um folgendes:

Würden Sie sich wenigstens dafür einzusetzen, dass diese Gebühr umbenannt wird z.B. in «konsumunabhängige obligatorische Medienabgabe» oder «Zwangssteuer zur Finanzierung von Medienschaffenden», oder etwas in diese Richtung, so dass klar ist, worum es geht.  Aha, es ist obligatorisch, so wie es die die Staats- und Gemeindesteuern sind – mit denen ja vielleicht auch Dinge finanziert werden, die ich nicht so wichtig finde. Aha, das ist Bürgerinnenpflicht. Ja dann ist die Sache klar, aber so? Nein, für mich nicht.
Würden Sie sich dafür einsetzen? Hochachtungsvoll

Und übrigens gibt es ja Studien, die besagen, dass bewegte Bilder von unserem Gehirn als reell, oder erlebt,  eingestuft werden. Wenn wir uns überlegen, was das heisst, und was das beeinflusst – nur schon wenn’s um Beziehung und Sexualität geht – dann plädiere ich erst Recht für TV freie Wochen, oder Abende pro Woche. Einfach im Sinne von Paargesundheit.

Schreibe einen Kommentar