«Sex, Sex und noch einmal Sex. Wo soll denn das noch hinführen? Und Sie wissen auch nichts besseres als noch dauernd darüber zu schreiben. Heutzutage wissen ja auch die Schulkinder nicht mehr was sich gehört, wie man in Seebach gesehen hat», von anonym.

Porno ist nur ein kleiner Aspekt der Sexualität

Diese Besorgnis haben wir gemeinsam. Ich beobachte in den letzten zwei Jahren eine rasante Zunahme von Sexsucht, ausgelöst durch die immer leichtere Zugänglichkeit von Pornografischem, und unterstützt durch den «wir sind doch alle so unverklemmt» -Ton in den Medien. Pornografie ist schon längst zum Lifestyle erklärt, aber dabei geht vergessen, dass die menschliche Sexualität viel mehr ist als Spektakel, Triebabfuhr und Technik. Der Mensch besteht aus Körper, Seele und Geist, und ganzheitliche Sexualität nährt alle drei Bereiche. Wenn da nun dauernd Bilder sind, die nur das Körperliche zeigen, und das erst noch auf unrealistische bis widerwärtige Weise, dann bleibt der Mensch auf der Strecke. Wenn Sexualität nicht ganzheitlich gelebt wird, wird sie mit der Zeit unbefriedigend, und dann müssen immer stärkere äussere Reize her: Neuer Partner, abwegigere Bilder, schmerzhaftere Inszenierungen usw.

Da sitzen dann Männer, die mit Ihren Fantasien nicht mehr klar kommen. Die Angst davor haben, dass die ihnen entgleiten. Da sitzen Frauen, die sich von Ihren Partnern zu tiefst gedemütigt fühlen, weil sie sich beim Sex nur noch benutzt fühlen.

Toleranz ist Gleichgültigkeit

Wenn nun schon Erwachsene mit all den Bildern immer weniger gut umgehen können, wie sollen denn erst Kinder und Jugendliche einordnen können, was nicht für sie gedacht ist, aber sich, überall präsent, trotzdem gnadenlos in ihre Seelen frisst? Diese Entwicklung ist wohl kaum mehr rückgängig zu machen, umso mehr braucht es Gegenstimmen und Gegenbilder zu diesem zerstörerischen Schrott.

Erwachsene Menschen, die Kindern und Jugendlichen aufzeigen, was Sexualität auch noch ist. Eltern, die ihren Kindern zugestehen, den eigenen Körper zu entdecken. Schulen, die im Sexualkundeunterricht lehren, wie Knaben und Mädchen miteinander ins Gespräch kommen können. Väter, die ihren Töchtern das Frau sein spiegeln, so dass diese nicht in der Öffentlichkeit halb nackt diese Bestätigung suchen müssen. Mütter, die Mütter sind, und ihre Töchter nicht als Freundinnen missbrauchen. Väter die dem Sohn das Mann sein zeigen. Mütter die ihre Söhne nicht mit Weibchenspielen verwirren. Und nicht zuletzt eine Gesellschaft, die Sexualität als Lebenskraft anerkennt, und sie nicht weiterhin tabuisiert, oder bei Auswüchsen tolerant, bzw. gleichgültig wegschaut.