«Jedes Mal wenn ich mit einer Frau im Bett bin, werde ich zwar voll erregt, doch mein Penis bleibt meistens im schlaffen Zustand. Auch wenn ich gestreichelt werde, wird er nur sehr zögernd steif. Wenn ich es mir selber mache funktioniert es zwar besser, aber auch nicht optimal. Mit Anwendung eines Penisringes und Streicheleinheiten wird er hart. Was fehlt mir, und was mache ich falsch?», schreibt Hansjörg. (Name geändert)

Ärztliche Abklärung und Auseinandersetzung mit dem Mannsein

Das kann ich so nicht sagen, aber dafür ein paar allgemeine Anstösse geben. Für mich gibt es zu diesem Thema zwei Ebenen. Einerseits ärztliche Abklärung, andererseits Auseinandersetzung mit dem Mann sein. Auf der Körperebene werden Erektionsschwierigkeiten durch Lebensgewohnheiten, Medikamente, Operationen oder bestimmte Krankheiten verursacht. Das abzuklären lohnt sich auf jeden Fall. In den meisten Fällen können auf dieser Ebene Erektionsprobleme zwar nicht geheilt, die Symptome jedoch oft behandelt werden. Und punkto Lebensgewohnheiten: Vereinfacht gesagt hilft alles was dazu dient Herz und Blutgefässe gesund halten auch mit, dass der Blutfluss im Penis optimal funktioniert.

Aber was ist denn eine optimale Erektion? Wie schnell muss sie da sein? Wie lange muss sie ohne Pause aufrechterhalten werden können, um als optimal zu gelten? Woher haben wir die Bilder, wie ein Penis, und der dazugehörende Mann funktionieren muss? Der Satz: «Wenn ich gestreichelt werde, wird er nur sehr zögernd steif», berührt mich, und ein Bild taucht auf, wie sich der ganze Mann langsam entspannt, sich den zärtlichen Händen seiner Geliebten hingibt, und wie dann auch der Penis langsam bereit ist, sich zu erheben. Das ist doch ein wunderbares Bild! Es besteht kein Grund zur Eile, denn Lust kommt und geht wie die Wellen im Meer.

Wann ist Mann ein Mann?

In Schulklassen erlebe ich, dass schon Knaben die Angst haben, «es» dann nicht bringen zu können. Ein grosser Teil von ihnen ist bereits geprägt von Bildern aus (Porno) Filmen, Video Clips, Internet, die meist den omnipotenten Mann zeigen. Da helfen nur Umdenken, echte Männergespräche, und die vertiefte Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität, mit dem Mann sein usw. Diese Auseinandersetzung kann zwar sehr schmerzhaft, aber auf die Dauer heilsam sein. Und warum sich nicht der Weisheit des Penis überlassen? Vielleicht weiss er viel schneller und besser, dass der Mann in diesem Moment eigentlich gar nicht wirklich Lust hat auf Sex, sondern nur glaubt, «es» bringen zu müssen…