Liebe statt Kampf

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern Lichter-volle Festtage und ein freudiges, Liebe-volles neues Jahr.  Mein Wunsch zum vierten Advent: Mögen die Beziehungs-Kämpfe überflüssig werden


Zwischen Mann und Frau verläuft ein Graben, ein menschlicher «Röstigraben» sozusagen. Das bringt es mit sich, dass Grabenkämpfe bei vielen Paaren an der Tagesordnung sind. Schauen wir einmal hin, wie Männer und Frauen sich hierzulande begegnen, wie sie Beziehungen eingehen und wie Rollen innerhalb der Beziehung verteilt sein können. (Der Mechanismus gilt auch für gleichgeschlechtliche Beziehungen und Freundschaften)

Zwangsehe oder arrangierte Ehe ist in unserer Kultur nicht die Norm. Partner und Partnerinnen werden selber und aus freiem Willen gewählt, und Liebe scheint bei der Wahl massgebend zu sein. Angesichts der hohen Trennungs- und Scheidungsraten frage ich mich allerdings, ob diese Entscheide wirklich aus Freiheit getroffen werden, und was mit der Liebe passiert.

Ich habe den Eindruck dass nicht wirklich frei gewählt wird, sondern dass Verletzungen aus der Kindheit zur Partner- oder Partnerinnenwahl treiben. Wer sich dieser Verletzungen nicht bewusst ist, kann auch nicht bewusst Gegensteuer geben, und wird somit fast zwanghaft zur Wiederholung der kindlichen Dramen innerhalb der erwachsenen Paarbeziehung getrieben. Dieses Verhalten hat nichts mit freiem Willen zu tun.

Kinder-Dramen wiederholen

Niemand von uns ist unter absolut idealen Umständen aufgewachsen, weil auch Eltern sozusagen immer eine Aussenperson sind, und sich nie 100prozentig auf ein Kind und seine Bedürfnisse nach emotionaler und körperlicher Nähe, und auf das Bedürfnis nach Eigenraum einschwingen können. Wenn dieses elterliche Einschwingen nicht in dem für das Kind genügenden Ausmass geschieht, entwickeln sich Grundängste, und basierend auf diesen Ängsten eignen wir uns schon früh bestimmte Verhaltensmuster an. Denn auf unser Herkunftsgefüge sind wir als Kind existenziell angewiesen, darin müssen wir uns möglichst «energiesparend» bewegen. Je weniger empathisch sich Eltern verhalten, desto mehr passt sich das Kind an und wird «genügsam». Zum Beispiel: Jedes Mal wenn das Kind mit kindlicher Lebendigkeit ins Zimmer stürmt und von seinen Erlebnissen erzählen will, verzieht die Mutter vorwurfsvoll das Gesicht. «Sei nicht so laut und so wild, du machst mir Kopfweh.» Dieses Kind lernt, jeweils die Stimmung der Mutter abzuchecken, bevor es vielleicht ganz zaghaft etwas zu erzählen wagt.  Es lernt also seine eigenen Impulse und Bedürfnisse zu unterdrücken, bzw. sein lebendiges Wesen zu missachten, und die Befindlichkeit der Mutter in den Vordergrund zu stellen. Dieses Verhaltensmuster nimmt das Kind mit ins Erwachsenen-Leben. Von ihm oder ihr heisst es dann lobend: Es ist ein selbstloser Mensch. Verhalten wird auch Persönlichkeit genannt. Und Persönlichkeit kann auf einem «Mangel» basieren.

Selbstlosigkeit an sich kann ja tatsächlich ein lobenswerter Wesenzug sein. Aber ist es lobenswert, wenn dazu die eigene Lebendigkeit begraben werden muss? Wie selbstlos ist es denn wirklich, wenn diese Selbstlosigkeit aus schierer Not gelernt und unhinterfragt ins Erwachsenen-Alter mitgenommen wurde? Kann ein Mensch der seine Lebendigkeit begraben hält, wirklich selbstlos sein, oder kann es sein, dass er zuerst diese Lebendigkeit wecken und erfahren muss? Ich denke schon, denn erst auf dieser Basis wird es ihm dann möglich werden frei zu entscheiden, in welchen Situationen er sich selbstlos verhalten will und kann.

