Jubiläum

Liebe Leserin, lieber Leser. 10 Jahre in eigener Praxis! Anlass, Ihnen ganz am Schluss ein kleines Geschenk zu machen und Anlass für einen Rückblick. Denn den einfachsten Weg, hab ich mir mit dem Thema Sexualität nicht gerade gewählt.

Im Februar 2002, vor genau 10 Jahren bezog ich an der Stadelhoferstrasse meinen ersten, winzig kleinen Praxisraum. Damals bot ich als Sexualpädagogin Sexualberatung für Frauen an. In den vielen vielen Leerstunden sass ich dann jeweils am grossen weissen Pult in meinem Raum und rang und weinte, schrieb und schrieb, und ohne zu wissen, was ich eigentlich tat, war sie plötzlich geboren; die Vision meiner zukünftigen Arbeit. Die «Lieberin», niedergeschrieben in einem Entwicklungsroman.

 

 

Eines Nachts träumte ich damals den Satz:

 

«Es gibt einen Weg

den niemand geht

wenn DU ihn nicht gehst.

Es ist der Weg

der entsteht

wenn DU ihn gehst.»

 

Er begleitet mich seither.

In der Zwischenzeit bin ich meiner Vision immer näher gekommen, das heisst ich bin immer weiter gegangen, Schritt für Schritt, und wenn ich zurückschaue, sehe ich tatsächlich einen Weg. Wenn ich jedoch vorwärts schaue, sehe ich keinen Weg. Noch immer einfach Schritt für Schritt. Vertrauensvoll.

Meist fällt mir das ganz leicht und ich fühle mich getragen. Aber es gibt ehrlich gesagt auch Zeiten, wo ich nicht wirklich verstehe, was das soll.

Nach zwei Jahren Stadelhofen war ein erster nächster Schritt fällig. Durch die Beratungsarbeit hatte ich erfahren, dass allein nur über Sexualität zu reden, in den meisten Fällen keine nachhaltigen Veränderungen möglich macht. Ich wusste, dass ich müsste berühren können. Mit dem Körper arbeiten. Mit Herzensliebe. Aber wie?

Damals war die Ausbildung zur Berührerin ausgeschrieben. Ich meldete mich sofort, durchlief das mehrstufige Aufnahmeverfahren, wurde aufgenommen und eine Freundin schenkte mir das Geld für die Kursgebühr. Ich hatte insgeheim die Erwartung, dass ich dort Gleichgesinnte treffen werde, Menschen mit einer Vision, mit meiner Vision. Dem war nicht so, und ich musste anerkennen, dass man Themen der Sexualität auf vielfältigste Weise begegnen kann und ich meinen Weg weiterhin alleine gehen würde.

Im Laufe der Ausbildung wurde mir klar, dass ich auch mit Männern arbeiten möchte und kann, etwas was ich mir zu Beginn meiner Sexualberatungs-Tätigkeit nicht zutraute, dass ich Menschen begleitend und sexuell absichtslos berühren kann, dass ich eine sehr stark ausgeprägte Präsenz und Intuition habe, auf die ich nebst meinem Fachwissen, auch vertrauen kann.

Durch die Medienhetze, die rund um die Ausbildung stattfand, erfuhr ich auch einmal mehr, wie gespalten die Gesellschaft mit dem Thema Sexualität umgeht. Einerseits die Übersexualisierung und Pornografisierung, fast jeden Lebensbereich betreffend, die einfach so stillschweigend als normal hingenommen wird, andererseits eine Polemisierung und Ablehnung wenn es um die tiefen, schlichten, einfachen, natürlichen Bedürfnisse einzelner Menschen geht.

Das Thema Sexualität scheint eine der grössten Projektionsflächen zu sein.

Das erfuhr ich auch, als ich einen grösseren Praxisraum suchte. Ich hätte mich gerne in einer Gruppenpraxis eingemietet, wurde jedoch mit den Ängsten, Bedenken, und Projektionen von vielen Therapeutinnen konfrontiert. Ich persönlich habe ja nichts dagegen, aber wie reagieren meine Kolleginnen? Was wenn mal jemand heftig atmet oder gar stöhnt? Was wenn unangemeldet plötzlich Männer in der Praxis stehen? usw. Wohlverstanden, ich wollte kein Bordell eröffnen, sondern suchte einen Raum für Sexualberatung und Körpersexualtherapie für Frauen, Männer und Paare. Seit bald acht Jahren bin ich nun an der Gämsenstrasse, und es sind die richtigen Räume für meine Arbeit.

