Kürzlich erwähnte der Stadtarzt, dass Sex ein gutes Mittel gegen Schlafstörungen sei. Wie wichtig ist der Orgasmus für die seelische und körperliche Gesundheit? Hilft er z.B. Stress abbauen? Nach dem Essen gelüstet es mich häufiger nach Schokolade statt Sex. Könnte der Körper durch häufiges Onanieren trainiert werden, öfters Lust auf Sex zu empfinden, und dadurch z.B. weniger Lust auf Süsses. Was kann frau in einer Sex-Therapie lernen? Gehören da auch Hausaufgaben dazu?» schreibt Margret Schaffner (Name geändert)

Sex ist viel mehr als Antistressmittel

Dass der Stadtarzt Sexualität im Zusammenhang mit alten Menschen erwähnt hat, hat mich gefreut. Nur schade, dass Sexualität, bzw. Selbstbefriedigung auf Orgasmus und Schlafhilfe reduziert wurde. Letztlich ist es natürlich die Entscheidung jedes einzelnen Menschen, wie und wozu er oder sie Sexualität lebt. Nur; Zweck gebundene Sexualität wird mit der Zeit mechanisch und schal. Da findet bestenfalls ein genitaler Orgasmus statt. Auf einer Ebene kann der durchaus entspannend sein, aber das sexuelle Potential, ob mit sich selber oder einem Gegenüber, ist damit bei weitem nicht ausgeschöpft. Ich bin der Ansicht, dass es nicht zur Hauptsache der genitale Orgasmus ist, der dem körperlichen und seelischen Wohlbefinden zuträglich ist, sondern alles, was im Idealfall mit Sexualität auch noch verbunden ist: Liebe, Nähe, Zärtlichkeit, Anteilnahme usw. Gerade Frauen, brauchen das, um langfristig eine nährende Sexualität zu erleben, bei der sie sich wirklich öffnen und hingeben können. Wenn sie sich als Antistressmittel missbraucht fühlen, oder selber nur Sex leben, um sich ab zu reagieren, vergeht irgendwann die Lust.

Missbrauchte Sexualität tötet sexuelles Empfinden

Schokoladekonsum und Sex setzt ähnliche Hormone frei. Ein mechanisches Training, nur um mehr Lust zu empfinden scheint mir nicht sinnvoll, und es stellt sich die Frage, ob ein Mensch ein bestimmtes Quantum an sexueller Lust haben muss? Wenn eine Frau beispielsweise immer zugelassen hat, dass ihr Partner Sex mit ihr meist als Antistress- mittel ausgeübt hat, dann wird sie mit der Zeit lieber auf Schokolade zurückgreifen, weil in ihr alles Empfinden abgestorben ist. Wenn diese Frau sich nun aber ihrem Körper liebevoll und geduldig zuwendet, ihn langsam entdeckt und erweckt, kann das sexuelle Empfinden mit der Zeit zurückerobert werden.

Eine Sexualtherapie bietet Anstösse und Werkzeuge, die befähigen, Sexualität selbstbestimmt und lustvoll gestalten und leben zu lernen. Hausaufgaben gehören in der Regel dazu, damit eingefahrene Verhaltensmuster durchbrochen und Neues eingeübt werden kann.