Liebe Braucht keine Gegenleistung

Und wie ist es für ein Gegenüber, von unhinterfragter oder Schein-Selbstlosigkeit umflossen zu sein? Kann es sein, dass da immer ein leises Gefühl des Unbehagens bleibt, dass man sich z.B. belauert fühlt? Ein Wunsch wird erfüllt, schon bevor er wirklich geäussert wird. (Auch das gilt oft als Tugend, obwohl es oft ein Vehikel ist, um ein Gegenüber zu binden, so wie einst die Mutter durch besonders artiges Verhalten gnädig gestimmt wurde). Von Aussen gesehen kann man diesem Menschen nichts vorwerfen, er oder sie handelt ja schliesslich selbstlos. Aber der Scheinselbstlose erwartet immer eine Gegenleistung. Denn in seinem Inneren hockt ein: Ich opfere mich schliesslich auf, ich bin immer am geben, immer nehme ich die Schuld auf mich, ich bin immer da, etc. und wer dankt es mir? Dafür könnte ich doch wirklich das und das erwarten, aber nein…

Wirkliche Selbstlosigkeit braucht keine Gegenleistung. Sie geschieht aus freiem Willen, und aus Mitgefühl und Liebe. So verhält es sich wahrscheinlich auch mit der Liebe. Wenn immer diese «Gegenleistungs-Erwartung» damit verknüpft ist, ist es nicht Liebe, sondern Bedürftigkeit. Und Bedürftigkeit gehört ins Kinder-Alter.

Sehen Sie den Unterschied? Ich weiss nicht, ob es mir auf diesen wenigen Zeilen gelingt, das zu skizzieren.

Erwachsenen-Bedürfnisse sind die gleichen wie in der Kindheit

Nun, wenn zwei Menschen sich begegnen, dann bringen beide ihre Persönlichkeit, bzw. Verhaltensmuster mit. Dummerweise sind das meist die nicht hinterfragten Verhaltensweisen, die in der Kindheit gelernt wurden, und es liegt an sich auf der Hand, dass die fürs Erwachsenen-Alter nicht wirklich taugen. Und dummerweise bleiben auch die Bedürfnisse im Erwachsenen-Alter die selben wie in der Kindheit: Körperliche und emotionale Nähe sowie Eigenraum. Und auch Erwachsene bräuchten ein Gegenüber, das diese Bedürfnisse als solche stehen lässt und respektiert, statt sie zu hinterfragen oder abzuschmettern, wie das in der Kindheit oft geschieht.

Wenn Grundbedürfnisse in Beziehungen vom Gegenüber nicht respektiert werden, (respektieren ist jedoch nicht gleichzusetzen mit erfüllen) dann ist Knatsch programmiert. Das sind dann diese Diskussionen die sich endlos im Kreis drehen und die beiden von einander entfernt. Zwei Kinder die miteinander darum kämpfen wer Recht hat, und sie können nicht erkennen, dass beide Recht haben mit ihren jeweiligen Bedürfnissen. Und aus solchem Geknatsche entwickeln sich «Überzeugungen» wie: «Er nimmt mir den Raum, ich habe keinen Platz neben ihm.» «Ich kann nicht sein wie ich bin, sonst entzieht sie sich.» «Ich liebe ihn wie er ist, aber das und das muss anders werden.» «Sie nörgelt ständig an mir herum, dabei tu ich alles für sie.» «Er redet nicht.» «Sie belagert mich derart, dass ich nichts mehr sagen kann, sie hat ja sowieso immer recht.» usw.

Je nachdem welche Verhaltensmuster ein Gegenüber mitbringt, oder wie bewusst sich jemand dieser Muster ist, fallen Reaktionen sehr unterschiedlich aus, ist Kampf oder Liebe angesagt.

Kampf oder Liebe?

Dazu ein Beispiel: «Ich kann nur einschlafen, wenn sie zur gleichen Zeit ins Bett geht wie ich», erzählte ein Mann, und war überzeugt davon, dass das in einer guten Ehe sowieso so sein müsse. Die Frau sagte: «Ich geniesse es, wenn alle im Bett sind, in Ruhe für mich allein etwas zu lesen. Aber jedesmal kommt er runter und fragt, ob ich nicht endlich auch ins Bett komme. Ich schlafe dann aus Trotz im Gästezimmer.»

