Wir lassen Ihre Schönheit erblühen –

Oder: Warum Frauenverstümmelung im Trend liegt. Ach so, nein so stand das natürlich nicht im Inserat, das soeben im Migros-Magazin geschaltet war. Nein, nein da erklärt Frau Doktor Schendel die immer populärer werdende Intimchirurgie. Na warum wohl wird auch die immer populärer? Zum Beispiel, weil Zeitungen wie das Migros-Magazin solche Anzeigen schalten und weil Medien unreflektiert Berichte über solche «Trends» veröffentlichen. Eine Prise Sex ist ja schliesslich immer gut für’s Geschäft.

Ein Grund für den Trend zur Schamlippen-Verkleinerung, sagt Frau Doktor Schendel in der Anzeige, sei die Popularität der Intimrasur sowie das zunehmende Körperbewusstsein im Intimbereich. Mir ist schleierhaft wie sie zu dieser Aussage kommt.Wenn dem so wäre, dann wäre die Intimchirurgie nicht populär. Denn eine Frau, die ein gutes Bewusstsein für Ihre Vulva entwickelt hat, die ist erfüllt mit Stolz für dieses «zweite Gesicht» ihres Körpers. Sie würde sich darüber freuen, dass ihre Venusblättchen zart oder fleischig, dass sie versteckt oder sichtbar sind. Sie könnte auch wahrnehmen, wie schön dieser sehr weibliche Körperbereich durchpulst, also lebendig ist, wie sich die Blättchen bei unterschiedlichen Erregungszuständen verfärben oder dicker werden. Sie wüsste, dass es keine Krankheit, kein Makel ist, fleischige Lippen zu haben. Sie wüsste, dass die Form ihres Genitales erbbedingt ist. So wie auch anderes an ihrem Körper, und dass es von Unsicherheit und Unkenntnis zeugt, das in eine Einheitsform trimmen zu wollen. Sie wüsste, dass auch eine Veränderung durch das Alter oder durch Geburten keinen Makel darstellen, sondern eben zu den Veränderungen die das Leben so mit sich bringt dazu gehören. Eine ältere Frau sieht nun mal nicht aus wie ein Teenager. Das ist doch völlig in Ordnung so. Eine Frau die ein gutes Bewusstsein für Ihr Genital entwickelt hat, ölt oder cremt auch diesen Körperbereich jeden Tag liebevoll pflegend ein, und so er-fährt, er-lebt sie jeden Tag seine Form und Konsistenz, und jeden Tag melden so die Hände ans Gehirn: Alles in Ordnung da Unten.

Frauen, rasiert eure Muschi und schaut hin: Aha, so sieht meine Vulva aus! Wow. Aha, es ist nicht mehr das Kindergenitale, aha meine Lippen sind ausgeprägter geworden, usw. Berührt eure Venusblüte, auf dass sie zu ganzer Schönheit erblühen möge. Ohne Verstümmelung. Und dann könnt ihr euer Venushaar auch getrost wieder wachsen lassen oder in Form bringen.

Ob Frau Doktor Schendel wohl weiss, dass viele Frauen kein oder immer noch das innere Bild eines Kindergenitales verinnerlicht haben? Kein Wunder, das sie erschrecken, wenn es sich nach der ersten Rasur dann plötzlich bar jedes Haares präsentiert. Ui, da wird es weiblich! Kraftvoll! Geil! Voll genital eben. Lernt das zu nehmen, lernt das auszuhalten, eignet euch euer Genital an, füllt es mit Leben. Ja Frauen, schaut hin! So seht ihr aus. Wunderschön und individuell. 

3 Gedanken zu “Wir lassen Ihre Schönheit erblühen –

  1. Wer wuerde behaupten eine Blume sieht besser aus nachdem man ihr die Blaetter abgerissen hat? Wohl niemand. Ich habe mir vor ca. 1 Jahr vorher nachher Bilder angesehen. Ich habe kein einziges gefunden bei dem ich gedacht habe es waere noetig gewesen. Kein einziges bei dem ich gedacht habe nachher sieht besser aus. Die Schamlippen einer Frau sind wie die Blueten einer Blume wunderschoen. Wenn man sie beschneided ist dies Frevel am Wunderwerk Mensch. Ja auch die Genitalien sind ein Wunder. Wenn man sich mit ihnen auseinandersetzt kann man vielleicht Dinge spueren die man vorher nicht einmal erahnt hat.

    Es ist die Plicht dieser Doktoren die Frauen darueber aufzuklaeren, dass sie vielleicht nie mehr dass spueren was sie einmal gespuert haben. Dass sie vielleicht nur noch mit Unbehagen sitzen koennen oder gar mit Schmerzen.

    Gruesse vom kuerzesten Tag des Jahres.
    love
    Harry

  2. Zum Glück gibt es Ärzte und Ärztinnen, die nicht so denken und handeln wie Frau Dr. Schendel.

    Als Kind lernte ich, dass man weder zwischen die Beine greifen noch schauen darf. Die kindliche Neugierde war stärker als die Angst und ich schaute einmal nach. Das Bild prägte sich ein.
    Anstatt aufgeklärt wurde mit Angst gedroht. Jedes Gefühl von Lust und Freude wurde als sündig abgetan, die Sexualität hatte ihre Berechtigung nur für die Kindszeugung.
    Die Sexualorgane erlebte ich als gefährlich und zwischen den Beinen durfte nichts leben, alle Gefühle mussten unterdrückt werden. Ein toter Ort entstand. Die Benutzung von Tampons wurde zur Qual, wie und wohin gehört ein Tampon, wenn man nicht spüren darf und auch nicht tasten. Eine Gynäkologin führte den Untersuch mit einem Spiegel aus und erklärt alles. Der Anblick war ein riesen Schreck, er stimmt nicht mehr mit dem Bild als Kind überein. Die Gynäkologin beruhigte mich und klärte mich über die verschiedenen Formen der Vaginas und Vulvas auf und dass ich völlig gesund bin, meine individuelle Form schön sei. Unsicherheit und Ängste blieben doch zurück. Völlige Beruhigung trat erst ein, als ich das gleiche von Ihnen als Sexualtherapeutin hörte und sie mich auf die Internetseite Vulva Projekte verwiesen.
    Warum MedizinerInnen gesunde Körperstellen durch operieren zerstören und dies für horrende Geldsummen finde ich sehr fragwürdig und traurig. Anstatt die Frauen aufzuklären und ihnen zu zeigen wie sie diesen unbekannten Ort, entstanden in der Kindheit wieder spüren lernen können, integrieren können in ein friedliches und freudiges Körpergefühl.

Schreibe einen Kommentar