Von Brüsten und Dampfkochtöpfen

Was haben Brustimplantate mit Bügeleisen und Co gemeinsam?

Eure neuen Brüste habt ihr vor gut einem Monat wohl ausgepackt. Sie lagen ja – hoffentlich wunderschön und anmächelig verpackt – unter dem Weihnachtsbaum. Zumindest wenn es nach gewissen Zeitungen geht. Waschmaschine, Bügeleisen, oder gar nur ein Dampfkochtopf, alles nützliche Dinge, die Frauen vor noch nicht allzu langer Zeit zu Weihnachten von ihren Gatten – genannt Papi – überreicht bekamen, haben wohl ausgedient. Der Mann von Heute muss einiges tiefer in die Tasche greifen. Aber wer lässt sich schon lumpen? Zehntausend Franken oder so, das ist ja heutzutags ein Klacks.

Das einpacken beschäftigt mich grad noch ein bisschen; wie verpackt man neue Brüste, also ich meine bevor sie in vivo ihre Daseinsberechtigung erreicht haben.  Ich meine zum unter dem Weihnachtsbaum legen. Oh, vielleicht wurden die Implantate in die Krippenlandschaft, als Hügel im Hintergrund, integriert. Soll ja eine karge, hügelige Landschaft gewesen sein. Damit hätte mann sich wenigstens das Geschenkpapier gespart. Oder war es ein Gutschein, im diskreten Couvert überreicht? «Mami, was hat Papi dir denn geschenkt?» Oder war es eher symbolisch, mit einem um zwei drei Körbchen zu grossen Büstenhalter? «Mami, der passt dir ja gar nicht.» Naja, euch Männern wird ja schon etwas eingefallen sein.

Frauen, habt ihr sie schon, ähm, eingesetzt und ausprobiert?

Und?

Besserer Sex?

So wie euer Mann früher dafür gesorgt hat, dass der Haushalt mit den netten kleinen Haushaltsgeräten tipptopp und reibungslos funktioniert hat, so kann er sich ja jetzt endlich so richtig an euren neuen Titten aufgeilen. Fühlt sich bestimmt erfüllend an. Also bestimmt irgendwie komplikationsloser, cleener, und spetitiver. So wie alles Haus-halt-interne ja idealerweise sein soll. Nicht wahr. Keine Umwege über Lustlosigkeit, keine Umwege über so Lästiges was in Menschen so alles vor sich gehen kann. Nein, nein, Aufgeilung einfach.

Ach so, darum ist es Ihnen gar nicht gegangen? Sie wollten nur ihr äusseres Bild dem inneren Empfinden angleichen? Klar, ich weiss, darum geht es ja bei solchen Anpassungen. Wo kämen wir auch hin, wenn das innere Empfinden nicht mit dem äusseren Bild übereinstimmte? Wir wären ja gespalten, sozusagen Schizophren.

Aber warum ist es Ihnen denn nicht in den Sinn gekommen Ihr Inneres dem Äusseren anzupassen? Also, die ver-rückten Aussenbilder wieder zu  relativieren. Es dürfte dann wieder sein, dass nicht jeder Busen aussieht wie in der Werbung. Oder es dürfte wieder sein, dass ein Busen nach einer Geburt anders aussieht als vorher. Oder im Alter anders als in jungen Jahren. Oder dass es überhaupt ganz unterschiedliche Formen gibt, usw. Wäre ja auch nicht schlecht, oder? Und vor allem um einiges kostengünstiger.

Übrigens, haben die selben Zeitungen vor Jahresfrist die Aufspritzung des G-Punktes propagiert – als Geschenk für Frauen, die sonst schon alles haben. Aber seltsamerweise haben sie dann ein paar Monate später geschrieben, dass es den G-Punkt gar nicht gäbe. Naja, dann wird wohl das Weihnachtsgeschäft mit der Aufspritzerei  nicht so das Gelbe vom Ei gewesen sein. Kein Wunder, dass sie dieses Jahr auf sichere Werte gesetzt haben. Die Brüste sieht man wenigstens, die sind einfach zu finden.

Ach ja, und wieder die selbem Zeitungen haben noch ein Jahr vor dem G-Punkt aufspritzen, die Korrektur der Schamlippen, als Weihnachtsgeschenk für Frauen, die schon alles haben, ans Herz gelegt.

