«Vor einiger Zeit haben Sie eine Frage zum Thema Analverkehr beantwortet. Ich habe mich damals sehr darüber geärgert. Jetzt bin ich als Mutter von Teenagern selber damit konfrontiert. Immer wieder kommen Fragen und Andeutungen darüber. Das scheint sehr aktuell zu sein. Können Sie das wichtigste noch einmal aufgreifen?» fragt Marcella Bruhin (Name geändert)

Safer Sex

Ja, unter Jugendlichen sind Themen rund um anale Praktiken sehr aktuell. Einerseits ist da das spürbare Tabu der Erwachsenen, andererseits wird in Videos und Magazinen Anales als «geiler Kick» und Lifestyle-Akt dargestellt.

Aber leider nicht in aufklärender Form, so dass viel Unwissen herrscht. Ich persönlich finde anale Praktiken für Jugendliche nicht wirklich geeignet, da sie ein hohes Mass an exakter sexueller Kommunikation voraussetzen. Und all die notwendigen hygienischen Vorkehrungen, passen auch nicht so recht zur jugendlichen Sexualität. Aber wie es so ist; was probiert sein will, wird probiert, und da ist Aufklärung dienlicher als die Augen davor zu verschliessen. Das Fatalste ist, dass viele Jugendliche trotz aller Kampagnen immer noch glauben: Was nicht schwanger macht, macht auch kein AIDS. Das ist kreuzfalsch! Richtig ist: Bei Analverkehr besteht ein sehr hohes Risiko für beide Beteiligten, sich mit dem HI-Virus zu infizieren. Also unbedingt mit Kondom!

Schmerzempfinden achten

Bei analen Spielereien besteht ein hohes Verletzungsrisiko. Aber gerade Jugendliche setzen das Schmerzempfinden oft schlicht und einfach mit viel Alkohol und speziellen Crèmes ausser Gefecht, weil Anales in den Filmen so easy daherkommt. Richtig ist: Finger weg von Alkohol und anästhesierenden Crèmen! Der Körper sagt, was geht und was nicht, Langsamkeit und Kommunikation sind oberstes Gebot. Und da der Anus keine natürliche Feuchte hat, ist es ganz wichtig, reichlich wasserlösliches Gleitmittel zu benutzen, das zusammen mit Latex-Produkten verwendet werden kann.

Hygienevorkehrungen treffen

Sauberkeit ist eine weitere Voraussetzung für den risikoarmen analen Umgang. Der Darm ist von Bakterien besiedelt, die ausserhalb nichts zu suchen haben. Auch Darmparasiten und Hepatitis können durch Analverkehr oder oralen Analkontakt übertragen werden. Für oralen Analsex deshalb immer Latex Tücher verwenden. Ausserdem wird alles was mit dem Anus in Kontakt war, gründlich gewaschen (z.B. Hände) oder weggeworfen, (z.B. Kondom) bevor es mit dem Mund oder der Vagina in Kontakt kommt.