«Mein Mann hatte vor zwei Jahren eine grosse Prostata Krebs Operation. Glücklicherweise ist er jetzt wieder gesund. Letztes Jahr waren wir sexuell zwei mal zusammen, und er sagte mir, er spüre auch etwas. Nur, seither herrscht Funkstille. Keine Berührungen, keine Gespräche, kein Interesse, keine Emotionen. Ich komme mir abgeschrieben vor, wertlos, allein gelassen. Ich suche immer wieder das Gespräch mit ihm, kämpfe um ihn. Und für das Sexuelle gäbe es Hilfsmittel wie Spritzen, Viagra etc. und er könnte sogar einen Orgasmus erleben, einfach auf eine andere Art. Aber Spritzen will er nicht, und Viagra hat er Angst zu nehmen», schreibt die 57 jährige Magdalena. (Name geändert)

Von sich selber reden

Was Sie schildern berührt mich. Hat auch Ihr Mann von Ihnen gehört, wie Sie sich fühlen? Weiss er, dass Sie sich abgeschrieben, wertlos, allein gelassen vorkommen? Weiss er, wie sehr Sie sich Zärtlichkeit wünschen, Anteilnahme, eine Gefühlsäusserung? Öffnung im Gespräch geschieht am ehesten, wenn man von sich selber, vom eigenen Empfinden usw. redet, und gar nicht so sehr in den anderen eindringen will, oder gar mit versteckten Vorwürfen kommt. Wichtig auch, dass Sie gut für sich selber und Ihre Seelennahrung sorgen.

Bewusster Entscheid für die Beziehung

Nachdem Ihr Mann von Ihnen weiss, wo Sie stehen, fällt es ihm vielleicht auch leichter, zu schildern, was in ihm vorgeht. Vielleicht fühlt er sich nicht mehr als Mann, wenn Geschlechtsverkehr nur noch mit Hilfsmitteln möglich ist, und die Ejakulation nicht mehr nach aussen tritt, sondern in die Blase. Vielleicht schämt er sich derart, dass er sich Ihnen nicht mehr zumuten will, sich nicht mehr annähren kann. Eine Möglichkeit, um aus diesem Teufelskreis herauszukommen wäre, bewusst Abschied zu nehmen von den Bildern, was ein Mann sein und können muss, um als Mann zu gelten. Die sexuelle Potenz ist nur ein Teil des Mann seins. Entdecken Sie zusammen, alle anderen Aspekte. Zärtlichkeit, Sinnlichkeit, Anteilnahme, Ehrlichkeit; auch das sind männliche Qualitäten.

Es wäre ein bewusster Entscheid fällig, die Beziehung wieder aufzunehmen. Bewusst wieder Gemeinsamkeiten auszutauschen, intensive Gespräche zu führen, wieder zärtlich und erotisch zu sein, auch wenn es dabei nicht zum Geschlechtsverkehr kommt. Regen Sie beispielsweise einen wöchentlichen Liebesabend an. Und nach einer Zeit der Wiederannäherung ist vielleicht auch ein gemeinsamer Besuch bei einem Urologen möglich, der Hilfsmittel kennt, die Ihrem Mann vielleicht weniger suspekt sind als Spritze und Viagra.