«Seit zwei Jahren bin ich mit einem attraktiven Mann liiert. Er ist gross, athletisch gebaut, intelligent und äusserst vielseitig. Wir haben nicht allzu viele sexuelle Kontakte, da er viel beansprucht ist und wir in zwei verschiedenen Städten leben. Nun ruft er mich letzthin an und sagt, er möchte zu mir kommen, mich fühlen und ganz nahe bei mir sein. Ich freute mich. Und jetzt, bitte nicht lachen: Der Mann kam, wir schmusten. Ich wollte ihn ausziehen und er sagte: Ein Moment, ich muss noch rasch auf die Toilette. Er kam zurück, ich befreite ihn von Hemd und Krawatte, öffnete seine Hosen, zog das wenige, das ich noch anhatte bei mir weg und dachte: Was kratzt mich so am Bauch? In diesem Moment sagte er zu mir: Siehst Du, ich habe Strümpfe an. Ich riss die Augen auf! Und tatsächlich, stand der 1.90m Mann vor mir mit einem Strumpfgürtel aus Spitze (kratzt) mit Strumpfhaltern und Spitzenstrümpfen. Ich war völlig von der Rolle. Wir hatten dann sehr schönen Sex, es war Klasse. Nur, was soll ich davon halten? Was ist das für eine Neigung bei einem sonst so maskulinen Mann?», fragt die 62-jährige Andrea Spindler (Name geändert)

Reden statt überrumpeln
So wie Sie Ihr Erlebnis schildern, kann es sich um eine Form von Transvestismus handeln. Dabei geht es um das Bedürfnis, mittels Kleidung, Schminke oder Gestik, die Rolle des anderen Geschlechtes einzunehmen. Solcherart tritt es, entgegen der landläufigen Meinung, vorwiegend bei heterosexuellen Männern in Erscheinung. In der Regel werden damit nicht in erster Linie sexuelle Ziele verfolgt, sondern eher die Verwandlung an sich als lustvoll erlebt. Eher fetischistische Züge würde so eine Verkleidung annehmen, wenn der Mann die gegengeschlechtliche Kostümierung braucht, um überhaupt Lust empfinden zu können.

Eigenes Empfinden statt Vorurteil
Ob es die feine Art ist, ein Gegenüber solcherart zu überraschen, sei dahingestellt. Ich rate eher dazu, einander von Neigungen jedwelcher Art zu erzählen, und dann in kleinen Schritten auszuprobieren, was für beide stimmig sein kann und was nicht. Ich möchte Sie auf jeden Fall dazu ermutigen, an der Neigung Ihres Partners Anteil zu nehmen, indem Sie ihn alles fragen, was Sie darüber wissen möchten, und dass Sie Ihre Zweifel und Ängste formulieren, genauso wie Sie auch das schildern, was Sie offensichtlich auch erregt hat. Besprechen Sie auch, wie Sie diese Neigung in Zukunft in Ihr gemeinsames Sexualleben einbeziehen wollen und können, und hören Sie dabei auf Ihr eigenes Empfinden, und weniger auf gesellschaftliche Vorstellungen.