«Ich bin 60, schlank, modisch, chic, und alle die mich kennen, können nicht verstehen, dass ich keinen Freund habe. Da fängt mein Dilemma an. Der Mann der altersmässig zu mir passt, ist mir zu einfallslos. Ich hatte fast ein Jahr lang einen jüngeren Freund, und wir hatten wunderschönen Sex. Der fehlt mir jetzt. Ich habe es schon mit Inseraten versucht, aber da melden sich fast nur verheiratete, oder Männer ohne Niveau. Nur verzichte ich lieber, als dass ich es mit einem Mann mache, der mir nicht gefällt. Aber Hilfe, soll ich in einen Swinger Club, oder wie finde ich einen hübschen, schlanken, glatt rasierten Mann mit Schnauz?», schreibt Margareta (Name geändert)

Abwertende Haltung

Was Sie schildern, erzählen viele Frauen. Es ist eine Tatsache, dass es für Frauen mit zunehmendem Alter schwieriger wird, einen Partner oder Liebhaber zu finden. Aber es ist beileibe nicht aussichtslos!

Zwischen den Zeilen schimmert für mich aber auch etwas Fatales durch: Die Haltung vieler reiferer Frauen, «Männer in meinem Alter sind entweder besetzt, ungepflegt oder langweilig.» Mit dieser unterschwellig abwertenden Haltung wird ihr Blick kaum je neugierig auf einem Mann im «passenden» Alter verweilen. Es ist doch so, dass wir genau das zu sehen bekommen, was wir sehen wollen, das woran wir glauben, und das andere wird ausgeblendet. Im geschilderten Fall heisst das, wir sehen lauter 60-jährige, mit denen nichts mehr los ist, und unsere Haltung wird noch bestärkt. Und wenn der Gesuchte auch noch genau die oben beschriebenen äusseren Attribute vorweisen muss, verengt sich der Blickwinkel noch mehr.

Überrascht und beschenkt

So kann ich mir gut vorstellen, dass Sie schon an manchem interessanten, und auf seine ureigene Weise attraktiven Mann achtlos vorbei gegangen sind. Sie haben seinen bewundernden Blick nicht wahrgenommen, weil er nicht glattrasiert, oder nicht ganz schlank war, oder dachten Sie vielleicht gerade: «Männer in diesem Alter sind langweilig?»

Ich spüre aus Ihren Zeilen nicht genau heraus, was sie wirklich möchten. Ihre Beschreibungen beschränken sich auf Äusseres. «Schön ist was mit Liebe betrachtet wird», hilft vielleicht weiter. Wer den Fokus eher auf die innere Herzgegend richtet, wird vielleicht überrascht und beschenkt. Mit festen Erwartungen und genauen Vorstellungen passiert das kaum.