«Ich bin über Sechzig und verheiratet. Nach der Operation einer gutartigen Prostataerweiterung funktioniert bei meinem Mann nicht mehr alles wie es sollte. Damit könnte ich schon umgehen. Nun rät aber der Arzt meinem Mann, er müsse halt immer wieder probieren, dann werde es schon wieder klappen. Das ist für mich ein Horror. Ich fühle mich als Versuchskaninchen missbraucht, und hasse die ewige Probiererei», schreibt Charlotte Markus (Name geändert)

Druck wegnehmen

Kann es sein, dass Sie und Ihr Mann das «Probieren» etwas zu wörtlich nehmen? Aus Ihren Zeilen schliesse ich, dass Ihr Mann nicht mehr ganz zuverlässige Erektionen hat. Und wenn er eine hat, kommt es zum Geschlechtsverkehr, und der ist beendet, sobald seine Erektion zurückgeht.

Wenn das so abläuft, ist zu viel Druck auf ihrem körperlichen Zusammensein, und es dreht sich mehr oder weniger um die Standhaftigkeit des Penis. Alles andere bleibt auf der Strecke. Wenn Ihr Mann eine Erektionen hat, muss es schnell zur Penetration kommen, aus Angst, dass sie wieder verschwindet. Aber Angst macht eng, und das was fliessen könnte, fliesst nicht mehr. Und bei Ihnen läuft ähnliches ab: Sie sehen die Erektion des Mannes, und unterschwellig ist auch bei Ihnen die Befürchtung, dass die wieder weg geht. Dann nehmen Sie den Mann sofort auf, obwohl Sie noch gar nicht wirklich dafür bereit sind. Dann schrumpft der Penis schon bald wieder, und Sie gehen erst recht leer aus. Das gibt mit der Zeit einen regelrechten Widerwillen, gegen das körperliche Zusammensein. Haben Sie das Ihrem Mann schon gesagt?

Auf der Lustwelle schwimmen

Verzichten Sie eine Zeit lang ganz auf den Geschlechtsakt. Sprechen Sie das aus, machen Sie das miteinander ab. Begegnen Sie sich statt dessen, regelmässig mit Zärtlichkeit, Sinnlichkeit und Erotik, die nicht auf die Genitalien beschränkt ist. So kann sich der ganze Mensch sexuell erwärmen und ausdehnen. Wenn Ihr Mann bei diesem Zusammensein eine Erektion hat, heisst das nicht, dass er jetzt in sie eindringen muss, sondern dass er sich entspannt, und wahrnimmt, wie seine Lust kommt und geht. Umgekehrt, wenn Sie genügend gewärmt sind, so dass Sie wirklich bereit sind, Ihren Mann in sich aufzunehmen, spielt es auch keine Rolle, wenn seine Erektion kommt und geht. Dann werden Sie mit miteinander auf dieser Welle der Lust – die kommt und geht – schwimmen können. Dann ist keine Eile geboten, dann geht es nicht darum ein Ziel zu erreichen, sondern darum, einander von Herzen zu geniessen, und sich aneinander und miteinander zu freuen. Voraussetzung dafür ist jedoch das ehrliche, offene Gespräch.