«In den letzten Jahren habe ich meine Sexualität mit gelegentlichem käuflichen Sex und mit Selbstbefriedigung ausgelebt. Nun bin ich seit kurzem wieder in einer festen Beziehung. Trotz heftiger Lust und Erregung, und der Stimulation von meiner sehr aktiven Partnerin, versagt mir mein bestes Stück seine Standfestigkeit nach dem Eindringen. Ein Mediziner meinte, dass ich den Geschlechtsakt verlernt habe, und ihn wieder trainieren muss», schreibt der 51 jährige Kaspar. (Name geändert)

Der Penis ist ein Seismograf

Der Penis redet eine Sprache, die nicht auf Anhieb verstanden wird. Macht er schlapp, versuchen Mann wie Frau, ihn wieder aufzustellen, statt einfach zu verweilen, und zu hören, was er zu sagen hätte. Was spräche denn dagegen, ein Weilchen Weich und ohne Stress in der Frau zu ruhen, bis er sich aufmacht zum nächsten Wellenkamm der Erregung?

Kann es sein, dass Sie Ängste haben? Vielleicht vor dem Weiblichen generell, oder die Angst, dieser tollen Frau nicht genügen zu können? Das würde ihr Penis möglicherweise lange vor Ihnen merken, und entsprechend darauf reagieren. Führen Sie in einer ruhigen Stunde Zwiesprache mit Ihrem besten Stück. Fragen Sie, was es sich wünscht, oder wie es sich von Ihnen behandelt fühlt. Hören Sie dabei auf die Antwort des Penis, und nicht auf die Flüsterer in Ihrem Kopf.

Den Penis sensibilisieren

Andererseits ist die Reaktion ihres Penis vielleicht eher in der sexuellen Konditionierung der letzten Jahre zu suchen. Das waren wohl eher Ziel gerichtete, kurze, heftige Aktionen, ohne viel Herz. Kann es sein, dass ihr Penis jetzt, wo er in einer weichen Vagina sein kann, zu wenig Reibung oder Druck bekommt? Dann ginge es nicht in erster Linie darum, den Geschlechtsverkehr zu trainieren, den verlernt man nicht so schnell, sondern darum, den Penis für feinere, auch weniger Ziel gerichtete Berührungen und Bewegungen sensibel zu machen.

Wahrscheinlich ist es auch angebracht, die Penetration eine Zeit lang wegzulassen, und sich ohne Druck allen anderen Spielarten der körperlichen Liebe zu widmen. Vor allem den Ziel losen Berührungen. Schauen sie sich dabei in die Augen und atmen sie gemeinsam. Durch diese Präsenz und Berührungen wird der ganze Körper mit der Zeit aufnahmefähiger und durchlässiger für alles, was zwischen zwei Liebenden auch noch fliesst. Aber üben Sie das auch für sich allein, indem Sie die Ziel gerichtete Selbstbefriedigung hie und da durch Ziel lose Selbstliebe ersetzen.