«Ich bin oft eifersüchtig», schreibt die 31 jährige Sereina (Name geändert). «Die Momente der Eifersucht finde ich zwar nicht gerade schön, aber Eifersucht ist doch Ausdruck leidenschaftlicher Liebe, und ein Grundgefühl der Menschen. Aber meinen Freund stresst es total. Er findet ich hätte keinen Grund dazu, und ich enge ihn damit ein.»

Eifersucht verdeckt die wahren Gefühle

Eifersucht ist kein Grundgefühl der Menschen, sie ist eine Emotion, welche die echten Gefühle verschleiert und überdeckt. Angst kann in diesem Zusammenhang so ein Gefühl sein. Angst vor Liebesverlust, Angst nicht zu genügen, Angst vor tiefer Bindung, Angst die Kontrolle zu verlieren usw. Aber statt sich selber und dem Gegenüber diese Angst einzugestehen, und sie auszuhalten, verdeckt Mann oder Frau sie gerne unter dem Mantel der Eifersucht. Alle die sich der Eifersucht schon hingegeben haben, wissen, wie zerstörerisch sie ist, wie sie die Brust eng macht, den Magen verkrampft, die Gedanken rasend. Und trotzdem scheint es oft einfacher, den Partner oder die Partnerin, für die eigene Befindlichkeit verantwortlich zu machen, oder sich in Phantasien zu suhlen, als diesen Deckmantel zu lüften, und zu schauen, was sich darunter wirklich verbirgt. Denn das könnte sehr schmerzlich sein.

Eifersucht ist pures Gift für die Liebe. Es braucht sie nicht, denn sie ist nebst der Ablehnung der Eigenverantwortlichkeit auch ein Disziplinierungsversuch des Partners oder der Partnerin. Eifersüchtige versuchen mit ihrem Verhalten das Gegenüber zu erpressen: Wenn du dich so und so verhältst, dann bin ich glücklich. Das ist nicht Ausdruck von leidenschaftlicher Liebe, sondern von kindlicher Hilflosigkeit.

Der Versuch kann sich lohnen, immer wieder bewusst innezuhalten, wenn sich Eifersucht anschleicht. Und statt die ganze Wucht der quälenden Gedanken auf den Partner oder die Partnerin zu stülpen, tief zu atmen, und einfach einmal wahrzunehmen, was im eigenen Körper abgeht. Das kann sehr heilsam sein, denn das Gegenüber hat in den wenigsten Fällen wirklich etwas mit dem zu tun, was in diesem Moment passiert, es ist nur Auslöser, sozusagen Werkzeug, damit wir die Möglichkeit bekommen, uns unseren wirklichen Gefühlen zu nähren. Zu sagen: «Ich habe Angst, dass ich dir nicht genüge», und das dann auszuhalten, hat eine ganz andere Qualität, als eine Eifersuchtsszene zu inszenieren.