Die beiden haben fast jeden Abend Streit darüber. Auch Abmachungen haben nicht viel gebracht. Denn da steht seine uralte Bedürftigkeit für die er eigentlich eine Mutter bräuchte, gegen ihren Freiraum den Sie sich wohl nimmt, aber – als Strafe für das aufsässige Kind? -, auf Distanz geht. Bedürftigkeit gegen Bedürfnis. Darum werden Mann und Frau plötzlich zu Sohn und Mutter. Dadurch, dass die Frau auf das «Spiel» des Mannes einsteigt, schneidet sie sich selber auch von Nähe zum Mann ab und er verliert durch sein Kinder-Verhalten seine Frau.

Solange er seine Bedürftigkeit nicht als solche erkennen kann, sondern seinen Standpunkt verteidigt: «In einer guten Ehe geht man zur gleichen Zeit ins Bett», bleibt er Kind, da nützen all seine übertriebenen materiellen Zuwendungen nichts, um seine Frau  zurückzugewinnen. Und solange sie darauf einsteigt, und aus Trotz im Gästezimmer übernachtet, bleibt sie Mutter statt Frau, oder wird auch selber zum verletzten Kind.

Lieben bedeutet auch sich selber zu lieben

Aber genau da könnte auch die Liebe ins Spiel kommen. Liebe, die nicht an Gegenleistung gekoppelt ist, Liebe die mitfühlend ist, Selbst-Liebe, die auch das eigene Bedürfnis wahr nimmt: «Ich lese noch ein bisschen, und wenn ich dann ins Bett komme, kuschle ich mich ganz fest an dich.» «Ich lege mich für einen Moment zu dir hin, werde dann aber noch etwas lesen gehen.» Solches Verhalten ist empathisch, und berücksichtigt gleichzeitig das Eigene. Kampf überflüssig.

Im Gegensatz zum Herkunftsgefüge ist die Erwachsenen-Beziehung meist nicht existenziell. Und wenn genügend gekämpft wurde wird getrennt, unter dem Vorwand «es passt eben nicht», «wir sind nicht für einander bestimmt», «wir sind beide starke Persönlichkeiten», «wir sind zu unterschiedlich», «ich kann bei ihm nicht sein wie ich bin», «wir haben uns auseinander gelebt», usw.

Schade. Denn das was sich in der Erwachsenen-Beziehung als Schwierigkeit zeigt, das birgt unendliche Möglichkeiten, das verwundete Kind und seine Ängste endlich hinter sich zu lassen und erwachsen, sprich Selbst-verantwortlich zu werden und immer mehr in Liebe zu leben statt einander zu bekämpfen.

Sich liebend zu verhalten gibt Selbstsicherheit

Wer sich der Kindheitsverletzungen und den daraus resultierenden Verhaltensweisen bewusst ist, muss keine dauernden Grabenkämpfe führen, und fällt auch nicht ständig in grosse Dramen. Er oder sie bekommt dadurch auch immer mehr innere Sicherheit und Selbstvertrauen, sich liebend zu verhalten. Liebend, gegenüber sich selber, genauso wie liebend gegenüber der Partnerin oder dem Partner.

Wie sehen Sie das?

15 Gedanken zu “Liebe statt Kampf

  1. Sehr geehrte Frau Santiago
    Schade ist es schon der vierte Advent, ich hoffe Sie schreiben im 2011 weiterhin so hilfreiche, berührende Texte. Diesen Text musste ich dreimal lesen, bis ich ihn verstand. Es lag nicht am Text, ich fragte mich, bin ich, wir Menschen wirklich so kompliziert? Bewirken die Kindheitsverletzungen ein so kämpferisches Verhalten? Nach genauem Überlegen musste ich – ja – sagen, bei mir trifft es zu.
    Waren wir Kind ruhig und brave, war die Welt in Ordnung, beim kleinsten Vergehen wurden wir nicht mehr beachtet, es wurde nicht mehr mit uns gesprochen oder wir wurden geschlagen. Aus Angst vor dem Beziehungsabbruch war ich oft ein braves Kind.
    Heute noch, sage ich meistens ja, wenn ich lieber nein sagen würde, lange geht dies gut, dann platz mir wieder einmal der Kragen oder nur schon wenn ich nein sage, quälen mich danach die Ängste, nun ist es Schluss – Aus, man will nicht mehr mit mir, bricht die Beziehung zu mir ab. In solchen Momenten liebe ich weder mein Gegenüber noch mich selber. Frei und selbstlos ist mein Benehmen nicht, es ist aus Angst vor dem Verlust. Danke für Ihren Beitrag, er ermutigt genauer auf das eigene Verhalten zu achten, die alten Muster zu hinterfragen und versuchen auszusteigen, hoffentlich gelingt es mir einmal wirklich zu lieben.

