«Ich lebe mein Liebesleben je «reifer» (35-jährig) desto schöner, entspannter und befriedigender. Dennoch komme ich in Beziehungen immer wieder zu dem Punkt, wo der Partner wissen möchte, wie er mich zu einem Orgasmus führen könne. Und es ist so, dass ich den Orgasmus nicht kenne. Weder in der Selbstbefriedigung noch im Sexualakt. Ich kenne Wellen der Lust, und erlebe diese total schön und intensiv, jedoch nicht dass ich zu einem bestimmten Höhepunkt komme. Ansonsten bin ich fest erregt und  feucht, erkläre meinen Männern dass ich die Lust so erlebe wie ich sie erlebe. Ich frage mich dennoch manchmal, ob es da vielleicht noch etwas gibt (Orgasmus) was ich nicht kenne, und wie ich es denn kennen lernen könnte», fragt Martina Meier (Name geändert)

Verschiedene Orgasmen

Was Sie beschreiben ist Ihr Orgasmus! Befriedigend, entspannt, Wellen der Lust, schön, intensiv. Es gibt nicht nur eine Art von Orgasmus. Wie auch, bei all den unterschiedlichen Menschen. So wie Orgasmus in der Regel definiert wird, geht es um das rein körperlich messbare. In der Sexualität geht es jedoch um mehr, nämlich um das persönliche Erleben und Empfinden, und das ist nicht messbar.

Gipfel oder Tal

Im tantrischen Verständnis von Sexualität beispielsweise, unterscheidet man zwischen dem Gipfelorgasmus und dem Talorgasmus. Der Gipfelorgasmus wird allgemein als DER Orgasmus bezeichnet. Es wird Spannung aufgebaut, die sich dann auf dem Gipfel der Spannung abrupt entlädt. Sie schreiben jedoch, dass Sie beim Lieben entspannt sind. Und das ist die Voraussetzung für den Talorgasmus. Das heisst, Sie brauchen keine Spannung, um orgasmische Gefühle erwecken zu können. Spannung braucht Entladung, Entspannung ermöglicht fliessen. Sie müssen diesen Gipfel gar nicht erklimmen, sondern surfen im Tal entspannt auf Ihren Wellen der Lust. Als Bild: Der Gipfelorgasmus ist vergleichbar mit einem Fallschirmsprung, kann für einen Moment lang vielleicht etwas spektakulärer sein, ist jedoch schnell vorbei. Der Talorgasmus ist vergleichbar mit Wellenreiten, das fast endlos dauern kann. Selbstverständlich gibt es Mischformen, Variationen in der Intensität, erfüllende oder rein mechanische Orgasmen, solche die im Herz spürbar sind, andere die sich aufs Genital beschränken usw.

Wenn Sie ganz persönlich – und nicht weil Ihr Partner es möchte –  neugierig sind, auch ihren Gipfelorgasmus kennen zu lernen, können Sie für sich selber mit Erregung und Spannung experimentieren, und dann entscheiden, was ihnen mehr Freude bereitet.