Partner- und Partnerinnensuche heute

Aktiv sein und raus gehen, denn das Glück klopft selten einfach so an die Haustür, war bis vor ein paar Jahren die Devise, wenn’s um die Partner- oder Partnerinnensuche ging. Heute finden die ersten Kontaktaufnehmen jedoch zunehmend zu Hause vor dem Computer statt. 

 

Schamhaft verheimlichte einst, wer sich über ein Inserat oder ein Institut kennen lernte. Heute scheint das gezielte Suchen salonfähig geworden zu sein. Und es passt in die schnelllebige und verkopfte Zeit, dass sich bereits sechs von zehn Paare auf solche Weise finden. Aber einfacher ist dieser Weg der Beziehungsanbahnung nur auf den ersten Blick, denn das gegenseitige Beschnuppern findet nach wie vor in der Realität statt.

 

Wie sieht ein Mensch aus, der sich so beschreibt: «Braunes Haar, blaue Augen, attraktiv, 170cm, schlank…»? Welches Bild mache ich mir mit diesen verbal geäusserten Attributen? Ich bin sicher, wenn ich diesen Steckbrief 20 Menschen vorlege, mit der Aufgabe, diesen in ein Bild umzusetzen, kämen 20 unterschiedliche Bilder zustande. Wie aussagekräftig ist das also? Und wie aussagekräftig ist ein Foto? Was für ein Mensch steckt hinter «sportlich, umgänglich, kommunikativ, sinnlich, genussvoll», etc? Wie viel Bewegung wird zu sportlich? Wie viel nachgeben, Freundlichkeit oder Charme macht einen Menschen zu einem umgänglichen Menschen? Heisst kommunikativ auch zuhören können? Bis zu welchem Grade genossen sind Suchtmittel noch Genussmittel? Wie steht es mit Zärtlichkeit, Erotik, Sexualität? usw.

Sich auf Partnersuch-Portalen zu bewegen, erfordert ein gewisses Mass an Realitätssinn, sonst sind die Enttäuschungen vorprogrammiert.

Sich zu verlieben ist immer auch ein Stück weit eine Projektion. Mann und Frau sehen das was sie sehen wollen, bzw. sehen können, das, was der Erfüllung ihrer Sehnsüchte dienlich sein könnte. Wenn unbekannte Gegenüber aus der Ferne kognitiv beschnuppert werden, fehlt etwas ganz wesentliches; die Sinneseindrücke, also das wirkliche Beschnuppern, die Wahrnehmung, alles Nonverbale. Natürlich können aus der Art und Weise des verbalen Ausdrucks Schlüsse auf das Gegenüber gezogen werden. Nur reicht das natürlich bei weitem nicht für eine Liebesbeziehung, denn die verbale Kommunikation macht ja nur einen Bruchteil der zwischenmenschlichen Kommunikation aus.

Das eigentliche kennen lernen findet also trotz Internet nach wie vor in der Realität statt. Das müssen sich paarungswillige «Parshiper» bewusst sein.

Branchenleader Parship sagt von sich: «Unsere internationalen Psychologen bringen umfassendes Wissen auf den Gebieten Partnersuche und Beziehungsverhalten mit», und sie bieten ihren Mitgliedern sogar Coaching an. Das scheint auch bitter nötig zu sein, denn Sehnsüchte und Projektionen haben sich nicht verändert. Auch nicht die fatalen romantischen Vorstellungen darüber, was Liebe ist, oder was Paarbeziehung bedeutet. Wir tragen auch alle noch die selben Wunden aus der Kindheit mit uns, die oftmals tiefes sich Verbinden und Einlassen können, verhindern, und die mit dazu beitragen, dass die Scheidungsraten immer mehr steigen.

Verlieben ist nicht etwas, was aus heiterem Himmel einfach so geschieht, es setzt erst mal die Bereitschaft sich verlieben zu wollen voraus. Genau so wie auch Beziehung nicht einfach geschieht, sondern die Bereitschaft voraussetzt, sich für die Beziehung zu entscheiden und sich auch wirklich einlassen zu wollen. Der Psychoanalytiker Michael Lukas Möller hat dazu einen schönen Satz geschrieben: «Niemand ist zu Beginn einer Paarbeziehung beziehungsfähig – das werden wir erst in der Beziehung selber.» Beziehung kann also bedeuten einander in Ruhe kennen zu lernen, sich miteinander und vor allem auch immer wieder mit sich selber auseinandersetzen, miteinander wachsen wollen – weit über das, was eine momentane Verliebtheit bietet, hinaus. Auch im Zeitalter von Parship und Co.

 

 

3 Gedanken zu “Partner- und Partnerinnensuche heute

  1. DANKE für diesen wertvollen Beitrag! Hat mir SOOO gut getan! Vorallem der schöne Satz „Niemand ist zu Beginn einer Paarbeziehung bezihungsfähig-das werden wir erst in der Beziehung selber“ Dieser Satz hat mir die Augen geöffnet und ich finde, dass er für freundschaftliche Beziehungen gilt.