  2. hallo,ich hänge mich mal an Dich dran… Ja,nein sagen konnte ich auch nie.Man will ja gut da stehen,niemandem einen Korb geben,oder (die Freunde stehen lassen)Nur,ist auch jeder von ihnen für uns da,wenn wir sie brauchen ? Eher nicht,weil…die sagen ja auch sorry hab keine Zeit,ach nee heute gehts nicht….denkst Du die machen sich Gedanken darüber wie es uns da geht ? Sicher nicht !Ich übte das nein auf eine spassenshalberne Art in dem ich (aus Spass NEIN sagte und schaute wie der gegenüber reagierte….na ja die reagierten gar nicht drauf,weils normal war….anscheinend.Mit der Zeit fand ichs normal.
    Mit dem ja wird man nur ausgenutzt und kommt so rüber,als ob man keine eigene Meinung hat.Ein nein zeigt aber sicher stärke und grösse,weils ja Mut dazu braucht.Und sicher kommt man für die Mitmenschen auch verlässlicher rüber,weil sie wissen woran sie bei uns sind,weil sie ganz klar zu wissen bekommen was wir wollen und was nicht.Das weckt sicher auch vertrauen und man fragt uns öfter nach unserer Meinung.
    Und sowiso…im Leben gibts immer zwei Seiten,eine positive und eine negative
    Tag und Nacht,heiss und kalt sogar gut und böse und eben auch
    JA und NEIN Und jemand der ein nein nicht akzeptiert ist kein Freund er will nur profitieren und sich sein Leben angenehm gestallten…wir ja sager,machens ihnen ja möglich…..
    Ich wünsche Dir eine schöne Zeit und viele positive Erfahrungen,es macht spass 🙂 Karin (schöne Festtage :-))

  3. Liebe Blog Besucher,Liebe Karin, liebe/er ?
    Ja das NEIN sagen ist verdammt schwer wenn man nie NEIN sagen durfte und nie seine Meinung sagen durfte,und auch in meiner Kindsmissbrauchgschichte wagte ich es nicht NEIN zu sagen,ich hatte grosse angst vor dem grossen,dicken Mann.Heute mache ich mir grosse Vorwürfe das ich nie NEIN gesagt habe,denn diese Geschichte hat mein ganzes Leben zerstört.Ich wagte es auch nicht zu hause NEIN zu sagen,denn sonst gab es Prügel,und die nicht zu wenig,also war ich immer still.Und das ganze NEIN sagen hat sich durch mein ganzes Leben hindurchgezogen bis ich 2009 zusammengebrochen bin und in eine Klinik gegangen bin für vier Monate.Ja mein Körper hat mir gezeigt das es so nicht mehr weiter geht,das er eigentlich gerne weiterleben möchte,aber nicht so.Als ich in der Klinik war brauchte ich vier Wochen bis ich endlich mal nur verbal jemanden an mich herangelassen habe,gottseidank habe ich es getan.Seit zwei Jahren bin ich nun am verarbeiten und bin schwer am Lernen NEIN zu sagen in der Arbeitswelt,denn ich muss nur das tun was für mich zugstimmt ist und nicht immer auch für andere noch mehr arbeiten,damit die ein lockeres Leben haben,NEIN DANKE.Es ist eigenlich schlimm,aber dieser Zusammenbruch hat mir verholfen mein Leben in die Hand zu nehmen.Vor etwa drei Monaten habe ich mich auch entschieden mein Privatleben,meine Verletzungen,mein Missbrauch und die Vergewaltigungsgeschichte in die Hand zu nehmen,ich möchte nicht mehr so weiterleben in einem Loch vergraben.So habe ich auch den Entschluss gefasst zu einer Sexualpsychiaterin und zu Frau Santiago zu gehen und bei ihnen eine Therapie zu machen,die sehr hart ist und wird,aber ich will es,ich will mein Leben zurück.
    Liebe Adventsgrüsse