Verständlich. Die heutigen Frauen haben ja eben schon alles: Dampfkochtopf, heutzutags Steamer genannt, Bügeleisen, pardon Bügelstation, Waschmaschine, die heisst glaub ich noch so,  sind standardmässig wohl in fast jedem Haus verfügbar. Ja wenn Haushalte solcherart aufgerüstet sind, bleibt wohl nur noch an der Frau selber herumzuschrauben.

Unten rum und oben rum.  Und wer bezahlt hat den Nutzen. Oder wie?

Ach wie fortschrittlich!

3 Gedanken zu “Von Brüsten und Dampfkochtöpfen

  1. Ich habe mich köstlich ab dem neuen Beitrag amüsiert. Gleichzeitig finde ich es absurd, dass einerseits alles für die Gesundheit angestrebt wird und gleichzeitig nimmt Mann/Frau hohe Risiken in Kauf um einem gängigen Bild zu entsprechen. Schade, dass auch mit dieser Sache wir uns gegenseitig nicht näher und vertrauter, sondern immer mehr zum nachrüstbaren Objekt werden.

  2. Wo bleibt die Achtung und Liebe zur Frau, die sich hinter den zu „kleinen“ Brüsten, mit zu „grossen“ Schamlippen befindet, einmal mit – und einmal ohne G-Punkt?
    Wo bleibt der Respekt für das Wunderwerk des menschlichen Körpers?

    Laut den Zeitungen gibt es nur guten Sex mit perfektem Aussehen, dann kauft sich der Mann/die Frau am besten eine Silikon-Puppe mit Model-Massen und geniesst den geilsten Sex mit dieser!?

    Nachdem viel Geld gemacht wird mit Operieren, Absaugen und Aufspritzen bei den Frauen, wird sich dieser Wahn wohl auch auf die Männer ausbreiten. Penisimplantate, Waschbrettimplantate usw.
    Die Schönheitschirurgie wird sich eine goldige Nase verdienen, weil wir Menschen nicht 100%ig perfekt sind. Was ja gerade das Schöne ist, wir sind menschlich und jeder auf seine Art einzigartig und wunderbar! Zum Glück nicht perfekt!

    Wann werden wir uns getrauen zu spüren, wie schön und faszinierend ein menschlicher Körper ist, wie vertraut er sich anfühlt, wenn wir den Menschen, den wir in den Armen halten kennen und lieben, ihm vertrauen können, ihn so sehen wie er ist und wir selber so sein können wie wir sind, da stören weder zu grosse noch zu kleine Brüste, Penisse, Schamlippen, Bäuche, Hüften usw.
    Für Intimität und Sexualität braucht es Zeit, Vertrauen und gegenseitigen Respekt, keine chirurgischen Eingriffe.

  3. Köstlicher Text 🙂 bissig sarkastisch…

    Aktuell erfahren tausende von Frauen einen sehr bitteren Rückschlag wegen billiger Implantate. Was hilft es, wenn der Firmenbesitzer der PIP dann irgendwie „zur Rechenschaft gezogen“ wird? Das ganze System ist zu hinterfragen.

    Als Mann hat man die Chance, seine Frau so zu bestätigen, wie sie ist. Das stabilisiert. Das wird möglich, indem man die sinnliche Ebene über die visuelle Ebene stellt. Dazu müssen viele Leute umlernen, dass die Augen nicht mehr so wichtig sind, dafür aber die vier anderen Sinne. Erfordert etwas Mitdenken und Bereitschaft, sich auf das Gegenüber wirklich einzulassen, und ist oft anspruchsvoll, aber möglich.

    Im Gegensatz hierzu denke ich, wenn sich eine Frau mit mir liiert und nachher permanent unter Druck steht, weil ich mich wegen ihrer zu kleinen Brüste angeblich nicht erregen kann oder mich in der Gesellschaft geniere, haben beide durch die Beziehung immens verloren. Das kann’s nicht sein…

    Übrigens, selbst bei blossem, intensivem „Konsum“ von erotischen Aktbildern wird einem Mann irgendwann ehrlicherweise auffallen, dass es tausende von Formen von Brüsten und Vaginas gibt. Das ist die Realität. Es geht letztlich um das Individuum, nicht um ein populär gemachtes Ideal.

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