  2. ja,dem Beitrag kann ich aus eigenen Erfahrungen zustimmen. Warum machte ich das eigentlich ? Es gibt mehrere Gründe: man arbeitet 100%, kommt vielleicht um 20.00uhr nach Hause, da geht man selten noch in den Ausgang,da unter der Woche eh keine Partys und Treffs stattfinden….Man setzt sich also an den Compi öffnet die Seiten und gibt das gewünschte Aussehen des (Wunschpartners an) braune Haare kurz,braune Augen und schon sind die Herren da 20/30 Stück. Dann werden die Hobbys betrachtet, dann die Persönlichkeit, passt’s und man hat regen Mail/Sms Kontakt über Tage oder Wochen und man versteht sich, hat gemeinsamkeiten, trifft man sich…. na ja und dann kommt das erwachen, der ist gar nicht so wie ich Ihn mir vorstellte… Aber das ist egal hat ja noch 20 andere und morgen ist auch noch ein Tag. Man müsste meinen den Partner fürs Leben hier zu finden wäre einfacher, bei der Auswahl! Warum ausgehen und Tagelang um die Häuser ziehen und aufs Glück hoffen dem richtigen in die Arme zu laufen? Man lernt sich über den Compi kennen und macht auf dem selben Weg auch (Handy) wieder schluss, man muss sich nicht rechtfertigen und das Theater bleibt aus…Heute weiss ich, wenn mein Herz bereit ist sich wirklich zu öffnen, glaube ich dass diese (Herz-Ausstrahlung) für die Mitmenschen sichtbar wird und es den (richtigen oder geigneten) Partner an mir entdeckt…oder ungekehrt :-)egal wo man ist, die Liebe wird früher oder später jeden treffen, sie fragt nicht nach dem alter… darum bleib ich wieder altmodisch 🙂

  3. Die Partnersuche über Internet und Kontaktanzeige kann durchaus ein erfolgreicher Weg sein, den Partner fürs Leben zu finden, wenn dabei einige wichtige Dinge beachtet werden.
    Gute Voraussetzungen dafür sind eine hohe Resilienz, Ausdauer und ein langer Atem, denn meist klappt es nicht beim ersten Anlauf. Als Faustregel gilt, unter etwa 100 Menschen finden wir den einen, mit dem wir gerne zusammen sein wollen. Das kann entmutigen, aber auch entspannen. Letzteres, weil es den Druck nimmt, zu meinen, es muss beim 10. Date schon funken. Eine Portion Ausdauer ist also schon notwendig. Doch schon der Weg dahin lohnt sich, denn durch jedes Date lernt man auch eine ganze Menge über sich.

    Ich selbst habe diesen Weg gewählt und dabei viel über mich selber erfahren, z.B. wie ich auf bestimmte Menschen reagiere, wie ich auf Menschen zugehe, wie ich andere wahrnehme, auf welche Muster ich hereinfalle, was mich anzieht und was nicht etc.

    Das heisst, für eine erfolgreiche Suche ist es sehr gut zu wissen, wer ich bin, was mich ausmacht, welche Erfahrungen mich geprägt haben, welche Werte ich vertrete, welche Art von Beziehung ich führen möchte etc. Hierzu gehört auch, dass man seine vergangenen Beziehungen aufgearbeitet hat. Um nicht wieder in dieselben Muster hereinzufallen bzw. auf dieselben Kandidaten.

    Sehr hilfreich ist es, darüber zu visionieren, wie denn die zukünftige Beziehung aussehen soll:
    Wie oft möchte ich meinen Partner sehen, wieviel Nähe will ich, wie soll die Kommunikation aussehen ? Möchte ich eine Partnerschaft, in der man zusammen wohnt oder lieber getrennte Wohnungen ? Wie weit bin ich bereit mich zu zeigen und zu öffnen, wie gut gelingt es mir, authentisch zu sein, wo sind meine Schwächen und Ängste ? Behandle ich selbst mich so, wie ich es wünsche behandelt zu werden ? Heisst, ich muss mich vorher erst mal selber so lieben wie ich bin, bevor das ein anderer tun soll. Ich kann nicht von einem anderen das erwarten, was ich selbst noch nicht leisten kann.

    Und dann gilt es, sich auch so zu zeigen und dies ehrlich zu kommunizieren, statt Spielchen zu spielen oder ein verzerrtes Bild von sich selbst darzustellen. Dann steigen auch die Chancen, den passenden Partner anzuziehen.

    Auch für Alleinerziehende, die ja nur begrenzt Zeit haben, um sich alleine auf Partnersuche zu machen, ist der Weg über das Internet oder Kontaktanzeigen im Grunde sehr effektiv. In der Regel trifft man auf Männer, die auch selbst auf der Suche sind. Die Gefahr seine Zeit mit Männern zu verbringen, die sich dann als verheiratet entpuppen, ist zwar gegeben, aber eher gering.
    Doch wie in der Realität tummeln sich auch im Internet schräge Typen, deshalb ist eine gewisse Skepsis und Vorsicht für Frauen in jedem Fall angebracht. Mit Hilfe einiger Sicherheitsregeln kann man jedoch die Frustrationsrate deutlich senken.

    Meine Erfahrungen gebe ich heute in meiner psychologischen Beratungspraxis an partnersuchende Singles weiter und es bestätigt sich immer wieder: Je besser ich mich selbst kenne und weiß, was ich will und die Beziehung zu mir selber stimmt, umso stärker ist meine Beziehungsfähigkeit und die Chance den Richtigen zu finden.

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