Nach der Ausbildung zur Berührerin, liess ich mich weiter zur Tantra- und zur Taomasseurin ausbilden. Wieder so etwas, was die wildesten Fantasien anregt. Ich persönlich habe dank meiner grossen Präsenz aber gerade durch die Sitzungen, die ich in Tantrischer Massage gegeben hatte, ganz schnell sehr viel Weg-Weisendes für meine Arbeit gelernt, und habe die erlernte Form nur etwa während drei Monaten angeboten, eben, weil sich mir ein ganz anderes Tätigkeitsfeld offenbarte.

Beispielsweise gab es eine Massagesequenz, wo ich meine Hände ausstrecke und den Klienten/die Klientin bitte, ihre Hände auf meine zu legen – wenn sie möchten. Nicht alle können das. Das hat mir gezeigt, dass dann vielleicht keine Massage, sondern Vertrauensbildendes, oder Übungen zu Eigenraum usw. angebrachter wären. Diese Erkenntnis beispielsweise war der Startschuss für das Berührungstraining, das ich heute anbiete.

Oder in einer anderen Massagesequenz sitze ich hinter der Klientin/dem Klienten und lasse sie anlehnen – wenn sie das möchten. Da war sehr oft sofort eine Regression wahrnehmbar. Ich begann dann nachzufragen, und fragte auch was das Kind in diesem Alter gebraucht hätte, und gab das stellvertretend. Das war der Startschuss zu meiner heutigen Nachnähr-Arbeit oder zum Kuscheln. Und diese Arbeit wiederum führte mich dann später weiter zur prozessorientierten Trauma-Heil-Arbeit, weil ich erfahren habe, dass der Körper das offenbart, was ansteht, was vermisst wurde, was blockiert ist, und weil ich gelernt habe, dass ich gar nicht viel TUN, sondern einfach präsent und achtsam sein muss, und den Raum halten für das was geschieht und es wissend, liebevoll und klar zu begleiten.

Und weil ich solcherart ja sehr oft Mutter- oder Vaterrolle einnehme, versteht es sich von selbst, dass meine Massagen und Berührungen keine sexuelle Dienstleistung sind.

Durch die Tantrische Massage habe ich aber auch gelernt, den Intimbereich einer Frau, eines Mannes mit der angebrachten Natürlichkeit und sexuellen Absichtslosigkeit zu berühren – wenn sie das möchten. Bei Männern geschieht es eher in einer segnenden Haltung, es ist ok, dass du einen Penis hast, das gehört zum Mann-Sein. Bei der Frau ist es eher eine heilende Haltung und Berührung. Ich folge also nicht der Erregungs-Energie, sondern der segnenden und heilenden und  klar stellenden; du bist Mann, du bist Frau.

Dem Nachnähren bin ich im persönlichen Coaching bei Notburga Fischer wieder begegnet, und ich konnte meine Arbeit weiter verfeinern und reflektieren. Weiterbildungen in Sexualberatung und Sexualtherapie folgten, ebenso zwei verschiedene Weiterbildungen in Traumatherapie. Arbeit, die ich vorher intuitiv gemacht hatte, bekam so jeweils im Nachhinein Erklärung und Vertiefung.

 

Ja, so ist das mit den Schritten,

die erst wenn sie gegangen,

zum Weg werden.

Manchmal uneben, steinig und eine Gratwanderung

 

 

manchmal glattwiesig weich gepolstert.

 

 

 

Erst durch Tun kann etwas verstanden und integriert werden. Erst durch Erfahren, Erleben, klares Wahrnehmen und regelmässig Anwenden, kann etwas Neues entstehen.

Und in Zukunft?

• Ich wünsche mir viele Klientinnen und Klienten, mit denen ich lernen und die ich ein Stück weit begleiten darf.

• Ich wünsche mir noch viel mehr Ärzte und Psychologinnen, und andere, mit denen ich zusammenarbeiten darf. Denn meine Art Arbeit ist somatisches Lernen/Umlernen, und somit eine gute Ergänzung zu eher gesprächsorientierten Therapien.

• Ich möchte wieder von dieser, meiner Arbeit leben können, trotz erneuter Wirtschaftskrise, die ich jedesmal sofort zu spüren bekomme, da meine Arbeit ja nicht über Krankenkasse abgerechnet werden kann.

