In der letzten Ausgabe habe ich darüber geschrieben, dass ein Grossteil der Frauen keine lustvollen, freudigen vaginalen Empfindungen hat, und somit eigentlich bestens auf Geschlechtsverkehr verzichten könnte. Frauen können jedoch lernen, für ihre Vagina Verantwortung zu übernehmen. Denn erst wenn Frauen mit ihrer Vagina achtsam umgehen, und anderes Verhalten nicht mehr zulassen, wird ihnen der Mann sexuell mit ebensolcher Achtsamkeit begegnen können. Und erst wenn eine Frau den Mann von Herzen ganz in ihre lebendige, wache Vagina aufnehmen kann, wird der Mann auch von Herzen in seiner gebenden Rolle aufgehen können.

Verhärtung durch Schmerz

In den letzten Jahrzehnten haben wir gelernt, dass die Vagina nichts zur sexuellen Erfüllung beiträgt, sondern dass es um die Klitorisperle geht. Das ist an sich eine wichtige Erkenntnis, denn es hat dazu beigetragen, dass sich mittlerweile viele Frauen als lustvoll und orgasmusfähig erleben. Aber vielleicht ist es jetzt an der Zeit, dass Frauen in der Entdeckung und Erweckung von Körper und Sexualität einen Schritt tiefer gehen. Zur Vagina, denn es kann doch nicht sein, dass ein zu äusserst tiefen Empfindungen fähiges Sexualorgan sozusagen im Dauerschlaf liegt.

Gefühle wahrnehmen und Raum geben

Die Vagina ist im Gegensatz zur Klitoris viel stärker mit dem Gefühlsbereich verknüpft. Damit erklärt es sich auch, dass frühkindliche Abwertungen, sexuelle Traumata, Geburten, Abtreibungen, gynäkologische Untersuche, nicht wirklich gewollter Geschlechtsverkehr usw., energetische Verhärtungen der Vagina zur Folge haben können. Das heisst, die Frau macht zu, macht sich empfindungslos für diese Schmerzen, aber gleichzeitig auch für freudiges, lustvolles Empfinden. Als «da unten», wird dieser Frauenort bezeichnet. Und so kann die Entdeckung der Vagina buchstäblich heissen, in den Keller hinab zu steigen. Etwas, womit viele Menschen diffuse Ängste, ambivalentes Erschauern, nacktes Grausen usw., verbinden. Emotionen und Gefühle also. Und genau darum geht es, wenn eine Frau in der Tiefe ihrer Vagina forscht: Gefühle wahrnehmen und ihnen Raum geben.

Heilsam kann es sein, wenn Frauen sich regelmässig liebevoll berühren, streicheln und massieren, und vorerst nichts anderes tun, als nur wahrnehmen, was sich dabei auf der Gefühlsebene tut. Indem sie diesem oft lange Versteckten ans Tageslicht verhilft, kann Heilung geschehen. Manchmal macht es Sinn, sich dabei begleiten zu lassen, oder das Erlebte aufzuschreiben. Wichtig ist, dass Frauen nicht in der Opferrolle bleiben und sich in diesen Gefühlen suhlen, sondern dass sie hinschauen, und sie dann auch wieder weglegen, und immer mehr dafür besorgt sind, dass es ihrer Vagina gut geht.