    Hope

  4. hallo Hope
    ja,mit Frau Santiago hast Du eine gute Wahl getroffen !Es wird hart und braucht Zeit
    manchmal gehts auch ein Schritt nach vorne und zwei zurück…. (jedenfalls bei mir)
    Ich wurde auch hart erzogen,und ich wusste immer um 17.00 uhr ists wieder soweit weil da kam der Vater von der Arbeit nach Hause,und die Mutter tratschte alles.
    Mit zwölf wurde ich auch mehrmals Missbraucht. Ein liebes Wort,Umarmungen oder Nähe gabs nicht,mit fünf hiess es da schon beim ankuscheln tu nicht so blöd,wie alt bist du denn ?Ging ich in den Ausgang,wurde ich ewig angefasst (Männer mit Familien, jene im Alter von meinem Vater)nein sagen gabs da nicht,weil die Frauen finden das ja (geil) das gehört sich so,hältst du nicht hin bist du eine doofe Zicke…wer will das schon sein !Das gehört ja zum Frau sein…das machen alle.Mein erster Termin bei Frau Santiago wollte ich wieder absagen,weil ich aufeinmal riesen Angst hatte das ich da wo reingeraten wäre wo ich wieder hinhalten muss.Ein Ort an dem man sich wieder an mir (aufgeilt)und Spass hat.
    Und beim erstenmal in den Arm nehmen schlug mei Herz bis zum Hals,weil ich dachte da kommt doch noch was,ich glaube ich wuste noch nichts richtiges anzufangen mit dieser Nähe. Eigentlich schon traurig dass irgendwie in dieser Computerisierten Welt der Mensch sich vergisst.Du kannst sozusagen einem ein 100er Nötli in die Hand drücken und da wird gestrahlt,sagst Du aber den kleinen Satz ich hab Dich lieb und das aus tiefstem Herzen ist dies absurd und man wird als ausserirdisch betrachtet… Es hat kein Wert.
    Halte das bei Frau Santiago durch,auch dann wenns weh tut..Sie ist wirklich eine liebevolle Begleiterin und spürt auch wenns (genug)ist !

    lieber Gruss und geniess den Nachmittag
    Karin

  5. Sali, Hope, Karin und alle
    Als ich Eure Beiträge las kam mir der Blog vom 26.11.2010, Licht ins Dunkel ganz strak in den Sinn und es war wie eine kleine Erlösung, zu lesen, da waren auch andere in der Klinik, wurden zu Hause geschlagen, hatten Missbrauch erlebt und tun sich schwer mit Nähe usw. und schreiben darüber, verschweigen es nicht mehr.
    Ich bin sehr religiös erzogen worden, man ehrte die Familie, sagte nichts schlechtes was da läuft, mit Gott durfte man sprechen, mit sonst niemandem. Wir mussten die vorbildlichen Kinder sein, die beste Familie darstellen. Eine heile Welt präsentieren.
    Ich lernte schweigen, auch in der Klinik erzählte ich von meiner „heilen Kindheit“ verschwieg die Wahrheit. Aber so erfuhr ich auch nie, wie es den anderen Menschen wirklich ging, was die erlebt haben. Oft war ich traurig, dachte habe nur ich so eine Kindheit gehabt, was habe ich denn falsch gemacht, wofür werde ich bestraft, erlebe ich alles viel zu schlimm, bin ich zu empfindlich, sind denn nur die Familiendrama in der Zeitung schlimm? Viele Fragen hatte ich? In der Therapie lernte ich, dass viele Familien Probleme haben und auch darüber schweigen.
    Der Blog bringt wirklich Licht ins Dunkle. Es darf geschrieben und ausgetauscht werden. Und sicher stehen bald freudige Erlebnisse auf dem Blog. Da wir kleine und grosse Fortschritte machen werden, Rückschritte inbegriffen.
    Heute kann ich darüber lachen, mein erster Termin bei Frau Santiago war an einem 24.12., als sie mir den Termin am Telefon sagte, blieb mir die Stimme weg, an so einem heiligen Tag, einen solchen Termin? Das ist doch doppelt sündig. Damals war es gut, getraute ich nicht Nein zu sagen. Es war das beste Weihnachtsgeschenk in allen Jahren. Ich durfte auch erfahren, dass Sex-ualtherapeutin, etwas ganz menschliches und hilfreiches ist, gar nichts mit Unanständigem zu tun hat.