• Ich wünsche mir, dass Sexualität wieder den Platz bekommt, der ihr zusteht. Als Lebensenergie, als Möglichkeit sich liebend zu verbinden und auszutauschen – als wichtigen und lebensbejahenden Aspekt eines jeden Menschen. Dazu habe ich in den letzten 10 Jahren beigetragen – in der Öffentlichkeit während fünf Jahren auf Radio DRS, während drei Jahren im Tagblatt der Stadt Zürich, in Vorträgen und Schulungen für Pflegeteams – sowie natürlich vorwiegend im stillen Kämmerchen des Therapie-Settings.

Und das möchte ich auch weiterhin tun: Den Boden bereiten um Mensch zu sein, einfach nur Mensch, mit allem was dazu gehört, auch mit seiner oder ihrer Sexualität.  JA

Ja, und dann hab ich Ihnen ja noch ein kleines Geschenk in Aussicht gestellt:

Im Rückblick auf die letzten 10 Jahre und mit Ausblick auf die nächsten 10 Jahre, schenke ich Ihnen zum kennen lernen im Jubiläumsjahr 2012, Fr. 20.- Ermässigung auf die Wohlmassage. Und den Einzel-Paar-Massage-Kurs gibt es mit Fr. 40.- Ermässigung.

Do 1. März: Heute Morgen hab ich eure Namen auf Zettel geschrieben – und hoch damit in die Luft.  Frau Holle-mässig sind sie zu Boden geflattert. Der Zettel von Markus  lag am nächsten Die versprochene Massage, für’s Blog kommentieren, geht also an Markus.

6 Gedanken zu “Jubiläum

  1. Herzliche Gratulation zu Ihrem Jubiläum!
    Danke für Ihre Begleitung und Unterstützung auf meinem Lebensweg. Bei Ihnen durfte ich Nähe, Wärme, Ruhe und Geborgenheit erfahren. Geduldig und mit viel Liebe halfen Sie und meine Psychologin mir immer grössere Schritte zu wagen, in Richtung ein freudiges Leben zu führen. Danke! Wünsche Ihnen alles Gute und hoffe, dass viele Menschen durch Ihre Arbeit wieder Freude und Leichtigkeit im Leben finden. Ihre Arbeit ist Goldwert!!!

  2. liebe Frau Santiago,
    ich möchte Ihnen nicht für die Jahre gratulieren,sondern für Ihre stärke und vorallem Ihrem Durchhaltevermögen! 🙂 Wie oft mussten Sie vielleicht abstossende Raktionen über Ihren (komischen) Beruf entgegennehmen und aushalten. Und trotzdem gingen Sie unbeirrt Ihren Weg,eifach geradeaus,wohin Ihr Herz Sie führte.Aber eben,Sie wissen ja selbst wies ist beim wandern,auch wenn man die Hütte auf dem Berg sieht und den Wurstsalat meint zu riechen, steht der nächste Berg davor – der nächste zum überwinden.Desahlb wünsche ich Ihnen auch für die nächsten Jahre Kraft und Ausdauer mit kleinen aber bestimmten Schritten,so wie Sie dies auch uns lernen! Auch ich wünsche Ihnen von Herzen dass Sie mit Ihrem Angebot noch vielen Meschen helfen und sie begleiten können zu sich zu finden und wie mich schon mit Kleinigkeiten, (ich denke da an den Tampon) glücklich machen können! Von herzen alles liebe,schön dass es Sie gibt ! K.K

  3. Liebe Frau Santiago

    Herzliche Gratulation zu Ihrem Jubiläum 🙂 ich freue mich mit Ihnen. Schon die Praxis als Geschäft würde einigen Durchhaltewillen im unternehmerischen Sinn verlangen, und mit einem unpopulären, aber äusserst wichtigen Thema ist dieser noch nötiger. Das ist mE auch nur möglich, wenn eine Tätigkeit wirklich authentisch ist.

    Ich bin immer sehr froh gibt es Menschen wie Sie, die mit einer schlichten, natürlichen, gesunden und sehr geerdeten Betrachtungsweise an gesellschaftlich wichtige und oft unangenehme Themen herangehen. Ihre Art, körperliche Themen zu betrachten, befreit, beseitigt Stress und ist wohltuend.

