«Ich bin 38, und habe seit bald zehn Jahren keine Beziehung. Damit komme ich eigentlich ganz gut klar, aber hie und da fehlt mir Zärtlichkeit. Es geht nicht so sehr um Sex, sondern darum, am ganzen Körper gestreichelt und berührt zu werden, und mich hingeben zu können. Meine Frage, gibt es etwas in dieser Richtung, wo auch Frauen hin gehen können?», schreibt Alexa (Name geändert)

Hingabe lernen

Zärtlichkeit kommt in unserem Alltag ganz allgemein zu kurz. Mit oder ohne Beziehung. Berührung ist meist an eine Erwartung, ein Ziel geknüpft, oder an die Angst, «der oder die will etwas von mir, was ich nicht geben will.» Auch wenn wir uns selber berühren, geht es ja meist darum, einen Orgasmus zu erzielen. Wir haben es offenbar verlernt, ziellos aus dem Moment heraus zu berühren, und uns berühren zu lassen. Aus diesem Grund können wir oft gar nicht wahrnehmen, was eine Berührung in unserem Körper oder unserer Seele auslöst, weil wir eben immer schon einige Schritte weiter sind, nämlich beim Ziel. Wir haben das Geniessen verlernt. Die Hingabe an den Moment. An uns selber.

Tabus brechen

Zur Frage, was Frauen für Möglichkeiten haben, auch ohne Beziehung Zärtlichkeit zu erleben, habe ich drei Anregungen, die übrigens auch für Männer anwendbar sind.

  • Selbstliebe-Rituale erfinden, die nicht Orgasmus(s) meinen, sondern Genuss, Hingabe und Freude.
  • Im Freundinnenkreis gleich Gesinnte suchen, und sich in sinnlich gestalteter Atmosphäre gegenseitig massieren. Dieser Schritt braucht ein bisschen Mut.
  • Oder sich eine professionelle sinnlich-erotische Massage leisten. (Braucht auch ein bisschen Mut) Im tantrischen Umfeld werden solche Massagen explizit auch für Frauen angeboten. Es geht darum, dass eine achtsame, liebevolle Massage des ganzen Körpers, einschliesslich des Intimbereichs, ein tiefes Gefühl von Angenommen sein auslösen kann. Angenommen mit dem Bedürfnis nach Berührung, Entspannung, sowie dem Wunsch das eigene sexuelle Empfinden in Würde zu geniessen. Eine solche Massage ist in erster Linie eine Reise zu sich selbst, und es geht nur um das passive Geniessen, und wahrnehmen.