  6. Und auch diejenigen von uns, die nicht missbraucht worden sind, haben aus ihrer Geschichte Schlussfolgerungen über sich gezogen, die in einem Mangeldenken mündeten und der Lebensfreude, der Freude an sich selber, im Weg stehen. Die es uns schwer machen, nein zu sagen, wenn wir spüren, dass es angemessen wäre.

    Diese Meinungen aus der Kindheit sind uns in Fleisch und Blut übergegangen, sodass wir sie oft gar nicht bemerken, sie sind uns so selbstverständlich.
    Sie zu wandeln gelingt nicht einfach über positiv-denken. Da gilt es, Frieden zu schliessen mit sich selber, dem was wir getan oder eben nicht getan haben. Uns zuzustimmen, dass wir damals das Beste getan haben, was wir konnten.
    Und sogar, dass wir daraus Fähigkeiten entwickelt haben, die uns im weiteren Leben gedient haben!

    Diese Erkenntnisse verstecken sich oft hinter „blinden Flecken“, die wir selber nicht sehen. Es lohnt sich, eine passende Unterstützung zu finden, um dahinter und mit sich ins Reine zu kommen. Dann wird ganz viel Energie frei, die vorher gebunden war. Es lohnt sich!

  7. Hallo Blog-Besucher,

    Wie geht es euch?Ich habe gerade gelesen wie motiviert ich am 19.Dezember 2010 in diesem Blog geschrieben habe.Zur Zeit gehe ich durch die Hölle,ich kann es nicht anders beschreiben.Es ist ein auf und ab seit ich mich intensiv mit meiner scheiss Vergangenheit konfrontiere,ein zerreissen meiner Seele und meinem Herz,es tut alles so verdammt weh.Hält das ein Mensch aus und durch?

    • Liebe Hope
      sonst hab ich ja bilateral geantwortet, wenn es mir notwendig schien, aber heute tu ich’s öffentlich, weil ich denke, dass noch andere davon profitieren können:
      nein, das hält kein Mensch aus. es ist nicht notwendig, dass du derart in diese alten Geschichten einsteigst. du darfst immer wieder aussteigen, wenn sie dich einholen, und dich den kleinen Dingen zuwenden, die dich freuen, die dich nähren, die du ja mittlerweile auch erfahren hast. du darfst eine glückliche Frau werden. es ist nicht gut, dass du immer wider direkt in den «Kern des Schmerzes» einsteigst, da wirst du ja komplett zerzaust und herumgewirbelt und findest den Ausgang nicht mehr. bleibe am Rand, denn dort hast du Begleitung von verschiedener Seite. sich der Vergangenheit stellen, heisst nicht, das immer und immer wieder neu erleben zu müssen. nein, Ursi steige immer wieder aus. mach die Erdungsübungen, die ich dir gezeigt habe, mach die Realitätsüberprüfung, geh spazieren mit ganz wachen Sinnen, und versuche mit deinem Körper zu spüren wie es sich anfühlt, was du unterwegs siehst, hörst, riechst, spürst. ich schicke dir eine liebevolle Gute-Mutter-Figur-Umarmung.

    • Liebe Hope

      Ich weiss von was du redest.Ich gehe im Moment auch da durch und es fühlst sich an wie die Hölle.Trotz allem versuche ich täglich immer wieder von Neuem dran zu glauben, dass es irgendwann besser und besser geht.Denk daran du bist nicht alleine!Und es ist eben wie Marlise so schön schreibt,aussteigen aus dem Drama und nicht sich im Schmerz verlieren.Es gelingt auch mir nicht immer, es ist wirklich happig,doch ich hab auch zwischendurch Erfolge und freue mich über kleine Schritte.Step bei Step dabei bin ich eher wie ein Rennpferd :-)Ich komme mir manchmal wie ein Spitzensportler vor der ein klares Ziel hat.Die müssen ja auch sehr hart und lange Einsatz leisten, mit Fortschritten und Rückschritten……von nichts kommt nichts oder so…..dieser Vergleich hilft mir, wenn ich wieder so ungeduldig mit mir selber bin.Ja auch unser Prozess braucht viel Zeit,Geduld,Ausdauer,Durchhaltevermögen.Mit freudigen Oasen und vorallem mit einem liebevolleren Umgang mit sich selbst kann auch dieser Weg etwas leichter gehen.Liebe Ursi ich wünsche dir von Herzen viel Kraft, etwas mehr Leichtigkeit,viele aufbauende schöne Momente und liebevolle Menschen auf deinem Weg. Herzlichst La Luna

