«Ich habe ein Problem, für das ich mich sehr schäme, und entsprechend, habe ich auch noch nie darüber geredet. Ich bin 67, eigentlich aktiv und gesund, aber ich habe eine schwache Blase oder so etwas. Das heisst, in den dümmsten Momenten kann mir einfach Urin abgehen. Und zwar nicht einfach ein paar Töpfchen wie früher, sondern meist ein ganzer Gutsch. Ich geh immer weniger aus dem Haus, aus Angst, dass man etwas sehen oder riechen könnte. Auch mit meinem Mann hab ich noch nie richtig darüber geredet. Ich schäme mich auch, noch körperlichen Kontakt mit ihm zu haben, obwohl es mir sehr fehlt», schreibt Gerda Huber (Name geändert)

Blasenschwäche ist ein Volksleiden

Blasenschwäche oder Harninkontinenz ist weit verbreitet, und kann als Volksleiden bezeichnet werden. In der Altersgruppe der 30 bis 40-jährigen sind 15 %, bei den 40 bis 50-jährigen 25%, und in den geriatrischen Abteilungen mehr als 60% davon betroffen. Frauen häufiger als Männer. Erstaunlich darum, dass diese gesundheitliche Störung als ganz grosses Tabu gilt, und entsprechend mit viel Scham verbunden ist. So sehr, dass Frauen und Männer oft glauben – vor allem mit zunehmendem Alter – das einfach still ertragen und erleiden zu müssen.

Aber dem ist nicht so! Jede Art von Blasenschwäche gehört grundsätzlich einmal in ärztliche Abklärung. Die obgenannten Zahlen zeigen: Sie sind mit dieser Störung nicht allein, Frau Huber. Fassen Sie also Mut, und sprechen mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, und bestehen auf einer sorgfältigen Abklärung. Dadurch kann je nach Ursache und Form der Harninkontinenz, die richtige Therapie gefunden werden. Therapie kann Beckenboden- oder Blasenentleertraining heissen, Änderungen des Trinkverhaltens oder eine Behandlung von chronischen Entzündungen bedeuten, oder Medikamenten- bzw. Hormoneinnahme, oder auch eine Operation umfassen. In ganz vielen Fällen kann mit der geeigneten Therapie die Kontrolle über die Blasenfunktion wieder erlangt, und in ganz vielen anderen Fällen zumindest Linderung für diese Störung erzielt werden.

Scham und Schweigen verhindern Lust

Das gleiche gilt auch für Ihre Beziehung: Reden Sie mit Ihrem Mann. Formulieren Sie Ihre Scham, Ihr Unbehagen, Ihre Befürchtungen. Handeln Sie miteinander aus, welche Formen der Sexualität für Sie beide, auch mit gelegentlichem Urinabgang unbeschwert lebbar sind. Vom medizinischen Standpunkt aus ist gegen Körperlichkeit und genitale Sexualität, auch mit einer bestehenden Blasenschwäche nichts einzuwenden. Urin an sich ist nichts Schmutziges.

Auskünfte, Broschüren, Infomaterial: Schw. Gesellschaft für Blasenschwäche, Gewerbestrasse 12, 8132 Egg. Tel. 01 994 74 30, www.inkontinex.ch