«Ich habe ein Problem mit Frauen, die mich nicht kontaktieren wollen, obwohl ich ihnen nach einem anregenden Gespräch in einem Café meine Visitenkarte hinterlasse. Sie sagen zwar immer zu, mir zu telefonieren, machen es aber danach trotzdem nicht. Bin ich vielleicht zu ungeduldig? Mache ich mir vielleicht ein falsches Bild von einer Beziehung? Ich glaube Beziehung, Erotik und Sexualität gehören zusammen. Also kein Sex ohne eine vorausgehende Beziehung, was das auch immer heissen mag», schreibt der 42-jährige Marcel Schwarz (Name geändert)

Kommunikation statt Visitenkarte

Wenn Sie von einer Frau derart angetan sind, dass Sie sie gerne näher kennen lernen möchten, bitten Sie sie doch einfach um eine Fortsetzung des Gespräches, und schlagen ein erneutes Treffen vor. Sie spüren dann auch gleich, ob Ihre Sympathie auf Gegenseitigkeit beruht. Je klarer Ihre eigene Kommunikation, desto klarer auch die Reaktion darauf.

Der Umgang mit einer Visitenkarte ist in der Berufswelt klar, aber im privaten Bereich trifft sie nicht immer den angebrachten Ton. Nach einem angeregten persönlichen Gespräch kann es zu geschäftlich und unverbindlich wirken, wenn Sie einfach Ihre Visitenkarte hinterlassen. Auch wenn es vielleicht rücksichtsvoll gemeint ist, weil Sie eine Frau auf keinen Fall bedrängen, und darum lieber ihr die weitere Initiative überlassen möchten.

Erwartungen wirken bedrängend

Mit der Visitenkarte geben Sie Ihre Verantwortung aus der Hand, und signalisieren nicht gerade ein rasendes Interesse am Gegenüber. Emanzipation hin oder her, biologisch gesehen ist es auch heute noch das Spermium, das sich zum Ei durchkämpft, und nicht umgekehrt. Vielleicht ist es auch im sozialen Verhalten immer noch tief in uns drin, dass eher der Mann den ersten Schritt machen bzw. ein bisschen kämpfen soll. Vielleicht möchte die Frau nach wie vor ein bisschen erobert werden, bzw. zumindest ein deutliches Interesse an ihrer Person spüren, bevor sie ihrerseits Schritte unternimmt.

Aus Ihren Zeilen geht nicht hervor, was Sie sich für ein Bild von Beziehung machen. Dafür schimmert die Erwartung durch, dass sich nach einem angeregten Gespräch eine solche ergeben müsste, und das kann bedrängend wirken. Ich bin mit Ihnen einverstanden: Beziehung und Sexualität gehören zusammen, zumindest in dem Sinne, dass es, ohne miteinander in irgend einer Form in Bezug zu treten, auch keinen Sex zu zweit geben kann. Wie weit gehend und wie tief gehend dieser Bezug, oder eben diese Beziehung sein muss, das bestimmen die beiden beteiligten Menschen.