  8. Liebe Marlise und La Luna,

    Vielen Dank für eure Worte.Mir sind grad die Tränen gekommen als ich eure Worte gelesen habe.Wisst ihr ich konnte den Schmerz nie rauslassen und jetzt habe ich das Gefühl ich erdrinke in diesen überschwemmenden Schmerzen,er nimmt mich ein,er macht mich bewegungslos und verkrampft,ich konnte diese Schmerzen nie zulassen,sie müssen doch irgendwann mal raus?!Ich falle immer wieder in die Vergangenheit und habe das Gefühl die Vergangenheit und die Schmerzen beherschen mich,sie sind so in mir drin, mein Körper ist tot!
    Ich möchte wirklich euren Beitrag in mir wirken lassen und hoffe mir gelingt es auch wie anderen Menschen immer mehr auszutreten aus dieser Hölle.Aber ich muss? und will doch jetzt da hindurch sonst finde ich doch mein Leben nicht mehr?!
    Hope

    • Liebe Hope

      Deine Zeilen berühren mich und machen mich sehr betroffen.Ja ich kenne das auch, wenn man diese Energie spürt,die Bilder, die Person, die Wut und Hilflosigkeit, den verzweifelten Schmerz der unerträglich ist.Was mir in dieser Situation geholfen hat, sind diese Erfahrungen, die ich dir gerne mitteilen möchte. Ich schreibe alles was mir durch den Kopf geht auf und verbrenne es mit der bitte an die göttliche Kraft, dass er mir hilft mich von dem zu befreien. Danach zünde ich eine Rechaudkerze an, lass es los und übergebe es. Wichtig danach gut erden mit Ball an schönes denken auch wenn es schwer ist, oder noch besser raus gehen, wechsle den Raum,Tanze um alles abzuschütteln…… um Abstand zu gewinnen. Weiter habe ich schon den Schmerz ins Kissen geschriehen, bis ich keine Stimme mehr hatte (mach ich nun nicht mehr;-) kann aber befreiend sein.Versuche immer zu spüren, was mir im Moment am besten helfen könnte und dann folge ich meinem Impuls. Manchmal nehme ich eine leere Pet-Flasche und schlage die ganze Wut über diese Situation in aufgestapelte Kissen (macht nicht so viel Lärm in einer Mietwohnung 🙂 und sage alles, was ich nicht sagen konnte und wenn es raus ist sage ich zum Schluss: Ich lasse nicht mehr zu, dass du mir weh tust. Für das muss man aber gut bei sich bleiben können sonst lieber mit einer Person machen die stark genug ist, um dich sicher dadurch zu begleiten, denn wenn man zu tief in die Gefühle reingeht, sich darin verliert, ist es definitiv nicht gut.Man muss präsent sein, mit der Absicht sich von dem alten Mist zu befreien und nicht nochmal ins Drama zu gehen.Vielleicht hilft es dir zu wissen, dass es noch einige Menschen gibt, die genau wissen wie sich das anfühlt und glaube mir Geduld und Dranbleiben wird belohnt.Ich habe auch schon Teilerfolge.Es braucht einfach Zeit immer und immer wieder und es kann nicht erzwungen werden.Je mehr ich mich auf das Gute konzentriere, umso mehr geht diese schlechte Energie weg, denn Licht ist stärker als Schatten und wird sich mit der Zeit lösen.Ich habe in einer schlimmen Phasen von einer Freundin einen süssen Teddy geschenkt bekommen.Er ist immer für mich da und wenn ich ihn in die Arme nehme gibt er mir viel Trost und Halt.Ich würde dir am liebsten einen geben 🙂
      Vielleicht kaufst du dir ja selber einen :-)? Macht auch Freude und tut gut! Symbolisch einen föhlichen süssen Teddy (es gibt welche mit fröhlicherem Gesicht, der lächelt dich dann immer an!), dass er dir hilft, da durch zu gehen?!?!
      Von Herzen alles Liebe für dich La Luna