    Das Fundament, das Sie vermitteln, finde ich äusserst wertvoll, und vor allem greift es. Man kann damit tatsächlich die eigene Lebensqualität verändern und im Verständnis wachsen. Aber auch Ihre herzliche Art prägt einem, gibt Hoffnung und begleitet einem 🙂 Ihre Kompetenz, sich in emotional verklemmten und komplexen Situationen zurecht zu finden, ist einzigartig.

    Ich wünsche Ihnen, dass Ihre Wünsche für Sie in Erfüllung gehen, dass Sie weiterhin Freude und Erfüllung in Ihrer Tätigkeit finden und dass es auch Ihrer Praxis weiterhin gut geht – so wie auf dem Bild mit dem Weg durch die Blumenwiese 🙂

    Schön, dass es Sie gibt – weiterhin alles Liebe 🙂

  4. Liebe Marlise

    herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum! Ich wünsche Dir viele weitere Jubiläen dieser Art, viele berührende Begegnungen, mehr Verständnis für Deine wertvolle Arbeit und vor allem ganz viel Durchhaltevermögen auf dem nicht immer einfachen Weg! Wenn ich nicht vor einigen Jahren durch Zufall – gibt es ja eigentlich nicht – auf Deine Webseite gestossen wäre, wenn ich nicht den Mut gehabt hätte, mich bei Dir anzumelden … dann wäre ich jetzt nicht da, wo ich bin! Auch wenn zwischenzeitlich meine Welt Kopf stand und alles anders kam, als ich es dachte, so wurde mir in den vielen „Therapie“-Stunden das Herz geöffnet für die Sonnenseiten des Lebens! Was gibt es schöneres als eine gleichwertige Partnerschaft, welche auf Achtsamkeit, auf Liebe, auf Leidenschaft, auf Respekt, auf offener Kommunikation und auf Zärtlichkeit aufbaut. Herzlichen Dank Marlise, für Deine Unterstützung, dass ich da bin, wo ich jetzt bin – dass ich bin, wer ich bin!

    Herzlich, Priska

  5. Schön das es ihre wertvolle Arbeit schon seit zehn Jahren gibt!

    Jahrelang hatte ich nach solch einem Angebot gesucht und hatte dann das enorme Glück Sie im Internet zu finden und von ihrer Therapie zu profitieren. Es ist wie, wenn man in einem riesigen Heuhaufen endlich die einzige Stecknadel gefunden hat!!!

    Wie hat sich mein Leben seither verändert. Ich kam an, leblos, mit einen Körper der nicht da war, den ich nicht spürte. Er war voll mit Medikamenten. Meine Welt war farblos und ohne Glück. Mein Körper war unförmig und ich hasste ihn, wie ich mich selbst hasste… … und dann wurde mein sehnlichster und grösster Wunsch erfüllt: Sie nahmen mich in ihre Arme. Von dieser ersten Sitzung an begann mein Leben sich langsam aber stetig und komplett zu ändern. Durch ihre Berührungen gaben Sie mir Schritt für Schritt meinen Körper zurück. Mein Leben bekam Farben. Es wurde bunt und ich spüre seitdem meine Körper ganz bewusst. Ich nahm ab und eine anhaltende Lebensfreude kehrte ein. Ich begann mich zu lieben, mich schön zu finden. Wurde offener, selbstsicherer. Ich lebe jetzt ohne Medikamente und was ich nie für möglich gehalten hätte: Ich habe einen Mann kennengelernt und bin verliebt!!

    Um all dies zu vervollkommnen, wünsche ich mir, dass ihre Arbeit endlich die Anerkennung unserer Gesellschaft erhält, die ihr gebührt. Eine Gesellschaft, die sich für so aufgeklärt, modern und offen hält, wo Pornographie, Prostitution als quasi normal erklärt wird, aber Menschen vergessen, die ohne Umarmungen, Berührungen und Kuscheln leben müssen, darum sollte sie endlich einsehen, dass diese einzigartige Therapieform so vielen Menschen helfen könnte in ein normales Leben zurückzufinden. Es wäre schön wenn Aertze und Psychotherapeuten den ersten Schritt unternehmen und dies ihren bedürftigen Klienten ermöglichen würden, da diese Therapie komplementär ist, da es primär um das Körpererleben geht und die Therapeutin sich nicht in bestehende Gesprächstherapien einmischt.

     

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