«Mein Mann weiss einfach nicht wie er mich richtig berühren muss. Am Anfang war das noch nicht so schlimm, und ich dachte, dass es sich ergeben wird. Aber er streichelt und fummelt, und kaum zeige ich ein bisschen Lust, berührt er mich schon heftiger oder will gleich den Akt. Und dann verschwindet meine Lust nullkommaplötzlich, so wie sie aufgeflammt ist», schreibt Gisela (Name geändert) 38.

Mann und Frau funktionieren gegenteilig

Die meisten Paare gehen davon aus, dass der oder die andere schon weiss, was zu tun ist im Bett. Und sie gehen davon aus, wenn es am Anfang ganz ok ist, dass das auch so bleibt, und pendeln sich sexuell auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner ein.

Mann und Frau funktionieren in der Sexualität ziemlich gegenteilig. Ich zeichne das hier ein bisschen überspitzt auf. Der Mann mag es in der Regel direkt, er mag eher konkrete Berührung, und er mag es, wenn auch sein Penis schon ganz am Anfang eines Liebesspieles berührt wird. Die Frau hingegen braucht im Alltag Zärtlichkeit und Anteilnahme, damit sie überhaupt bereit ist sich zu öffnen. Sie mag zarte Berührungen am ganzen Körper, und mag es nicht, wenn er sofort ihre Genitalien ansteuert.

Kommunikation beginnt im Alltag

Wenn nun beide von sich und ihren Vorlieben aus gehen, kann ein Liebesspiel so aussehen, dass der Mann nun ewig lange aufs zarteste gekrault wird, und das möglichst weit von seinem Penis weg, und die Frau wird reibend an ihrer Venus berührt. Der Mann wird immer heftiger reiben, weil von der Frau nicht die erwartete Reaktion kommt, und die Frau krault verzweifelt immer sanfter, weil ihr die Berührungen des Mannes zu heftig und zu direkt sind. Wenn der Mann erregt ist, wird die Frau sich erst recht hüten, seinen Penis zu berühren, aus Angst, dass er das als Startschuss für den Geschlechtsverkehr auffassen könnte. Und dabei ist ihre leicht aufflammende Lust gerade wieder irgendwohin verschwunden…

Woher soll ein Mann wissen, wie eine Frau gerne berührt werden möchte, wenn nicht von ihr? Und umgekehrt? Es ist reiner Zufall, wenn jemand genau in der richtigen Art und Weise berührt, und das über Jahre hinweg. Kommunikation ist auch in der Sexualität das A und O. Aber damit sind nicht die Kommandos, «tiefer, höher, schneller» gemeint, sondern echte Gespräche über das Empfinden, über sexuelle Reaktionen, über Fantasien, über Schwieriges usw. Und diese Gespräche finden idealerweise schon im Alltag statt, und nicht erst im Bett.