  9. Liebe La Luna,
    Eigentlich wollte ich ins Bett doch ich wollte noch zuerst nachssehen ob noch jemand im Blog geschrieben hat,vielen vielen Dank La Luna für deine mitfühlenden Worte,gerade muss ich schon wieder weinen,zu wissen das da jemand ist den ich zwar nicht kenne,aber der genau weiss wie es mir geht und wie ich mich fühle.Vor lauter weinen sehe ich fast nicht mehr was ich hier schreibe.Ich bin auch sehr dankbar das sich die Tür zu Marlise geöffnet hat.
    Vor ein paar Wochen habe ich auch hier in Santiagos-Blog geschrieben,aber ich wollte eigentlich nicht so von mir schreiben.Ich hätte nie gedacht das die Hölle so schmerzhaft und unerträglich ekelhaft ist.Ich habe auch wie die Kontrolle über meine Gedanken und Gefühle verloren,sie kommen einfach wann sie wollen und es ist so verdammt schwer sie zu unterbrechen oder zu unterdrücken,und es erschreckt mich dass ich so Hassgefühle habe und diese beiden Täter töten könnte.Darf ich das hier überhaupt schreiben?!
    Herzlich

    Hope

    • Liebe Hope

      Ja, es ist genau so wie du schreibst.Der Schmerz ist einfach so tief und unerträglich, dass man in dem Moment der Verzweiflung solche belastende, kreisenden, gefangene Gedanken hat.Nicht davon los kommt.Nun hilft mir sobald das wieder vorkommt, dass ich zu mir STOP halt sage, „ich stehe nicht mehr zur Verfügung für dieses Drama“, da raus gehen, wie Marlise eben schreibt raus aus den Gedanken, du kennst ja die Tipps von Marlise.Mir hilft es.Wenn dann noch angestaute Gefühle da sind, bei mir ist es so, dass ich danach Schuldgefühle,Ängste,Wut, Hass….. hatte, weil ich im Grunde genommen diese Gedanken, diese Gefühle nicht haben möchte.Und Unterdrückung führte ja dazu,dass diese „netten Gefühle“ noch mehr kommen und ich mich dafür selber hasste.Das Thema hier heisst ja Liebe statt Kampf.Und seitdem ich mir sage.Ok liebe Silvia du darfst wütend, verzweifelt….. alles sein(es gehört nun mal alles zum Mensch sein)…es war nicht in Ordnung.Jetzt wo ich die Gefühle, wenn sie da sind nicht mehr unterdrücke, rauslasse (nicht an anderen ;- natürlich),sondern zuhause oder mit dem Realitätscheck annehme gehts besser. All diese „schlechten“ Gefühle in mir,einfach als das annehmen was sie sind, nicht mehr und nicht weniger, in Liebe einzupacken, in der Stille in mir.Fühlen, nicht denken,einfach sein und so habe ich schon wundervolle,heilsame Veränderungen erfahren dürfen.LIEBE IST DIE GRÖSSTE HEILKRAFT.LIEBEN WAS IST!Es ist wie, es ist, es gehört nun mal zu mir und ich möchte nicht mehr gegen mich kämpfen, mich dafür verurteilen.Ich darf FEHLER machen.Gefühle sind im Grunde genommen nichts schlechtes.Jedes Gefühl hat seine Dualität, seine Berechtigung.Jeder gibt ja immer sein Bestes und wenn man es besser könnte, wüsste und dem ist eben manchmal nicht so.Dieser Gedanke befreit mich davon keine Schuldgefühle mehr zu haben.Ich schicke dir eine liebevolle,herzerwärmende, freundschaftliche Umarmung und ich bin sicher die Sonne kommt auch wieder in dein Leben.So und jetzt alles weglegen,was tun, das einfach freude macht oder gut tut.Das Leben ist jetzt, nicht gestern nicht morgen sondern HEUTE, JETZT.Alles Liebe La Luna

  10. Hallo zusammen, habe gerade den Beitrag von Frau Santiago gelesen und eure Beiträge auch. Meine Meinung dazu ist dass ich nicht verstehen kann wie ich mich lieben soll, klar ich habe es nie gelernt, bin jetzt zwar verheiratet, er ist lieb, kann gut mit ihm diskutieren, ist alles gut. Aber eben er sagt ja schon dass er mich liebt, aber ich habe grosse Mühe dies zu akzeptieren und anzunehmen. Das löst bei mir ekel, Druck Spannungen usw. aus, so auch dass es mir den Atem nimmt.

    Gruss S

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