«Auch ich musste mich einer grossen Prostata Operation unterziehen, und ich habe nur noch eine 2/3 Erektion. Dies macht den Geschlechtsverkehr mit meiner Frau unmöglich. Wir streicheln uns bis zum Höhepunkt, jedoch ohne Ejakulation. Ich habe gehört, dass eine innerliche Ejakulation stattfindet. Nun meine Frage: Trifft dies zu und kann dies meinem Organismus schaden?», fragt Werner Mannhart. (Name geändert)

Unterscheiden zwischen Orgasmus und Ejakulation

Der sogenannte trockene Orgasmus, bei dem der Samenerguss in die Harnblase gelangt, ist die Regel, wenn der innere Harnröhrenschliessmuskel bei der Operation zerstört oder entfernt wurde. Das hat keine negativen Auswirkungen auf den Organismus. Der Erguss wird später mit dem Urin ausgeschieden.

Leider wird Orgasmus meist mit Ejakulation gleichgesetzt und viele Männer schämen sich, wenn sie keinen sichtbaren Beweis für ihren Orgasmus haben. Aber das Erleben und Empfinden eines Orgasmus ist da, auch ohne die Ejakulation gegen aussen. Und wie oft geschieht zwar eine sichtbare Ejakulation, aber fühlen tut der Mann nicht gerade viel dabei, oder er ist danach leer und müde? Ist das dann eher Orgasmus, als wenn der Mann etwas empfindet, aber nichts Sichtbares austritt? Ich persönlich unterscheide drum zwischen Orgasmus und Ejakulation, obwohl die beiden sehr oft Hand in Hand auftreten.

Entspannter Akt

Ich möchte Sie gerne auf etwas aufmerksam machen: Sie schreiben, dass der Geschlechtsverkehr ohne volle Erektion nicht mehr möglich ist. Das mag wohl herkömmlich gesehen, so zutreffen. Nun kann man sich aber die Frage stellen, was man eigentlich von einem Geschlechtsakt erwartet, warum man in dieser Art zusammen kommt, was man damit erzielen will etc. Geht es um Befriedigung, also um ein Ziel, oder ums eins sein, und einfach bei einander präsent sein? Wenn letzteres zutrifft, kann der Penis auch ohne Erektion oder mit einer schwachen Erektion eingeführt werden.

Normalerweise wird Sex gleich gesetzt mit Erregung, Stimulierung und Orgasmus. Das heisst, je mehr Spannung desto besser. Aber mehr Spannung heisst auch mehr Anspannung, und mehr Druck, und mehr machen und tun, so dass das was auch noch an Empfindungen vorhanden ist, gar nicht empfunden werden kann. Dass Sex aber auch in vollständiger Entspannung stattfinden kann, und man nicht selber agiert, sondern die Genitalien in ihrer eigenen Intelligenz agieren lässt, ist für die meisten Menschen ein neues Konzept. Sich diesbezüglich auf Entdeckungsreise zu begeben, könnte Überraschungen bringen.

Anregungen dazu: Diana Richardson, Zeit für Liebe, ISBN 3-933556-06-6